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FiBS-Studie: Prävention durch Bildung rechnet sich für den Staat deutlich

20.09.2011
Nach einer heute vom Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie vorgelegten Studie liegt die fiskalische Rendite des Ausbaus des Bildungssystems unter anderem zur besseren Benachteiligtenförderung für die öffentlichen Haushalte je nach Maßnahme bei bis zu 23 Prozent.

Rund die Hälfte davon entfällt auf die Sozialversicherungen, der Rest verteilt sich auf Bund, Länder und Kommunen. Eine Reform des Bildungssystems ist damit nicht nur mit Blick auf den Fachkräftemangel sinnvoll, sondern auch mit beträchtlichen zusätzlichen Einnahmen und auch geringeren Ausgaben verbunden. Dies würde die Finanzlage der öffentlichen Haushalte langfristig und nachhaltig verbessern.

Die fiskalischen Kosten und Erträge eines Ausbaus des Bildungswesens zur Erhöhung der Kapazitäten sowie zur Verbesserung der schulischen Leistungen und Kompetenzen, insbesondere von benachteiligten Zielgruppen, sind das Thema einer Studie, die das FiBS – Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie heute vorlegt. Danach profitieren die öffentlichen Haushalte nicht nur von Hochschulabsolventen, wie die jüngste OECD-Studie gezeigt hat, sondern auch von präventiven Maßnahmen in anderen Bildungsbereichen überproportional.

Ausgangspunkt der Untersuchung ist, dass nach wie vor jeder sechste junge Mensch sein Berufsleben ohne ausreichende Qualifikation beginnt. Da die Arbeitslosigkeit gerade bei dieser Gruppe besonders hoch ist, werden die öffentlichen Haushalte durch hohe Sozialausgaben langfristig stark belastet. Wenn es gelänge, zumindest einen Teil dieser jungen Menschen im Bildungssystem besser auf das Erwerbsleben vorzubereiten, würde sich das Qualifikationsniveau dieser Zielgruppe verbessern und damit deren Arbeitslosigkeit verringern. Statt Sozialleistungen zu beziehen, könnten diese Beschäftigten Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Die aus Minderausgaben und Mehreinnahmen resultierende Differenz liegt selbst bei wenig optimistischen Annahmen schnell bei 25.000 Euro und mehr pro Jahr und Person.

Vor diesem Hintergrund wurden die Kosten und Erträge von vier unterschiedlichen Präventionsansätzen berechnet und in fiskalischen Renditen zusammengefasst. Diese beziffern, welche Verzinsung die öffentlichen Haushalte je eingesetztem Euro erzielen könnten.

So zeigt sich, dass das Verhindern eines Schulabbruchs für die öffentlichen Haushalte eine Nettorendite von insgesamt 19 Prozent bringt, von denen 7 Prozent auf die öffentlichen Haushalte von Bund, Ländern und Kommunen und 12 Prozent auf die Sozialversicherungen entfallen. Dies bedeutet, dass die öffentlichen Haushalte über die durchschnittliche Anzahl an Erwerbsjahren von 46 Jahren mit Erträgen in Höhe von 87 Milliarden Euro rechnen können. Den Erträgen stehen Ausgaben für zusätzliche Bildungsausgaben von rund 9 Milliarden Euro gegenüber. Der Nettoüberschuss beträgt somit 78 Milliarden Euro.

Bei einer besseren Berufsorientierung an Hauptschulen, zum Beispiel durch einen stärkeren Praxisbezug, ist sogar mit einer Nettorendite von insgesamt 23 Prozent zu rechnen. Knapp 11 Prozent entfielen davon auf Bund, Länder und Kommunen und 13 Prozent auf die Sozialversicherungen. Diese Maßnahme ist aus staatlicher Sicht besonders lohnend, denn den Investitionen von 6 Milliarden Euro stehen Einsparungen und langfristige Bruttoerträge von insgesamt 72 Milliarden Euro gegenüber.

Auf den ersten Blick ist die Rendite des Ausbaus zu gebundenen Ganztagsschulen, die bei 5 Prozent liegt, deutlich geringer. Die öffentlichen Haushalte bekämen 1 Prozent, die Sozialversicherungen 4 Prozent. Ursächlich sind hierfür die vergleichsweise hohen Investitionskosten von 26 Milliarden Euro, wenn man, wie in der FiBS-Studie, diese Kosten nur auf zehn Alterskohorten verteilt. Da aber auch nachfolgende Schülerjahrgänge vom Ausbau der Ganztagsschulen profitieren, lässt sich schon bei einer um zehn Jahrgänge erweiterten Betrachtung zeigen, dass sich die Gesamtrendite annähernd verdoppelt.

Der Ausbau der Kindertagesstätten um zusätzliche 200.000 Plätze für unter Dreijährige weist Nettorenditen von insgesamt 17 Prozent auf, darunter 8 Prozent für die öffentlichen Haushalte und 9 Prozent für die Sozialversicherungen. Zwar sind die Ausbaukosten und die Ausgaben, auch für nachfolgende Bildungsphasen, hier mit 35 Milliarden Euro sehr hoch. Allerdings profitieren von dem Krippenausbau langfristig deutlich mehr Kinder als von den anderen Bildungsreformen, sodass sich die Bruttoerträge auf 311 Milliarden Euro summieren. Das heißt, die zusätzlichen Nettoeinnahmen würden sich auf 275 Milliarden Euro belaufen.

„Unsere Berechnungen zeigen“, so fasst Dr. Dieter Dohmen, der Direktor des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie die Ergebnisse der Studie zusammen, „dass sich der Ausbau des Bildungssystems gerade für die öffentlichen Haushalte rechnet. Angesichts des demografischen Wandels und des zu erwartenden Mangels an qualifizierten Fachkräften, wäre es fahrlässig, das Potenzial der nachwachsenden jungen Menschen zu vernachlässigen,“ meint Dohmen weiter. „Jedes Jahr könnten durch entsprechende Reformmaßnahmen bis zu 150.000 junge Menschen besser qualifiziert werden. Die Fachkräftelücke kann somit langfristig und nachhaltig verkleinert werden, wenn Bund, Länder und Kommunen die notwendigen Maßnahmen ergreifen. Qualifizierung des eigenen Nachwuchses sollte neben Zuwanderung, einer höheren Erwerbsbeteiligung von Frauen und einer längeren Lebensarbeitszeit der vierte Baustein zur Verringerung des Fachkräftemangels werden. Er ist auch besonders nachhaltig: Anders als bei den meisten anderen Maßnahmen, die vor allem einen Einmaleffekt haben, wachsen junge Menschen jedes Jahr nach.“

Die Berechnungen zu den fiskalischen Renditen werden mit dem vom Forschungsinstitut entwickelten Simulationsmodell EduSim© vorgenommen, das zudem die anerkannte und präzise Grundlage der jährlichen FiBS-Prognosen von Studienanfängerzahlen auf Bundes- und Länderebene ist. Darüber hinaus können hiermit auch weitere Berechnungen, etwa nach Fachrichtung oder föderalen Ebenen, durchgeführt werden.

Kontakt: Birgitt A. Cleuvers (FiBS), Tel. 0 30 – 84 71 22 3–20

Birgitt A. Cleuvers | idw
Weitere Informationen:
http://www.fibs.eu/

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