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Bisher größte Befragung von Nutzern von Elektrofahrzeugen

26.01.2012
Für die breite Akzeptanz der Elektromobilität ist es entscheidend, die Erwartungen und Erfahrungen der Menschen zu kennen – denn die Technologie wird sich nur dann durchsetzen, wenn sie den Bedürfnissen der potenziellen Nutzer entspricht.
Die Erforschung der Nutzerakzeptanz im Rahmen des vom Bundesverkehrsministerium geförderten Programms "Elektromobilität in Modellregionen" koordinierte das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI. Die Abschlussbroschüre fasst die positiven und negativen Nutzererwartungen und -erfahrungen zusammen und gibt Empfehlungen, wie die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen in die weitere Entwicklung von Elektromobilität integriert werden können.

Das Bundesverkehrsministerium förderte mit insgesamt 130 Millionen Euro die Modellregionen Berlin/Potsdam, Bremen/Oldenburg, Hamburg, München, Rhein-Main, Rhein-Ruhr, Sachsen und Stuttgart. Die Gesamtkoordination des Programms lag bei der NOW GmbH Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie. Ziel war es, die Elektromobilität im öffentlichen Raum zu verankern. In zahlreichen Projekten in den acht Modellregionen kamen die unterschiedlichsten Elektrofahrzeuge – Pkw, Transporter, Elektroroller und Elektrofahrräder (Pedelecs) – in Flottenversuchen zum Einsatz und wurden sowohl zu privaten als auch zu gewerblichen Zwecken genutzt.

Die Teilnehmer an den Flottenversuchen füllten im Rahmen der begleitenden Akzeptanzforschung bis zu dreimal einen Fragebogen aus: Dabei gaben sie Auskunft zu ihren Erwartungen vor Beginn der Nutzung des Fahrzeugs, ihren Eindrücken nach einer Nutzungsdauer von bis zu drei Monaten und ihrer Einschätzung nach einer längerfristigen Nutzung über mehrere Monate hinweg. Mit mehr als 2.300 ausgewerteten Fragebögen entstand so eine sehr große Datenbasis – eine solch umfangreiche Befragung zu den Alltagserfahrungen mit Elektrofahrzeugen gab es in Deutschland bisher noch nicht.

Insgesamt zeichnet sich ein positives Bild, die Nutzer sind von Elektrofahrzeugen begeistert: Die Befragten gaben an, dass diese nützlich im Alltag und sowohl beim Fahren als auch beim Laden einfach zu handhaben sind. Besonders schätzen sie den Fahrspaß, die positive Außenwirkung und die Umweltverträglichkeit ihrer Fahrzeuge. So zeigen die Befragungsergebnisse unter anderem, dass Elektrofahrzeuge ein "grünes" Image haben. Dies kann gewerblichen Nutzern Vorteile bieten, beispielsweise wenn sich dadurch Imagegewinne ergeben und neue Geschäftsmodelle entwickeln lassen. Aber auch für private Nutzer spielt die Umweltfreundlichkeit eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, Elektrofahrzeuge zu nutzen.

Verbesserungspotenzial bei den Elektroautos besteht vor allem hinsichtlich Kosten und Reichweite: Die Nutzer in den Modellregionen nehmen die momentanen Anschaffungskosten für Elektrofahrzeuge als zu hoch wahr. Dementsprechend wünschen sich viele Subventionen beim Anschaffungspreis oder auch Steuerbegünstigungen. Auch die begrenzte Reichweite der Fahrzeuge wird als Problem empfunden. Hier wünschen sich die befragten Nutzer deutliche Verbesserungen sowie den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Viele vertrauen zudem der angegebenen Reichweite nicht voll – sie sind sich unsicher, wie weit sie noch mit ihrem Fahrzeug fahren können. Aus anderen Projekten ist bekannt, dass öffentliche Ladeinfrastruktur nur wenig genutzt wird. Deshalb raten die Forscher des Fraunhofer ISI zu verlässlicheren und anschaulicheren Anzeigen zur verbleibenden Fahrzeug-Reichweite – diese könnten Vorbehalte abbauen und Sicherheit im Umgang mit der Reichweite geben.

Bei der Frage nach konkreten Kaufabsichten im Anschluss an die Modellregionen-Projekte äußern sich die Befragten zurückhaltend. Jedoch schätzen sie das Zukunftspotenzial von Elektromobilität positiv ein: Die Befragten sind überzeugt, dass sich elektrische Fahrzeuge dauerhaft durchsetzen werden. Sie ¬sind also optimistisch, dass die bestehenden Probleme gelöst werden – und geben auch Hinweise, wie dies gelingen könnte: Speziell Nutzungsszenarien im Bereich Intermodalität, also die Verknüpfung von mehreren Verkehrsträgern auf einem Weg, werden besonders positiv gesehen.

Auf Basis dieser Ergebnisse wurde eine Roadmap zur Kundenakzeptanz entwickelt, die sich an Politik, Industrie und Kommunen richtet. Dabei bezieht die Broschüre wahrscheinliche gesellschaftliche Entwicklungen ein, die das Umfeld für Elektromobilität beeinflussen: Dazu gehören das zunehmende Umweltbewusstsein, die abnehmende Bedeutung des privaten Pkw-Besitzes, Re-Urbanisierungstendenzen und der demographische Wandel.

Die Forscher geben Empfehlungen, wie sich diese Faktoren positiv für die Kundenakzeptanz von Elektromobilität nutzen lassen: Die Umweltfreundlichkeit von elektrischen Fahrzeugen muss durch die Bereitstellung von Strom aus erneuerbaren Energieträgern sichergestellt werden. Dies muss den Verbrauchern transparent und glaubhaft kommuniziert werden. Des Weiteren ist es wichtig, leicht zugängliche Lösungen im Bereich Intermodalität und Car-Sharing zu entwickeln. Zudem müssen die Verbraucher umfassend und transparent über Elektromobilität informiert werden und die Möglichkeit erhalten, elektrische Fahrzeuge im Alltag testen zu können.

Die Broschüre "Roadmap zur Kundenakzeptanz – Zentrale Ergebnisse der sozialwissenschaftlichen Begleitforschung in den Modellregionen" kann unter http://www.isi.fraunhofer.de/isi-de/e/download/publikationen/roadmap_broschuere_netz.pdf heruntergeladen werden.

Kontakt:
Anne-Catherine Jung MA
Telefon: +49 721 6809-100
E-Mail: presse@isi.fraunhofer.de

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert die Rahmenbedingungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der breiten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.

Anne-Catherine Jung | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
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