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Bohren bis der Arzt kommt - Burnout bei Zahnärzten

03.05.2010
Prof. Dr. Peter Jöhren von der Universität Witten/Herdecke sucht Zahnärzte, die an einer Studie zum Burnout-Syndrom teilnehmen möchten

"Ärzte sind durch ihre besondere Motivation, anderen helfen zu wollen, vielleicht besonders gefährdet, von dem so genannten Burnout-Syndrom befallen zu werden." Für den Zahnarzt Prof. Dr. Peter Jöhren ein Grund, die erste umfassende Studie zu den Belastungen seiner speziellen Berufsgruppe in Angriff zu nehmen.

"Wir sind bereit, Überbelastungen lange Zeit auszuhalten, und wollen stets für andere da sein. Die zahnmedizinische Behandlung erfordert hohe Konzentration auf ein sehr kleines Arbeitsfeld in einer oftmals ergonomisch ungünstigen Körperhaltung. Hinzu kommen Termindruck, knifflige Behandlungen und immer wieder die Konfrontation mit Patienten, die unter Angst und Schmerz leiden", erklärt er seine Grundannahmen.

Und die Lage wird unter den Bedingungen der Gesundheitsreform und anderer Gesetze nicht einfacher: Budgetierungen, Honorarverteilungsmaßstäbe, Qualitätsmanagement, Medizinproduktegesetz und gestiegene Anforderungen an die Hygiene sind weitere Herausforderungen, mit denen sich Zahnärzte konfrontiert sehen.

"Bisher gibt es keine signifikanten deutschlandweiten Daten zum Themenbereich Burnout bei Zahnärzten", erklärt Jöhren sein Forschungsinteresse. Jöhren hatte sich an der Universität Witten/Herdecke mit einer Arbeit über die Angst vor dem Zahnarzt habilitiert. "Auch dabei ging es um Fragen im Grenzbereich zwischen Zahnheilkunde und Psychologie. Ich bin in diesem Feld also nicht ganz neu, ich bin aber auch Zahnarzt. Daher ahne ich, dass Zahnärzte das Thema Burnout eher verdrängen." Unter seiner Leitung möchte die Universität Witten/Herdecke mit dem Arbeitskreis für Psychologie und Psychosomatik der Deutschen Gesellschaft Zahn- Mund und Kieferheilkunde dennoch eine Befragung unter Zahnärzten durchführen. "Burnout ist ein langsamer aber stetiger Prozess, der sich überwiegend unterbewusst abspielt. Erst wenn die Auswirkungen stärker werden, beschäftigt man sich damit. Eine ab und zu auftretende Müdigkeit, gelegentliche Lustlosigkeit, sich der täglichen Fülle der Praxisaufgaben zu stellen, Erschöpfungsgefühle, Muskelverspannungen oder einfach das Gefühl, dass einem alles zu viel wird - das alles können erste Anzeichen für einen Burnout sein", schildert Jöhren die Symptome. Hinzu kommen andere Stressfelder: Wie lassen sich die gegensätzlichen Anforderungen wie Menschlichkeit, Wirtschaftlichkeit und Qualität noch erfüllen? Familie, Freunde, Sport und auch die eigene Gesundheit erhalten oft nicht die ausreichende Aufmerksamkeit - das kann auf Dauer auch starke Persönlichkeiten zermürben.

Daher bittet Jöhren, dass sich möglichst viele Kolleginnen und Kollegen an der Studie beteiligen. Alle Informationen sind auf der Seite

www.ZA-Burnout-Studie.de

zusammengefasst. "Schenken wir dem Thema die Aufmerksamkeit, die es aktuell erfordert. Beginnen wir mit der Analyse zum Stressverhalten bei deutschen Zahnärzten, um die Dringlichkeit eventueller Präventionsmaßnahmen herauszustellen und dadurch eine gezielte ‚Burnout-Prophylaxe' für unseren eigenen Berufsstand zu ermöglichen."

Weitere Informationen für die Redaktionen bei Prof. Dr. Peter Jöhren, 0234 5839228, hp.joehren@t-online.de und carolin.wissel@t-online.de

Kay Gropp | idw
Weitere Informationen:
http://www.ZA-Burnout-Studie.de

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