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Bürger in Bayern und Baden-Württemberg kaum auf staatliche Transferleistungen angewiesen

18.01.2010
Bertelsmann Stiftung veröffentlicht Bundesländer-Vergleich - Eine Ursache für Armutsrisiko in Ostdeutschland ist die hohe Zahl junger Alleinerziehender

Das Armutsrisiko in Bayern und Baden-Württemberg ist gering. In den beiden süddeutschen Bundesländern waren durchschnittlich nur etwas mehr als 50 von 1.000 Einwohnern auf eine finanzielle Unterstützung vom Staat angewiesen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Zu diesem Ergebnis kommt ein aktueller Bundesländer-Vergleich der Ber­telsmann Stiftung. Ein wesentlich ungünstigeres Bild ergibt sich dagegen für die Bundeshauptstadt Berlin. Hier erhielten von 1.000 Einwohnern knapp 200 staatliche Transferleistungen. Für ihre Stu­die "Die Bundesländer im Standortwettbewerb 2010" nahm die Bertelsmann Stiftung neben der "Sicherheit" auch die Bereiche "Einkommen" und "Beschäftigung" unter die Lupe. Analysiert wurde der Zeitraum zwischen 2006 und 2008.

Insgesamt zeigt sich sowohl im Westen als auch im Osten der Bundesrepublik ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Überdurchschnittlich hoch ist die soziale Absicherung neben Bayern und Baden-Württemberg in den südlichen Bundesländern Rheinland-Pfalz mit einem Anteil von rund 7 Prozent Transferempfängern sowie Hessen und dem Saarland mit jeweils 9 Prozent. Im Mittelfeld liegen Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, wo jeweils etwa 10 Prozent der Be­völkerung auf finanzielle Unterstützung vom Staat angewiesen sind. Als einziges ostdeutsches Bun­desland liegt Thüringen mit 12 Prozent vor Hamburg mit 13 Prozent in dieser Gruppe. Das letzte Drittel führen Sachsen und Brandenburg mit jeweils rund 14 Prozent an. Mit einigem Abstand fol­gen Sachsen-Anhalt, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern mit jeweils 17 Prozent sowie Schlusslicht Berlin mit 20 Prozent.

"Das Risiko, auf Unterstützung vom Staat angewiesen zu sein, wird insbesondere durch die sozi­alen Strukturen sowie die Möglichkeiten sozialer Mobilität bestimmt. Beide Faktoren können die Bundesländer durch gezielte Familien-, Regional-, Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik sowie die all­gemeine Wirtschaftspolitik beeinflussen", sagte Vorstandsvorsitzender Dr. Gunter Thielen bei der Vorstellung der Studie. Eine Ursache für den großen Unterschied zwischen West- und Ost­deutschland ist nach Ansicht der Bertelsmann Stiftung im hohen Anteil junger Alleinerziehender zu sehen, da diese tendenziell eher von Armut bedroht sind als Paare. Dabei schwankt der Anteil junger Alleinerziehender in den westdeutschen Flächenländern zwischen 16,6 Prozent in Baden-Württemberg und 22,3 Prozent im Saarland. In den neuen Bundsländern müssen dagegen durch­schnittlich 35 Prozent der unter 20-jährigen Eltern ihre Kinder ohne Partner aufziehen.

Die erfolgreichsten Bundesländer im Bereich "Beschäftigung" mit den beiden Zielgrößen Erwerbs­tätigkeit und Arbeitslosigkeit sind Baden-Württemberg, Bayern und Hamburg. Während Hamburg mit 90 Erwerbstätigen je 100 Einwohner im erwerbsfähigen Alter die deutschlandweit höchste Quote aufweist, ist in Baden-Württemberg und Bayern die Arbeitslosigkeit am geringsten. Auf den weiteren Plätzen im grünen Bereich folgen Hessen, Bremen, das Saarland, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Das Mittelfeld bilden Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Die fünf neuen Länder und Berlin liegen wie seit Jahren in der Schlussgruppe.

Die erfolgreichsten Länder im Bereich "Einkommen", der aus den beiden Zielgrößen Bruttoinlands­produkt pro Kopf und Wirtschaftswachstum gebildet wird, sind die beiden Stadtstaaten Hamburg und Bremen sowie die beiden süddeutschen Länder Bayern und Baden-Württemberg. Hamburg punktet vor allem mit dem bundesweit höchsten BIP pro Kopf, das mit 49.000 Euro fast 20.000 Euro über dem deutschen Mittelwert liegt. Im Mittelfeld liegen Hessen, das Saarland, Nie­dersach­sen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz. In der Schlussgruppe befindet sich neben den ostdeutschen Ländern Sachsen, Thüringen, Berlin, Brandenburg und Mecklen­burg-Vorpommern auch Schleswig-Holstein.

Insgesamt zeigt sich, dass der Aufholprozess in den neuen Bundesländern nur sehr schleppend vorangeht. Dennoch lassen sich auch positive Entwicklungen feststellen. So entwickelte sich Sachsen-Anhalt im Bereich "Einkommen" zum wiederholten Male überdurchschnittlich und ver­zeichnete zwischen 2005 und 2007 das zweithöchste Wirtschaftswachstum. Vergleichsweise posi­tiv ist zudem die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Thüringen zu bewerten, das mit einer durch­schnittlichen Arbeitslosenquote von 16,9 Prozent nur knapp hinter Bremen (16,8 Prozent) rangiert.

Um die Standortqualität in den einzelnen Bundesländern messen und vergleichen zu können, er­arbeitete eine Expertengruppe unter der Leitung des Würzburger Wirtschaftswissenschaftlers Professor Norbert Berthold ein detailliertes Analyseinstrumentarium. Dabei wurden sowohl die Erfolge als auch die Aktivitäten der Bundesländer in den Dimensionen "Sicherheit", "Einkommen" und "Beschäftigung" untersucht.

Rückfragen an: Dr. Thorsten Hellmann, Telefon: 0 52 41 / 81 81 236; E-Mail: thorsten.hellmann@bertelsmann-stiftung.de

Eric Thode, Telefon: 0 52 41 / 81 81 581; E-Mail: eric.thode@bertelsmann-stiftung.de

Ute Friedrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de

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