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Bildungsstand und -teilhabe: Deutschland schwächelt beim Nachwuchs im Vergleich mit den Alpenländern

20.09.2010
Die aktuelle Studie des Berliner Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie macht sichtbar, wie dynamisch Österreich und die Schweiz im Vergleich zu Deutschland in ihren Anstrengungen um qualifizierte Nachwuchskräfte sind, vergleicht man die Entwicklung der Bildungsniveaus.

Dies ist insofern bedeutsam, als dass die duale Ausbildung in allen drei Ländern eine wichtige Säule des Bildungssystems ist. Das duale System in Deutschland kann somit nicht länger als Grund für die geringere Höherqualifizierungsdynamik dienen. Chancengerechtigkeit wird nicht erreicht. Damit ist die Zukunftsfähigkeit in Zeiten demografischen Wandels gefährdet.

Beim Anteil der Hoch- und Höchstqualifizierten an der Erwerbsbevölkerung wird besonders deutlich, wo Handlungsbedarf besteht: Nur die Schweiz kann international mithalten, Deutschland und Österreich liegen hingegen hinter fast allen Industrieländern, wobei der Abstand Österreichs noch größer ist. Dies zeigt die jüngste Vergleichsstudie des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS), das im Gegensatz zur OECD neben den Personen mit Hochschulausbildung und die mit einer hochqualifizierenden Berufsausbildung einbezieht, für die häufig das Abitur die Zugangsvoraussetzung darstellt.

Hinzu kommt, dass Österreich und die Schweiz nicht nur ihren Anteil an Tertiärqualifizierten in den Jahren 1997 bis 2007 um sieben bzw. acht Prozentpunkte und damit wesentlich stärker als Deutschland erhöhen konnten. Vielmehr wurde auch der Anteil an Gering- und Unqualifizierten um vier bzw. sechs Prozentpunkte reduziert.

„Beides dürfte sich auch auf die Weiterbildung auswirken, da es Zusammenhänge von Erst- und Weiterbildung gibt,“ erläutert Dr. Dieter Dohmen, Direktor des FiBS. „So nimmt die Chance auf Weiterbildung mit dem Niveau der Erstausbildung zu.“

Es bleibt abzuwarten, ob die etwas dynamischeren Entwicklungen in Deutschland in den beiden vergangenen Jahren ausreichen werden, um mit den Entwicklungen in beiden Ländern zukünftig mitzuhalten und damit die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit nicht zu gefährden. Andernfalls droht Deutschland mittelfristig auch hinter Österreich zurückzufallen.

Der Vergleich mit den beiden Nachbarländern ist gerade deshalb von Interesse, als alle drei Länder aufgrund des Berufsbildungssystems miteinander vergleichbar sind. „Die Analysen machen sichtbar, dass das Argument, dass duale System sei geeignet, die geringe Höherqualifizierungsdynamik in Deutschland zu kompensieren, nicht stichhaltig ist. Schließlich zeigen andere Länder mit einer dualen Berufsausbildung, dass dies nicht im Widerspruch zueinander stehen muss,“ erläutert Bildungsökonom Dr. Dieter Dohmen.

Die positive Entwicklung in den beiden anderen Ländern drückt sich auch darin aus, dass der Anteil an Geringqualifizierten in Österreich um vier Prozentpunkte und in der Schweiz um sechs Prozentpunkte gesunken ist, während die Veränderungen in Deutschland minimal sind. „Dies bedeutet in der Konsequenz, dass es beiden Nachbarländern tatsächlich gelingt, seine nachwachsenden Generationen höher zu qualifizieren, während dies in Deutschland nur bedingt der Fall ist,“ so der Bildungsökonom. Er empfiehlt daher, sich zumindest an der Dynamik dieser beiden Länder zu orientieren und verweist auf die Finanzausstattung des Bildungssystems bis zum Abschluss der beruflichen Erstausbildung, die ein Grund für diese Entwicklung sein könnte.

Die Studie ist als FiBS-Forum Nr. 47 auf der Homepage des FiBS unter www.fibs.eu einsehbar.

Kontakt: Birgitt A. Cleuvers (FiBS), Tel. 0 30 – 84 71 22 3–20

Birgitt A. Cleuvers | idw
Weitere Informationen:
http://www.fibs.eu

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