Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

„Dalai Lama-Effekt“ senkt Exporte nach China um mehr als 8 Prozent

05.11.2010
Göttinger Volkswirte: China reagiert auf Empfänge des Dalai Lama mit Handelsreduktionen

Treffen von Staats- und Regierungschefs mit dem Dalai Lama haben einen negativen Effekt auf die Handelsbeziehungen zwischen dem jeweiligen Land und China. Das ist das Ergebnis einer Studie der Göttinger Volkswirte Andreas Fuchs und Nils-Hendrik Klann.

Die beiden Forscher an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen haben in einer Studie die Reaktionen Chinas auf offizielle Empfänge des Dalai Lama ausgewertet. Dabei fanden sie heraus, dass jeder offizielle Empfang des Dalai Lama die Exporte des jeweiligen Landes nach China um durchschnittlich 8,1 Prozent reduziert. Dieser negative Einfluss des sogenannten „Dalai Lama-Effekts“ schwindet etwa zwei Jahre nach dem Treffen wieder, was die Wissenschaftler auf eine Erholung der diplomatischen Beziehungen zurückführen.

„Die chinesische Regierung droht ihren Handelspartnern regelmäßig mit einer Verschlechterung der bilateralen Handelsbeziehungen, sollten diese das religiöse Oberhaupt der Tibeter empfangen“, so die Autoren der Studie. Als Reaktion auf ein Treffen des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy mit dem Dalai Lama wurde Frankreich 2009 als Reiseziel zweier chinesischer Handelsdelegationen gestrichen. Auch vor dem Besuch des Dalai Lama 2007 bei Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde in der Öffentlichkeit diskutiert, ob dieser Empfang die deutsch-chinesischen Handelsbeziehungen belasten würde.

Um den Einfluss politischer Ereignisse auf Chinas Handelsbeziehungen zu erfassen, haben die Göttinger Forscher zunächst eine detaillierte Datenbank zu den Auslandsreisen des Dalai Lama aufgebaut. In ihrer Studie untersuchten sie Exporte nach China aus 159 Ländern im Zeitraum von 1991 bis 2008. Mit statistischen Methoden analysierten Andreas Fuchs und Nils-Hendrik Klann anschließend, ob China auf die Treffen mit einer messbaren Verringerung des bilateralen Handelsvolumens mit denjenigen Ländern reagierte, die den Dalai Lama empfangen hatten. Ihre Ergebnisse bestätigen einen negativen Effekt auf Exporte nach China. Dieser „Dalai Lama-Effekt“ lässt sich allerdings nur für die Ära des chinesischen Staatspräsidenten Hu Jintao nachweisen, der 2002 die Führung der Kommunistischen Partei Chinas übernommen hat, und nicht für frühere Zeiträume. Dies erklären die Wissenschaftler mit dem wirtschaftlichen und politischen Aufstieg Chinas in den vergangenen Jahren. Zudem fanden die Göttinger Volkswirte heraus, dass Treffen des Dalai Lama mit Politikern von geringerer Bedeutung wie Ministern, Parlamentspräsidenten oder Oppositionsführern keinen negativen Einfluss auf die Handelsbeziehungen haben.

Dieselbe Untersuchung haben die Wissenschaftler auch für verschiedene Produktgruppen durchgeführt. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass sich der „Dalai Lama-Effekt“ hauptsächlich negativ auf die Exporte von Maschinen und Transportmitteln nach China auswirkt und der Effekt für andere Produktgruppen weniger eindeutig nachweisbar ist. Die Arbeit der Göttinger Forscher unterstreicht die Bedeutung, die gute politische Beziehungen für den Handel mit China spielen. „Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass chinesische Handelsbeziehungen nicht frei sind von politischen Einflüssen. Die chinesische Regierung setzt ihre Handelsbeziehungen offenbar gezielt als Instrument der Außenpolitik ein, um ihre politischen Ziele durchzusetzen“, so Nils-Hendrik Klann. „Staats- und Regierungschefs müssen also damit rechnen, dass Empfänge des Dalai Lama zu einer Verschlechterung der Handelsbeziehungen führen könnten.“

Aber: „Politiker müssen nicht auf Treffen mit dem religiösen Oberhaupt der Tibeter verzichten, um ihre wirtschaftlichen Interessen zu wahren“, betont Andreas Fuchs. Aus Sicht der beiden Forscher könnten international abgestimmte Treffen von Staats- und Regierungschefs mit dem Dalai Lama eine Alternative sein. „Eine solche Strategie könnte verhindern, dass China seine Handelspartner gegeneinander ausspielen kann“, so die Göttinger Wissenschaftler.

Dr. Bernd Ebeling | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=3703

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie

Entfesselte Magnetkraft

23.08.2017 | Physik Astronomie