Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Damit demenzerkrankte Menschen zu Hause leben können

30.11.2007
Damit demenzerkrankte Menschen zu Hause leben können Studie des Wittener Instituts für Pflegewissenschaft untersucht, welche Hilfe Menschen mit Demenz und ihre pflegenden Angehörigen brauchen
Ambulant vor stationär. So lautet die Kurzformel bei der Versorgung pflegebedürftiger Menschen. Immer mehr Experten plädieren dafür, dass die Betroffenen nach Möglichkeit in ihrem vertrauten Umfeld betreut werden.

Eine Heimunterbringung sollte nur dann nötig werden, wenn es an geeigneten Alternativen fehlt. Damit ambulant wirklich vor stationär geht, müssen die pflegebedürftigen Menschen und ihre pflegenden Angehörigen unterstützt werden.

Pflegende Angehörige leisten den größten Teil der Pflege in Privathaushalten, und sie werden immer häufiger mit demenzerkrankten Familienmitgliedern konfrontiert. Um herauszufinden, welche Hilfe nötig ist, damit die Familien so lange wie möglich zusammenbleiben können, hat das Institut für Pflegewissenschaft der Universität Witten/Herdecke jetzt ein Forschungsprojekt gestartet. Bei dem Projekt wird eine Methode gestestet, mit der der Hilfs- und Unterstützungsbedarf detailliert eingeschätzt werden soll.

Die Studie wird vom Bundesfamilienministerium und der Robert Bosch Stiftung gefördert. Das Instrument zur Einschätzung des Hilfs- und Unterstützungsbedarfs mit dem Namen CarenapD - darin steckt das Wort Care = Pflege - stammt ursprünglich aus Großbritannien, wo es schon seit einigen Jahren erfolgreich angewendet wird. Bei CarenapD handelt es sich um einen aufeinander aufbauenden Fragen- und Datenerhebungskatalog, ähnlich einer Check- oder Prüfliste. Die Auswertung der Formulare soll ein möglichst umfangreiches Bild der Situation und des daraus resultierenden Hilfebedarfs ergeben. "Der Vorteil eines standardisierten Instruments wie CarenapD liegt auch darin, dass die Ergebnisse relativ unabhängig von den Personen sind, die die Daten erheben, weil ja prinzipiell immer nach demselben Schema vorgegangen wird", erläutert Christine Riesner vom Wittener Institut für Pflegewissenschaft.

Als Grundlage für die Arbeit mit CarenapD müssen die Datenerheber in ihre Arbeit eingewiesen werden. Entsprechende Schulungen hat es bereits gegeben. Zu den Teilnehmern gehörten Mitarbeitern von Pflegediensten, dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen, Beratungsstellen und Kommunen. Ab Anfang Dezember beginnt die konkrete Testphase. Dann wird CarenapD in zwei nordrhein-westfälischen Regionen angewendet: zum einen in Bochum als Beispiel einer städtisch strukturierten Kommune und zum anderen im eher ländlichen Minden. Rund 80 Familien sollen in die Studie einbezogen werden. Gefragt wird etwa nach der körperlichen Gesundheit des demenzerkrankten Angehörigen, seinen Essgewohnheiten und seiner geistigen Beweglichkeit, aber auch nach der allgemeinen Wohnsituation. Weitere Punkte betreffen die Situation des pflegenden Angehörigen und eine möglicherweise schon bestehende externe Unterstützung, etwa durch einen Pflegedienst oder eine Beratungsstelle.

Die Erhebungen haben zunächst zwei Ziele: Erstens sollen die in den ausgewählten Familien gewonnenen Erkenntnisse auch direkt dort fruchtbar gemacht werden. Muss beispielsweise die Ernährung des Demenzerkrankten umgestellt werden, benötigt er psychologische Hilfe, sollte die Wohnung anders eingerichtet werden? Das zweite Ziel betrifft auf einer allgemeineren Stufe generelle und möglichst repräsentative Aussagen über Personen mit Demenz im häuslichen Umfeld. Dazu werden die Wittener Forscher die Datensätze, die vorher anonymisiert worden sind, auswerten.

Christine Riesner vom Institut für Pflegewissenschaft: "Der ambulante Versorgungssektor ist bisher kaum auf das Problemfeld Demenz ausgerichtet.

Es mangelt an Unterstützungsstrukturen und ganz grundsätzlich an dem Wissen darüber, wie sie konkret beschaffen sein müssen, um dem Bedarf gerecht zu werden."

Im Anschluss an das Pilotprojekt mit den Erhebungen in Bochum und Minden ist eine Ausweitung der Studien geplant. Dann sollen Städte im gesamten Bundesgebiet in die Datensammlungen einbezogen werden. Eine wissenschaftliche Analyse des Unterstützungsbedarfs von Demenzerkrankten, die vorrangig von Angehörigen betreut werden, gewinnt zunehmend an Relevanz. Mittlerweile sind in Deutschland rund eine Million Menschen an Demenz erkrankt. Pro Jahr kommen schätzungsweise 200.000 dazu. Etwa 60 Prozent der aktuell Betroffenen leben in Privathaushalten.

Kontakt: Christine Riesner,
02302/926-175, christine.riesner@uni-wh.de www.uni-wh.de/pflege http://wga.dmz.uni-wh.de/pflege/html/default/igns-77dc8m.de.html

Siegrun Pardon | Uni Witten/Herdecke
Weitere Informationen:
http://www.uni-wh.de

Weitere Berichte zu: CarenapD Demenz Pflegewissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Verstädterung wird 300.000 km2 fruchtbarsten Ackerlands verschlingen
27.12.2016 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau