Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dengue-Fieber: Moskitos in Australien ausgesetzt

25.08.2011
Stechmücken mit Fruchtfliegen-Bakterium Wolbachia infiziert

Rund 300.000 Moskitos mit dem Potenzial, die Ausbreitung von Dengue-Fieber zu blockieren, haben Wissenschaftler der Monash University in Australien freigelassen. Dieser großangelegte Test soll die Wirksamkeit eines der am meisten Erfolg versprechenden Ansätze zur Ausrottung dieser Krankheit überprüfen. Mit Dengue-Fieber werden in tropischen Ländern jährlich rund 100 Mio. Menschen infiziert, rund 40.000 sterben jährlich, berichtet der NewScientist. Insektizide und Moskitonetze sind laut dem leitenden Wissenschaftler Scott O'Neill derzeit die besten Möglichkeiten, eine Erkrankung zu verhindern.


Stechmücke: Bakterium "heilt" Nachwuchs (Foto: pixelio.de, F. Hollenbach)

Bislang Ausbrüche in Queensland

Trotz aller Vorkehrungen werden immer mehr Menschen Opfer von Dengue-Fieber. 2009 wurden die ersten Erkrankungen aus Buenos Aires gemeldet. Die ersten lokal erworbenen Fälle in Frankreich wurden 2010 entdeckt. 2010 kündigte das Team um O'Neill an, Aedes-aegypti-Moskitos freizusetzen, die mit dem Fruchtfliegen-Bakterium Wolbachia infiziert sind. Wolbachia schwächt die Fähigkeit der Insekten die Krankheit zu übertragen und könnte bei einer weiten Ausbreitung innerhalb der Population helfen, die Fieber-Ausbreitung einzuschränken.

Prinzipiell können sich die Bakterien rasch verbreiten, da infizierte männliche Moskitos nur dann lebensfähigen Nachwuchs haben können, wenn sie auf ebenfalls infizierte weibliche Moskitos treffen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der männliche Elternteil ebenfalls infiziert war oder nicht. Um diesen Ansatz zu testen, setzten die Wissenschaftler Moskitos in Queensland, also im Nordosten Australiens aus. In dieser Region ist es in den vergangenen Jahren zu schweren Ausbrüchen des Dengue-Fiebers gekommen.

Nach vier Monaten Großteil infiziert

In einem ersten Schritt wurden rund 2.500 Aedes aegypti mit dem Wolbachia-Bakterium in zwei Testgebiete freigelassen, die den typischen Hinterhöfen in dieser Region entsprachen. Für jeden infizierten Moskito wurde ein nicht infizierter zusätzlich ausgesetzt. Nach 30 Tagen war die gesamte Population in einem der Käfige mit Wolbachia infiziert. Nach 80 Tagen waren auch alle Moskitos im zweiten Käfig angesteckt. In einem nächsten Schritt wurden fast 300.000 infizierte Moskitos in zwei Städten freigesetzt und zwar in Yorkeys Knob und Gordonvale.

Nach vier Monaten waren alle Moskitos in Yorkeys Knob und 90 Prozent der Insekten in Gordonvale infiziert. "Wir waren unglaublich stolz auf diesen Erfolg", erinnert sich Scott Ritchie von der James Cook University http://jcu.edu.au , einer der Autoren der Studie. Zwei Wochen später waren die Infektionsraten in Yorkeys Knob auf 95 Prozent gesunken. In Gordonvale waren es noch 81 Prozent.

Die Wissenschaftler vermuten, dass für den Erfolg das Einsetzen der Trockenzeit verantwortlich ist. In dieser Periode gelangen nicht infizierte Moskitos aus der Umgebung in die Stadt. Das Team bereitet jetzt den finalen Test vor.

Infizierte Moskitos sollen in Regionen mit vielen Dengue-Erkrankungen ausgesetzt werden. Vorbehaltlich der Genehmigung durch die Regierung sind Tests in Thailand, Vietnam, Indonesien oder Brasilien innerhalb der nächsten zwölf Monate geplant. Details der Studie wurden in Nature http://nature.com veröffentlicht.

Michaela Monschein | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://monash.edu.au

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Europas demografische Zukunft
25.07.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie