Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biokraftstoffe kurzfristig ohne Bedeutung im Luftverkehr

29.10.2012
Biokraftstoffe werden in den nächsten Jahren eine untergeordnete Rolle im internationalen Luftverkehr spielen da sie momentan doppelt so teuer wie der traditionelle Treibstoff sind.
Wettbewerbsfähig könnten Biokraftstoffe frühestens in einem Jahrzehnt sein, wenn dann deren Produktion günstiger und das bisher verwendete Kerosin deutlich teurer sein würde. Unter diesen Voraussetzungen könnten Biokraftstoffe 2050 einen Anteil von zehn Prozent am Treibstoffverbrauch des globalen Luftverkehrs haben. Das entspricht etwa der Menge der 2010 weltweit im Straßenverkehr verbrauchten Biokraftstoffe.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Imperial Colleges London, des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und des Deutschen Biomasseforschungszentrums (DBFZ) im Auftrag der Internationalen Energieagentur IEA.

Prognosen der Internationalen Flug-Transport-Vereinigung (IATA) zufolge wird der internationale Luftverkehr auch in den kommenden Jahren weiter wachsen. Der Branchenverband IATA rechnet mit einem Zuwachs von fünf Prozent pro Jahr. Der Austausch älterer Flugzeuge könnte insgesamt aber nur eine Effizienzsteigerung von drei Prozent bringen. Das bedeutet: Auch der Verbrauch an Treibstoff wird in den kommenden Jahren steigen. Die Luftfahrtindustrie hat sich aber zu einem CO2-neutralen Wachstum ab 2020 und zu einer Halbierung der Emissionen bis 2050 verpflichtet. Diese Verpflichtungen und die Ausweitung des Europäischen Emissionshandels auf den Luftverkehr setzen die Luffahrtindustrie unter Druck, nach Alternativen zu suchen. Dazu kommt, dass auch ein weiterer Preisanstieg bei den klassischen Treibstoffen erwartet wird.

Biotreibstoffe galten in der Branche lange als eine der besten kurz- bis mittelfristigen Alternativen zu Kerosin. Mit dieser Vorstellung räumt jetzt aber eine Studie britischer und deutscher Forscher auf. ”In naher Zukunft rechnen wir nicht mit einem Durchbruch beim Einsatz in der Luftfahrt. Dazu sind die klassischen Treibstoffe zu billig beziehungsweise die Biokraftstoffe noch zu teuer, als dass die Umrüstung für die Airlines wirtschaftlich infrage kommen würde”, erläutert Prof. Daniela Thrän vom UFZ und DBFZ in Leipzig. Einen Schub könnte es allerdings geben, wenn das aus Erdöl produzierte Kerosin künftig stärker besteuert werden und in seinem Preis dann auch die so genannten Kohlenstoffkosten enthalten wären. Außerdem müssten die Preise für Biokraftstoffe sinken, was aber nur denkbar ist, wenn deren Produktionskosten stärker sinken als die Nachfrage ansteigt. Momentan sind Biokraftstoffe aber doppelt so teuer wie Kerosin.

Dazu kommt, dass bisher nur geringe Mengen in ausreichender Qualität verfügbar sind. Um das Gewicht nicht übermäßig steigen zu lassen, sind die Flugzeughersteller auf besonders energiereiche Treibstoffe angewiesen. Mit Hydrierte Öle und Fette (Hydrogenated Esters and Fatty Acids/ HEFA) sowie sogenannten Fischer-Tropsch-Treibstoffen (FT) gibt es bereits Technologien, mit denen sich entsprechende Biokraftstoffe produzieren und später dem klassischen Kerosin beimischen lassen. Verschiedene Airlines und die US Air Force experimentieren dazu bereits. Kurzfristig kommen vorallem Hydrierte Öle und Fette (HEFA), langfristig auch Fischer-Tropsch-Treibstoffe (FT) infrage. Als vielverprechende Quellen gelten kurzfristig Kurzumtriebsplantagen, Holzreste und Leindotter. Langfristig könnten Biokraftstoffe im Luftverkehr auch Algen und Salzpflanzen enthalten. Deren Produktion müsste aber stark erhöht werden. Daneben müssten neue Logistiksysteme und internationale Vereinbarungen auf den Weg gebracht werden. Nachhaltige Lösungen sind daher nicht in Richtung eines kurzfristigen großflächigen Einsatzes von Biokraftstoffen in der Luftfahrt zu suchen, sonst würde dies kurzfristig die Nachfrage nach Palm-, Soja- und Rapsöl erhöhen und damit den Konflikt ”Tank oder Teller” verschärfen.

Gemeinsame Presseinformation vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und dem Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ)
Publikation:
Frank Rosillo-Calle, Siana Teelucksingh, Daniela Thrän and Michael Seiffert (2012): The Potential Role of Biofuels in Commercial Air Transport - Biojetfuel. IEA Bioenergy Task 40 Sustainable International Bioenergy Trade.
http://www.bioenergytrade.org/downloads/T40-Biojetfuel-Report-Sept2012.pdf
Die Studie wurde von der Internationalen Energieagentur IEA gefördert.
Weitere Informationen:
Prof. Dr.-Ing. Daniela Thrän
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und Deutsches Biomasseforschungszentrum (DBFZ)
Telefon: 0341-2434-435
http://www.ufz.de/index.php?de=21081
Dr.-Ing. Michael Seiffert
Deutsches Biomasseforschungszentrum (DBFZ)
Telefon: 0341-2434-445
http://www.dbfz.de/web/forschung/bioraffinerien/arbeitsgruppen.html
sowie
Dr. Frank Rosillo-Calle
IEA UK Task 40 & Centre for Environmental Policy, Imperial College London
http://www3.imperial.ac.uk/people/f.rosillo-calle
Siana Teelucksingh
IEnergy Future Lab, Electrical Engineering, Imperial College London
http://www3.imperial.ac.uk/
oder über
Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1635
http://www.ufz.de/index.php?de=640
Weiterführende Links:
IEA Bioenergy Task 40
http://www.bioenergytrade.org
UFZ- Kernthema „Landnutzung - Biodiversität - Bioenergie"
http://www.ufz.de/index.php?de=30502
http://www.ufz.de/index.php?de=30814
Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 1000 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

Würde Biokraftstoff für die Luffahrt in Zukunft aus den Biokraftstoffen der so genannten ersten Generation gewonnen, dann würde dies kurzfristig die Nachfrage nach Palm-, Soja- und Rapsöl erhöhen und damit den Konflikt ”Tank oder Teller” verschärfen.

André Künzelmann/UFZ

http://www.ufz.de/

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit über 33.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3,4 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

http://www.helmholtz.de

Tilo Arnhold | UFZ News
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=30927
http://www.dbfz.de
http://www.bioenergytrade.org/downloads/T40-Biojetfuel-Report-Sept2012.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie