Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Curcumin stimuliert Mikro-RNA und hemmt somit die Bildung von Metastasen

21.01.2014
Wissenschaftliche Studie einer Arbeitsgruppe des Institutes für Laboratoriumsmedizin am LMU-Klinikum München weist auf miR181b als potenziellen Biomarker hin

Soll ein Medikament in die Therapie einer Krankheit einziehen, braucht es sogenannte Biomarker. Idealerweise sind das bestimmte Moleküle, deren Aktivität der Wirkstoff beeinflusst und die sich möglichst leicht nachweisen lassen.

„Die Biomarker zeigen uns an, ob die Therapie erfolgreich ist“, sagt Privatdozentin Dr. Beatrice Bachmeier (Arbeitsgruppe Klinische Biochemie, Prof. Dr. Christian Sommerhoff) vom Institut für Laboratoriumsmedizin des Klinikums der Universität München. Sie hat jetzt entsprechende Biomarker für den Naturstoff Curcumin gefunden und patentieren lassen. Und im Zuge ihrer Arbeiten von einem Sponsor finanzielle Unterstützung für die kommenden fünf Jahre in Aussicht gestellt bekommen, um Curcumin für den Einsatz in der Therapie und Vorbeugung von Brust- und Prostatakrebs zu testen.

Schon seit 5000 Jahren wird der Stoff aus dem Curry-Gewürz (Gelbwurzel, lat: Curcuma longa) in der ayurvedischen Medizin Asiens eingesetzt, vorzugsweise gegen Entzündungen in den Gelenken beispielsweise oder im Darm. „Mit beachtlichen Erfolgen“, wie Bachmeier unterstreicht. Naturheilkundler nutzen das Mittel auch in der Tumorbehandlung. Nicht zu Unrecht. „Wir wissen heute, dass viele Krebsarten mit chronischen Entzündungen einhergehen, die das Tumorwachstum fördern.“ In mehreren Versuchen hat das Team um Bachmeier nachgewiesen, dass Curcumin die Bildung von Tochtergeschwulsten beim Brust- und Prostatakrebs bremsen kann.

Grundsätzlich reguliert eine Zelle ihr Wachstum und ihre Vermehrung über verschiedene Moleküle, die wiederum andere Moleküle und Aktivitäten von Genen steuern. Und zwar in einem haarfein austarierten Signalsystem. In Tumorzellen ist dieses System gestört: Manche Moleküle finden sich im Übermaß, andere dagegen sind ausgeschaltet. Ergebnis: bösartiges Tumorwachstum. Entsprechend sollen moderne Medikamente in den gestörten Prozess eingreifen. Curcumin blockiert in Brust- und Prostatatumorzellen ein Molekül namens NFkappaB. Dadurch wird, wie Bachmeiers Team herausfand, die Produktion der Entzündungsmoleküle CXCL1 und CXCL2 gehemmt, was zu einer verminderten Bildung von Tochtergeschwulsten führt. Bei Mäusen, beobachtete das Forscherteam, ist die Metastasierung in die Lungen deutlich gehemmt.

Als Biomarker taugen NFkappa B und die CXCL-Moleküle aber nicht, weil sie zu unspezifisch sind. Andere Moleküle, die sogenannten Mikro-RNAs, könnten sich besser eignen, mutmaßte Bachmeier. Sie ging davon aus, dass Curcumin auf bestimmte Mikro-RNAs einwirkt. In einer Serie von Experimenten mit Curcumin-behandelten und unbehandelten Tumorzellen zeigte sich: Curcumin verändert spezifisch die Synthese einiger Mikro-RNAs, darunter „miR181b“, das wiederum die Produktion von CXCL-1 und -2 reguliert. Die Konzentration von bestimmten Mikro-RNAs beziehungsweise deren Änderung – etwa im Blut von Patienten – könnte demnach verraten, ob Curcumin seine gewünschte Wirkung entfaltet. „Deshalb ist miR181b ein potenzieller Biomarker, den es nun zu validieren gilt“, erklärt Bachmeier.

In Zukunft will sie weitere Biomarker suchen und testen, inwieweit Curcumin sich zusammen mit gängigen Krebsmedikamenten einsetzen lässt. Um zu sehen, „ob man die Dosis jener Substanzen verringern kann und somit auch deren Nebenwirkungen – bei gleicher Effektivität.“ Curcumin alleine könnte aber schon jetzt für eine vorbeugende Behandlung eingesetzt werden. Als Zielgruppe kämen Männer mit gutartiger Prostatavergrößerung in Frage, die später zu Prostatakrebs entarten kann. Auch Frauen mit familiär hohem Brustkrebsrisiko könnten Curcumin präventiv einnehmen. Mittelfristig plant die Chemikerin eine Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für Komplementärmedizin und Naturheilkunde der TU München. Bachmeier bezeichnet Curcumin als eine „tolle Substanz“, weil sie kaum Nebenwirkungen hat – selbst bei den nötigen hohen Dosen von acht Gramm täglich.

Artikel online: http://dx.doi.org/10.1016/j.molonc.2014.01.005

Ansprechpartner:
PD Dr. Beatrice Bachmeier
AG Klinische Biochemie (Leiter Prof. C. Sommerhoff)
Institut für Laboratoriumsmedizin
Klinikum der Universität München (LMU)
Nussbaumstr. 20
D-80336 München
Tel: +49-(0)89-5160-2543
Fax: +49-(0)89-5160-4735
Email: bachmeier@med.uni-muenchen.de
Philipp Kreßirer
Leiter Stabsstelle Kommunikation und Medien
Pressesprecher
Klinikum der Universität München - LMU
Lindwurmstraße 2a
80337 München
Tel: +49 (0)89 5160 8070
Fax: +49 (0)89 5160 8072
E-Mail: philipp.kressirer@med.uni-muenchen.de

Philipp Kreßirer | LMU München
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie