Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

CO2-arme Lebensstile – wie Klimaschutz in den Alltag passt

17.12.2013
Wenn es um Klimaschutz geht, stehen meist Industrie und Gewerbe im Mittelpunkt. Wenig bekannt ist hingegen, dass mehr als die Hälfte der Gesamtemissionen von 11 Tonnen CO2 pro Peron und Jahr direkt oder indirekt durch private Haushalte verursacht werden. Das Forschungsprojekt „KlimaAlltag“ zeigt Potenziale für CO2-arme Lebensstile auf.

Erfolge im Klimaschutz werden häufig an technologische Innovationen geknüpft. Dabei zeigen Forschungen, dass auch das persönliche Alltagsverhalten eine entscheidende Rolle für die CO2-Bilanz spielt.

Im Forschungsprojekt „KlimaAlltag“ unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main hat das Forscherteam von ISOE, IÖW, Universität Graz sowie von der Verbraucherzentrale NRW deshalb untersucht, wie Alltagsroutinen geändert und klimafreundliche Lebensweisen unterstützt werden können.

CO2-Einsparpotenzial privater Haushalte nicht ausgeschöpft

Die Befragung von je 1.000 Personen in München und Frankfurt am Main ergab, dass 21 Prozent bereits in allen untersuchten Bereichen (Wohnen, Einkaufen und Mobilität) auf Klimaschutz achten. Als „Klima-Sünder“, die keinerlei Interesse an Klimaschutz zeigen, gelten lediglich sieben Prozent der Befragten. „Mehr als die Hälfte aller Befragten ist grundsätzlich zu Verhaltensveränderungen bereit“, betont Projektleiter Immanuel Stieß.

Hier gebe es noch Potenzial für den Klimaschutz. Dieser sei keinesfalls gleichbedeutend mit Verzicht an Lebensqualität. „Vielmehr können bereits mit moderaten Veränderungen im Alltag, beispielsweise durch Bezug von Ökostrom, Kauf von saisonalen und regionalen Lebensmitteln und häufigere Nutzung von Bus und Bahn 10 bis 15 Prozent an CO2 eingespart werden“, sagt ISOE-Klimaexperte Stieß.

Klimaschutz ist keine Frage des Einkommens

Das Forschungsteam identifizierte neun verschiedene ‚Klimatypen‘. „Die größte Überraschung war für uns der hohe Anteil an klimabewusst Handelnden mit unterdurchschnittlichem Einkommen“, bilanziert Stieß. „Entgegen der häufig formulierten Annahme, dass Klimaschutz nur etwas für Besserverdiener sei, konnten wir beobachten, dass gerade Menschen, die auf ihr Geld achten müssen, eine gute CO2-Bilanz aufweisen“. Zwar hätten Personen aus gehobenen sozialen Lagen insgesamt ein stärker ausgeprägtes Klimabewusstsein. Aufgrund ihres höheren Einkommens seien sie beispielsweise eher in der Lage, Bio-Produkte oder energieeffiziente Haushaltsgeräte zu kaufen. Menschen mit vergleichsweise geringem Haushaltseinkommen verbesserten ihre Klimabilanz durch ihren Verzicht auf das eigene Auto, Flugreisen und hohen Konsum.

Kommunen und Bürger – Partner beim Klimaschutz

Kommunen können klimafreundliches Verhalten durch eine ganze Reihe von Maßnahmen fördern, indem sie etwa Mieter, Hauseigentümer oder einkommensschwache Haushalte unterstützen. Die Studie zeigt, dass das Engagement jedoch möglichst alltags- und praxisnah sein sollte. Beispiel dafür ist der Energiesparservice der Caritas in Frankfurt am Main. Diese Beratung für einkommensschwache Haushalte erfolgt direkt zu Hause und verbindet praktische Tipps zum Klimaschutz mit konkreten wirtschaftlichen Vorteilen für die Mitglieder eines Haushalts, wie z.B. einer Senkung der Energiekosten.

Die Studie zeigt aber auch, „dass Wissen alleine nicht automatisch zu einem klimaschonenden Handeln führt“, sagt Frieder Rubik vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW). Deshalb bietet etwa die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) Neubürgern neben Infos und Tipps zum Thema klimafreundliche Mobilität auch ein kostenloses Schnupper-Ticket für den ÖPNV an. Dadurch konnte der Anteil von Nutzern am Münchener ÖPNV seit 2007 erhöht werden. Sinnvolle Maßnahmen seien auch Anreize wie die Frankfurter Stromsparprämie für Haushalte, die ihren Stromverbrauch innerhalb von zwei Jahren um mindestens 10 Prozent verringern. Die Studienergebnisse bestätigen, dass „ökologische Effekte am ehesten zu erwarten sind, wenn Bürger die Gelegenheit bekommen, Klimaschutz ‚auszuprobieren‘“, sagt Rubik. Das sei auch eines der zentralen Ergebnisse eines Feldversuchs in Köln gewesen, der zu Beginn des Projekts durchgeführt wurde. Im Mittelpunkt des Feldversuchs stand eine umfassende Klimaberatung in 80 Haushalten.

Das Forschungsprojekt

Das ISOE leitet das Projekt KlimaAlltag. Partner sind neben der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und die Karl-Franzens-Universität Graz. In der ersten Hälfte der Projektlaufzeit führte das Forschungsteam einen Feldversuch in Köln durch, bei dem sich über 80 Haushalte dazu verpflichteten, ihren CO2-Ausstoß im Alltag zu verringern. Sie wurden dabei ein halbes Jahr lang von KlimaberaterInnen der VZ NRW beraten. Verlauf und Ergebnisse des Feldversuchs wurden wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Mit einer repräsentativen Erhebung von jeweils 1.000 Interviews in Frankfurt am Main und München wurden Möglichkeiten und Wirksamkeit kommunaler Klimaschutzmaßnahmen untersucht. Das Projekt, das im Dezember 2013 endet, wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Dr. Nicola Schuldt-Baumgart | idw
Weitere Informationen:
http://www.klima-alltag.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie