Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Qualitätssicherung von Präventionsprogrammen hat international große Defizite - Neue Studie von Gesundheitsökonomen der Uni Köln

22.10.2007
Die Evaluation und Qualitätssicherung von Programmen zur Prävention und Gesundheitsförderung haben große Defizite - in Deutschland ebenso wie in anderen Industriestaaten.

Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Instituts für Gesundheitsökonomie und klinische Epidemiologie (IGKE) an der Universität zu Köln. "Die allermeisten Ressourcen werden derzeit ohne Nachweis von qualitätsgesicherten Effekten ausgegeben", resümieren die Forscher um Prof. Dr. Karl Lauterbach und PD Dr. Markus Lüngen in einer neuen Studie, die von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert wurde.

Die Kölner Gesundheitsökonomen werteten anhand eines umfassenden Kriterienkatalogs rund 120 Evaluations-Studien aus, die wiederum Präventionsprogramme aus 13 Staaten bewerteten. Die IGKE-Untersuchung bezieht Studien aus den USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, den nordischen Ländern, Österreich und der Schweiz ein. Ihre Fragestellung: Lassen sich im Ausland Präventions-Konzepte identifizieren, die einer systematischen, methodisch anspruchsvollen wissenschaftlichen Prüfung unterzogen wurden und sich in dieser Evaluation als wirkungsvoll erwiesen? Angesichts von mehreren tausend Präventionsprogrammen konzentrierten sich die Forscher dazu exemplarisch auf vier Themen: Bewegungsprogramme im Betrieb und speziell für Mädchen und Frauen; Depressions-Prävention in der Schule; gute Ernährung für Schüler sowie Raucherentwöhnung bei Schwangeren.

Der Blick in die internationale Forschung ist aus Sicht der Wissenschaftler zwingend: Die Bundesregierung hat angekündigt, bis 2009 ein Präventionsgesetz vorzulegen. Gleichzeitig ist die systematische Evaluation von Präventionsprogrammen in Deutschland noch wenig entwickelt. Doch auch in den untersuchten Ländern ist eine konsequente wissenschaftsgestützte Qualitätskontrolle bei der Prävention eher selten, attestieren die Forscher. Lediglich Finnland ist in der Systematik schon weiter.

Keine einzige der untersuchten ausländischen Maßnahmen schaffte es, als "in hohem Maße empfehlenswert" eingestuft zu werden. Bei einem Teil lag das daran, dass sich die jeweilige Vorbeuge-Intervention in methodisch anspruchsvollen Checks nur als eingeschränkt effektiv erwies oder gar durchfiel. Ein Beispiel dafür sind betriebliche Kampagnen zur Bewegungsförderung, bei denen Beschäftigte mit Plakaten zum Treppensteigen animiert werden. Aussagekräftige Studien belegen eindeutig, dass solche Aktionen kaum Einfluss auf das Verhalten der Zielgruppe haben.

Häufiger ist Variante zwei: Die Qualität der Bewertungsstudien reichte nicht aus, um ein überzeugendes Urteil über die Wirksamkeit abzugeben. "Insgesamt ist die Zahl der Interventionen zwar extrem hoch, die Zahl der Evaluationen mit genügend hohem Qualitätsanspruch jedoch extrem klein", resümieren die Forscher um Lauterbach. Prävention und Gesundheitsförderung lägen dadurch auch international um etwa 25 Jahre hinter der Entwicklung in der kurativen Medizin zurück, in der Methoden der Evidenzbasierung mittlerweile verbreitet sind.

Um das Wissensdefizit zu verkleinern, empfehlen die Gesundheitsökonomen für das geplante deutsche Präventionsgesetz einen pragmatischen Ansatz: Der Gesetzgeber solle auch neue, innovative Programme zur Prävention und Gesundheitsförderung zulassen. Zugleich müssten für alle öffentlich geförderten Aktivitäten methodisch hochwertige Evaluationen vorgeschrieben werden. Bei der Formulierung von Anforderungen könnte der Kriterienkatalog helfen, den die Kölner für ihre Studie erarbeitet haben. Schließlich raten die Forscher dazu, alle Präventionsprogramme zunächst zeitlich zu befristen. Grund: Da die empirische Studienlage derzeit nicht ausreiche, würden "absehbar auch nicht wirksame Interventionen durchgeführt."

Rainer Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/320_89041.html
http://www.boeckler.de/pdf/pm_2007_10_22_praevention.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Weltweit erste Therapiemöglichkeit für Kinderdemenz CLN2 entwickelt
25.04.2018 | Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Demographie beeinflusst Brutfürsorge bei Regenpfeifern

25.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Zukunft des Fliegens auf dem Prüfstand

25.04.2018 | Maschinenbau

Rittal digitalisiert Fertigung - Produktion weltweit nach Industrie 4.0

25.04.2018 | HANNOVER MESSE

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics