Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Faltet der „Zitronenfalter“ wirklich Zitronen?

10.04.2015

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt „Typologie und Theorie der Remotivierung“ am Lehrstuhl für Deutsche Sprachwissenschaft der Universität Passau (Prof. Dr. Rüdiger Harnisch). Darin soll der Frage nachgegangen werden, wie und warum sprachliche Äußerungen zusätzlich mit Bedeutung aufgeladen werden (Sinn-Suche) und in ihrer Zusammensetzung transparenter gemacht werden, als sie eigentlich sind (Struktur-Suche).

Sprachliche Zeichen gelten gemeinhin als willkürlich, als nicht motiviert. Denn ihre sichtbare und hörbare Form ist in der Regel nicht unmittelbarer Ausdruck ihrer Bedeutung. Nur lautmalerische Wörter – beispielsweise „Wauwau“ für ‚Hund‘ – , sogenannte Volksetymologien wie „Hängematte“ (für karibisch „hamaca“) und durchsichtige Bildungen wie „dreizehn“ als Aggregat für „3 + 10“ gelten als Ausnahmen davon.


Zitronenfalter

Fotolia


Zitronen-Falter, Karikatur von Paul Flora.

www.paulflora-rechte.com

„Das Projekt will jedoch zeigen, dass Sprecherinnen und Sprecher sehr viel mehr solcher Form-Inhalts-Bezüge finden oder sie gar erst herstellen. Das ist mit ‚Remotivierung‘ gemeint“, erklärt Prof. Dr. Rüdiger Harnisch, der das Projekt leitet. „So interpretieren Kinder ein Wort wie ‚sauber‘ oft als Steigerungsform von ‚saub‘, entdecken darin also etwa analog zu „kleiner“ eine Struktur ‚saub + er‘, der sie den vermeintlichen Sinn einer Steigerung zuweisen. Oder es legen Karikaturisten wie Paul Flora scherzhaft Sinn und Struktur in Wörter wie ‚Zitronenfalter‘, so als ob es sich, wie seine Zeichnung es abbildet, um eine Person handle, die Zitronen faltet. Dabei hat der ‚Falter‘ mit ‚falten‘ nichts zu tun, und der Wortbestandteil ‚Zitrone‘ steht gar nicht für die Frucht selber, sondern für deren Farbe. Das alles sind Beispiele dafür, dass überschüssige Form nach Inhalt verlangt.“

Doch auch das Umgekehrte gehört zu den Gegenständen des Projekts: dass nämlich Inhalt nach zusätzlicher Form verlangt. „So drücken wir einem eigentlich schon als Adjektiv gekennzeichneten fremdsprachlichen ‚fisk-al‘ noch einen deutschen Stempel auf und sagen ‚fiskal-isch‘“, nennt Rüdiger Harnisch ein Beispiel. „Oder wir kennzeichnen ‚Keks‘, das eigentlich schon eine englische Mehrzahlform ist (cake-s), redundant nochmals mit einer deutschen Pluralendung (Keks-e).“

Ein drittes untersuchtes Phänomen ist, dass der eine Sinn nach einem andern verlangt, zum Beispiel ein nur aus der konkreten Situation zu gewinnender Sinn nach einem wörtlichen („Hast du eine Uhr dran?“ – scherzhafte Antwort: „Ja.“), oder aber umgekehrt ein wörtlicher nach einem aus dem Weltwissen angereicherten (wer „Broiler“ sagt, stammt aus der ehemaligen DDR).

In den kommenden drei Jahren werden Rüdiger Harnisch und sein Team die Vielfalt an sprachlichen Erscheinungen dieser Art kategorisieren, um darüber eine Theorie der Remotivierung zu bauen – die es in der Deutschen Sprachwissenschaft bisher noch nicht gibt: „Zwar sind viele disparate Phänomene der geschilderten Art für sich schon beschrieben worden. Doch an einer Darstellung der Grundgemeinsamkeiten dieser Typen, aber auch ihrer charakteristischen Unterschiede, mangelt es bisher.“

http://www.uni-passau.de

Katrina Jordan | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive