Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rolle des Klimas beim Aussterben der Neandertaler: Vermutlich eher unbedeutend

13.09.2007
Eine neue Studie zeigt, dass die Neandertaler vermutlich nicht durch eine Klimakatastrophe ausstarben

Ist der Neandertaler aufgrund des Konkurrenzkampfes mit dem modernen Menschen ausgestorben oder aufgrund sich verschlechternder klimatischer Bedingungen? Obwohl die Forschergemeinschaft in den letzten Jahren immer mehr Wissen über vergangene Klimata zusammengetragen hat, ist es nach wie vor schwierig, die klimatischen Bedingungen zur Zeit des Verschwindens der Neandertaler genau zu bestimmen. Die neue Studie eines internationalen Forscherteams, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Nature (13. September 2007), versucht, genau diese Frage zu beantworten. Die Daten der Forscher u. a. vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie zeigen, dass es kein einzelnes klimatisches Ereignis gegeben hat, das zum Aussterben der Neandertaler geführt haben könnte.


Vergleich eines Neandertalerskelettes mit dem eines modernen Menschen. Bild: Ian Tattersall

"Es gibt drei größere Unwägbarkeiten bei der Einschätzung, welche Rolle das Klima beim Aussterben der Neandertaler gespielt haben könnte", erklärt der Paläo-Ökologe und Projektleiter Chronis Tzedakis von der Universität Leeds: Die Ungewissheit bezüglich des genauen Zeitpunkts, wann die Neandertaler verschwanden, die Ungewissheit bei der Übertragung von Radiokarbondaten in tatsächliche Kalenderjahre und chronologische Ungenauigkeiten bei der Aufzeichnung vergangener Klimabedingungen. "Unsere neue Methode schließt die letzten zwei Unwägbarkeiten aus", sagt Konrad Hughen von der Woods Hole Oceanographic Institution. "Wir konnten deshalb die klimatischen Bedingungen, die zur Zeit des Aussterbens der Neandertaler vorherrschten, viel genauer darstellen." Und der Paläo-Klimaforscher fügt hinzu: "Da die Methode mit jeder Radiokarbondatierung bei einer jeden Ablagerung anwendbar ist, können wir nun darüber hinaus auch die Rolle des Klimas bei der Untersuchung anderer fossiler Funde herausfinden."

Die Höhle Gorhams auf Gibraltar hat vermutlich die letzten überlebenden Neandertaler beherbergt. Die Forscher überprüften hier mit ihrer neuen Methode drei mögliche Datierungen des Aussterbens der Neandertaler: Die ersten beiden Datierungen (vor ca. 32.000 und vor ca. 28.000 Radiokarbonjahren) stehen im Zusammenhang mit Bedingungen, die sich nicht von der allgemeinen klimatischen Instabilität der letzten Eiszeit-Periode unterscheiden. Das viel umstrittenere Datum von ca. 24.000 Radiokarbonjahren platziert die Neandertaler kurz vor eine Hauptklimaverschiebung, mit einer Expansion des Eises und der Ausbreitung kalter Bedingungen in ganz Nordeuropa. Wobei das Klima Gibraltars jedoch mild blieb, "möglicherweise resultierend aus warmem Wasser, das vom subtropischen Atlantik in das westliche Mittelmeer geflossen ist", so Paläo-Meeresforscherin Isabel Cacho.

Auch wenn sich diese - umstrittene - Datierung zeitlich mit einer größeren Klimaverschiebung deckt, "so wäre auch in diesem Fall der Beitrag des Klimas zum Aussterben des Neandertalers nur ein indirekter", betont die Paläoanthropologin Katerina Harvati vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, "indem er möglicherweise den Konkurrenzkampf mit anderen Menschengruppen zum Nachteil der Neandertaler beeinflusste."

Die Studie wurde von Chronis Tzedakis (University of Leeds) geleitet; Konrad Hughen (Woods Hole Oceanographic Institution); Isabel Cacho (University of Barcelona); Katerina Harvati (Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie).

[SJ/CB]

Originalveröffentlichung:

P. C. Tzedakis, K. A. Hughen, I. Cacho & K. Harvati
Placing late Neanderthals in a climatic context
Nature, Volume 448, Number 7159, 13. September 2007

Dr. Bernd Wirsing | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Berichte zu: Anthropologie Aussterben Datierung Max-Planck-Institut Neandertaler

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften