Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie im Auftrag der EU-Kommission zum Solvabilitätssystem für Versicherungen - Reformen notwendig

07.05.2002


KPMG hat im Auftrag der Europäischen Kommission eine Studie zum Solvabilitätssystem der europäischen Versicherungswirtschaft* erstellt. Darin kommt KPMG zu dem Schluss, dass ein Bedarf für eine Reform der Versicherungsaufsicht und den erweiterten Gebrauch moderner Risikomanagementmethoden durch Versicherungsunternehmen besteht. Der Bericht fordert darüber hinaus eine größere Übereinstimmung in Bilanzierung, Risikoeinschätzung und -darstellung innerhalb Europas.

Es werden hochentwickelte Systeme benötigt, um die komplexen Risiken, darzustellen und zu messen, denen Versicherungsunternehmen gegenüberstehen - Systeme, die derzeit kaum bei den Unternehmen existieren. Die Feststellung einer angemessenen Kapitalausstattung hängt wesentlich von der Fähigkeit der Versicherer ab, das eigene Risikoprofil und die daraus erwachsenden finanziellen Auswirkungen zu verstehen. Um dies zu erreichen, sind effektive Rahmenbedingungen für das Risikomanagement notwendig, die es ermöglichen, alle Risiken mit finanziellen Auswirkungen abzubilden. Nur wenn solche Systeme existieren, werden die Versicherer die zur Abdeckung ihrer Risiken notwendigen Eigenmittel kennen. Ein an "Basel II" angelehnter Ansatz zur angemessenen Kapitalausstattung sollte geschaffen werden.

Der Bericht, der die Meinung von KPMG und nicht der Kommission wiedergibt, ist der erste seiner Art im Rahmen der Überprüfung der Solvabilitätsanforderungen für Versicherungsunternehmen durch die Europäische Kommission. Die Reform der Solvabilitätssysteme (bekannt als "Solvency II"-Projekt) wird weitreichende Konsequenzen haben und in grundlegenden Änderungen der Solvabilitätsanforderungen münden.

Gerd Geib, Mitglied des Vorstands KPMG Deutschland, Vorsitzender der KPMG Global Insurance Practice und Mitverfasser dieses Berichts: "Die goldene Regel für Versicherer ist stets das Unerwartete zu erwarten. Niemand konnte eine Tragödie vom Ausmaß der Ereignisse des 11. Septembers 2001 voraussehen, aber dies sind die Eventualitäten, die Versicherer künftig berücksichtigen müssen. Wir fanden heraus, dass viele Versicherer Systeme zur Quantifizierung all ihrer finanziellen Risiken besitzen, dass ihre Risikomanagementsysteme - mit einigen Ausnahmen - jedoch nicht in Übereinstimmung mit den Fortschritten im Bankensektor entwickelt wurden, und dass es innerhalb Europas beträchtliche Abweichungen gibt, die eine vergleichende Beurteilung der Risikoausprägungen extrem schwierig machen."

Die wesentlichen Punkte und Empfehlungen des KPMG Berichts sind:

  • Die existierenden Solvabilitätsvorschriften basieren auf einfachen Kennzahlen, die zu Sicherheitsmargen führen, jedoch nicht in angemessener Weise das volle Spektrum der Risiken widerspiegeln, denen Versicherer ausgesetzt sind.
  • Eine Anzahl von impliziten Kapitalanforderungen wird den Versicherern durch vorsichtige Bewertung von Vermögenswerten und Schulden auferlegt, was wiederum zu Schwierigkeiten bei der Feststellung der tatsächlichen finanziellen Position und dem Vergleich der finanziellen Stärke von in unterschiedlichen Mitgliedstaaten beheimateten Unternehmen führt.
  • Der Bericht hebt auch Unzulänglichkeiten bei der Bildung von versicherungstechnischen Rückstellungen hervor. Der hohe Grad an Ermessensspielräumen lässt Unternehmen, die versicherungstechnische Rückstellungen auf einer vorsichtigen Basis bilden, unnötigerweise schwächer erscheinen als Unternehmen, die einen weniger vorsichtigen Ansatz wählen.
  • Ein differenzierterer Ansatz zur Risikomodellierung und zum Risikomanagement (wie er für den Bankensektor entwickelt wird) sollte für die Feststellung des notwen-digen Kapitals in Erwägung gezogen werden - ein an "Basel II" angelehnter Ansatz für eine angemessene Kapitalausstattung sollte entwickelt werden. Jedes zukünftige System muss aber die Unterschiede der Versicherung ebenso berücksichtigen wie die Gemeinsamkeiten mit dem Bankensektor.
  • Mit der zwingenden Anwendung von International Accounting Standards (IAS) ab 2005 wird eine größere Transparenz und Vergleichbarkeit der finanziellen Position von börsennotierten Versicherungsunternehmen in Europa hergestellt. Die Nutzung von nach IAS aufgestellten Abschlüssen kann zu einer höheren Einheitlichkeit bei der Bemessung der Solvabilitätsspannen führen.

Hitesh Patel, Partner in London bei KPMG Financial Regulatory Services und Mitverfasser dieses Berichts, folgert: "Obwohl die Solvabilitätsanforderungen für Versicherungsunternehmen in der EU zum Zwecke des Schutzes der Versicherungsnehmer bislang sehr gut funktionieren, ist eine Reform notwendig. Die Schwierigkeiten dürfen nicht unterschätzt werden, insbesondere die Herausforderung, einen passenden risikobasierten Ansatz zu finden und die erforderliche Flexibilität zu gewährleisten, um die Vielfalt der europäischen Versicherungsindustrie zu berücksichtigen. Dies ist, in unseren Augen, eine zwingende Notwendigkeit und nicht nur ein anzustrebendes Ziel. Die Versicherungsindustrie muss sich ihrerseits effektiver gegen die Risiken ihres täglichen Geschäfts absichern. Dies wird auch den Kapitalmärkten, Rating-Agenturen und anderen Nutzern erleichtern, abzuschätzen, wieviel Kapital Versicherungsunternehmen vorhalten müssen. Eine einheitliche Umsetzung ist erforderlich, um sicherzustellen, dass Versicherer aufgrund von ungerechtfertigten Abweichungen in den Kapitalanforderungen zwischen den Mitgliedsstaaten keine Wettbewerbsnachteile erleiden."

*"Study into the methodologies to assess the overall financial position of an insurance undertaking from the perspective of prudential supervision" 

Marita Reuter | Pressemitteilung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Im Focus: Kalte Moleküle auf Kollisionskurs

Mit einer neuen Kühlmethode gelingt Wissenschaftlern am MPQ die Beobachtung von Stößen in einem dichten Strahl aus kalten und langsamen dipolaren Molekülen.

Wie verlaufen chemische Reaktionen bei extrem tiefen Temperaturen? Um diese Frage zu beantworten, benötigt man molekulare Proben, die gleichzeitig kalt, dicht...

Im Focus: Astronomen entdecken ungewöhnliche spindelförmige Galaxien

Galaxien als majestätische, rotierende Sternscheiben? Nicht bei den spindelförmigen Galaxien, die von Athanasia Tsatsi (Max-Planck-Institut für Astronomie) und ihren Kollegen untersucht wurden. Mit Hilfe der CALIFA-Umfrage fanden die Astronomen heraus, dass diese schlanken Galaxien, die sich um ihre Längsachse drehen, weitaus häufiger sind als bisher angenommen. Mit den neuen Daten konnten die Astronomen außerdem ein Modell dafür entwickeln, wie die spindelförmigen Galaxien aus einer speziellen Art von Verschmelzung zweier Spiralgalaxien entstehen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

Wenn die meisten Menschen an Galaxien denken, dürften sie an majestätische Spiralgalaxien wie die unserer Heimatgalaxie denken, der Milchstraße: Milliarden von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

bionection 2017 erstmals in Thüringen: Biotech-Spitzenforschung trifft in Jena auf Weltmarktführer

13.10.2017 | Veranstaltungen

Tagung „Energieeffiziente Abluftreinigung“ zeigt, wie man durch Luftreinhaltemaßnahmen profitieren kann

13.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

ESO-Teleskope beobachten erstes Licht einer Gravitationswellen-Quelle

16.10.2017 | Physik Astronomie

Was läuft schief beim Noonan-Syndrom? – Grundlagen der neuronalen Fehlfunktion entdeckt

16.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Gewebe mit Hilfe von Stammzellen regenerieren

16.10.2017 | Förderungen Preise