Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vor dem EU-Gipfel: Deutsche, Franzosen und Briten wollen einen "Rat der Weisen"

16.10.2007
Während Spitzenpolitiker schweigen, wünschen sich die Bürger mehr Orientierung über die Perspektiven Europas

Eine deutliche Mehrheit der Bürger in den größten europäischen Staaten unterstützt den Vorschlag des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, einen europäischen "Rat der Weisen" zu installieren, der aus angesehen Persönlichkeiten besteht und bis zum Jahr 2009 Vorschläge für die Weiterentwicklung Europas vorlegen soll.

Nach einer aktuellen Umfrage der deutschen Bertelsmann Stiftung in Frankreich, Großbritannien und Deutschland spricht sich eine sehr große Mehrheit der dort Befragten für den Sarkozy-Vorschlag aus. Nahezu zwei von drei Befragten befürworten den Vorschlag, weniger als 20 Prozent waren dagegen. Die größte Zustimmung findet der Vorschlag in Frankreich selbst mit 67 Prozent Befürwortern, in Deutschland unterstützen ihn 65 Prozent und auch in Großbritannien ist eine Mehrheit von 47 Prozent positiv eingestellt, 40 Prozent sprechen sich auf der Insel gegen den Vorschlag aus.

Die mehrheitliche Zustimmung ist in allen Ländern, in nahezu allen Altersgruppen und unter beiden Geschlechtern eindeutig. Insbesondere in den jüngeren Generationen in Deutschland und Frankreich findet der Vorschlag mit über 70 Prozent Zustimmung. Und auch in Großbritannien sprechen sich 61 Prozent der unter 30-Jährigen für diesen Vorschlag aus.

... mehr zu:
»EU-Gipfel »Spitzenpolitiker

Auch in den älteren Generationen über 50 Jahren sind 60 bis 70 Prozent der Franzosen und Deutschen für einen Rat der Weisen. Und auch in Großbritannien mit 48 Prozent eine Mehrheit der befragten Bürger. Lediglich in einer kleinen Untergruppe findet sich unter allen Befragten eine ablehnende Mehrheit. Die Briten über 60 Jahren lehnen mit 50 Prozent die französische Idee ab, immerhin auch unter ihnen sind 37 Prozent dafür.

Für Dominik Hierlemann, Europaexperte der Bertelsmann Stiftung, zeigt sich eine auffallende Diskrepanz zwischen der Meinung der Bürger und den Reaktionen der Spitzenpolitiker in Brüssel und den europäischen Hauptstädten: "Die europäische Politik hätte den Vorschlag von Sarkozy gerne totgeschwiegen. Nach der leidigen Verfassungsdiskussion sollte endlich Schluss sein mit Grundsatzdebatten. Die Bürger spüren aber, dass die EU noch an ihrem Zukunftskonzept arbeiten muss. Die große Zustimmung für den Weisenrat deutet darauf hin, dass ein Rest von europäischem Unwohlsein geblieben ist."

In einer aktuellen Studie ("spotlight europe", 2007/07) zeigen die Bertelsmann Stiftung und das Centrum für angewandte Politikforschung auf, welche Erfolgsvoraussetzungen für den Rat der Weisen gelten. Neben der Zusammensetzung und der Themenwahl ist wichtig, wie Bürger und europäische Öffentlichkeit an der Diskussion teilhaben können. In der jüngeren Geschichte der Europäischen Union wurden immer wieder Experten- oder Reflexionsgruppen eingesetzt, um an kritischen Wegscheiden neue Impulse zu erhalten. Die Studie zieht daraus Lehren für die aktuelle Diskussion. So sollte eine Reflexionsgruppe wie der Rat der Weisen nicht entlang der Konfliktlinien der Politik eingesetzt werden - also besser keine Parität, kein Proporz, keine Parteien.

Die Meinungsumfrage der Bertelsmann Stiftung war Ende September 2007 repräsentativ unter über 3.000 Bürgern in Deutschland, Frankreich und Großbritannien durchgeführt worden.

Über die Bertelsmann Stiftung:

Die deutsche Bertelsmann Stiftung ist eine gemeinnützige, politisch unabhängige Stiftung, die sich unter anderem dem Thema der Internationalen Verständigung widmet und als politikberatender Think Tank auch Vorschläge zur Lösung der Fragen der europäischen Integration erarbeitet.

Rückfragen an: Dr. Dominik Hierlemann, Bertelsmann Stiftung; Telefon: ++49 (0) 5241 - 81 81 537; E-Mail: Dominik.Hierlemann@bertelsmann.de

Julia Schormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.Bertelsmann-Stiftung.de/spotlight

Weitere Berichte zu: EU-Gipfel Spitzenpolitiker

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

nachricht »Zweites Leben« für Smartphones und Tablets
16.03.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Licht macht Ionen Beine

20.04.2018 | Physik Astronomie

Software mit Grips

20.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Eine Teleskopschiene für Nanomaschinen

20.04.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics