Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Depressive verlieren Geruchssinn

13.08.2010
Psychologische Störungen führen zum Schrumpfen des Riechkolbens

Ein Forscherteam der Technischen Universität Dresden hat entdeckt, dass Depressive ihren Geruchssinn verlieren. Dieser Verlust basiert den jüngsten Untersuchungen zufolge auf Veränderungen im Gehirn, denn das dortige Riechzentrum bildet sich zurück. Das könnte auch erklären, warum so viele psychologische Störungen den Geruchssinn stören. In Zukunft könnte diese Erkenntnis für die Entwicklung neuer Therapien oder Medikamente verwendet werden.

"Wir haben entdeckt, dass bei Depressiven die Riechkolben (Bulbus olfactorius) am Ende der Riechnerven deutlich vermindert waren und weniger pluripotente Zellen im Mittelhirn vorhanden waren. Das bedeutet auch, dass diese Hirnregion weniger plastisch war als bei Nicht-Depressiven", so Studienleiter Thomas Hummel vom Arbeitsbereich Riechen und Schmecken gegenüber pressetext. Neben Geruchstests hatten die Forscher auch im Magnetresonanztomographen MRT Untersuchungen an insgesamt 42 Probanden gemacht.

Auch Geschmackssinn beeinträchtigt

"Bei den 21 akut Depressiven war der Geruchssinn deutlich vermindert", so der Forscher. Ihre Geruchskolben waren um rund 15 Prozent kleiner als jene der 21 gesunden Probanden. "Die Größe des Geruchskolbens nahm mit der Stärke der Depression ab." Die Einnahme von Antidepressiva hatte keine Auswirkung auf den Geruchssinn. "Ein verminderter Geruchssinn bedeutet auch gleichzeitig, dass der Geschmacksinn beeinträchtigt ist", erklärt der Wissenschaftler. Das könnte vielleicht ein Hinweis darauf sein, warum Depressive auch häufig an Appetitmangel leiden.

"Das Interessante an unserer Untersuchung war, dass man bei Depressionen den Geruchssinn verliert und Menschen mit schlechterem Geruchssinn zu Depressionen neigen", erklärt Hummel. "Nicht bekannt ist, ob der Riechkolben wieder wachsen kann, oder weiter klein bleibt."

Auch bei Alzheimer schrumpft der Riechkolben

Vor einem Jahr haben Forscher der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg festgestellt, dass ein schrumpfender Riechkolben im Gehirn schon früh auf eine Alzheimer-Erkrankung hindeutet. Je stärker der Riechkolben geschrumpft war, desto schwerer war die Erkrankung. "Schon bei geringen kognitiven Defiziten zeigt sich im MRT, dass der Riechkolben signifikant an Volumen verloren hat", so der Heidelberger Psychiater Philipp Thomann

Die Forscher sehen in der Volumenmessung des ersten Hirnnerven einen hilfreichen zusätzlichen Biomarker für eine frühzeitige Alzheimer-Diagnose sowie einen Indikator für die Schwere der Erkrankung.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.tu-dresden.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik