Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Protein ist für Dehnbarkeit der Nervenzellen verantwortlich

20.08.2007
Fehlen von Beta-Spectrin führt zu Brüchigkeit und Lähmung

Wissenschaftler der University of Utah haben herausgefunden, warum lange Nervenzellen nicht reißen, wenn wir uns bewegen oder unsere Gliedmaßen strecken. Experimente mit Würmern haben gezeigt, dass das Fehlen des Proteins Beta-Spectrin die Nerven brüchig macht. Die Folgen sind das Zerreißen der Nervenzellen und eine Lähmung. Diese Forschungsergebnisse könnten erklären, warum Patienten mit spinozerebellärer Ataxie schrittweise ihre Koordinationsfähigkeit und die Fähigkeit sich zu bewegen verlieren. Details der Studie wurden in The Journal of Cell Biology veröffentlicht.

Menschen verfügen über vier Gene, die für die Produktion von Beta-Spectrin verantwortlich sind. Aktuelle Studien haben gezeigt, dass Menschen mit einer spinozerebellären Ataxie des Typs 5 über eine Mutation eines dieser Gene verfügen. Diese neurodegenerative Erkrankung tritt zwischen zehn und 68 Jahren auf. Früher wurde laut BBC angenommen, dass die Mutation dieses Proteins bedeutete, dass die Zellen nicht normal miteinander kommunizieren können, da die erforderlichen Proteine nicht an ihrem Platz wären.

Das Team um Michael Bastiani geht jetzt davon aus, dass eine Mutation oder das Fehlen des Proteins dazu führt, dass die Axone ihre Flexibilität verlieren und reißen. Bei Fadenwürmern, die ohne Beta-Spectrin gezüchtet wurden, starben die Nervenzellen im Laufe der Zeit ab und führten zu einer Lähmung. Bei den Embryos der Würmer waren nur drei Prozent der Nervenzellen beschädigt oder zerrissen. Als die Würmer einen Tag alt waren, lag dieser Wert bereits bei 60 Prozent. Dieser Umstand legt nahe, dass das Protein nicht für das anfängliche Wachstum der Nervenzellen verantwortlich ist, sondern dafür ein späteres Reißen zu verhindern.

Laut Bastiani sei es geradezu unglaublich, dass ein einzelnes Protein verhindert, dass die Nerven in unserem ganzen Körper reißen. "Die gesamte Funktion unseres Nervensystems basiert auf diesen Axonen zwischen den Nervenzellen." Wurden die Würmer durch eine zweite Mutation gelähmt, rissen die Axone nicht, da sie sich nicht mehr bewegten. Es wird angenommen, dass es mehr als 20 Formen von vererblicher spinozerebellärer Ataxie gibt. Derzeit gibt es keine Behandlungsmöglichkeit. Der Krankheitsverlauf führt normalerweise dazu, dass die Betroffenen einen Rollstuhl benötigen. Das Gen für den Typ 5 wurde in elf Generationen der Familie von Abraham Lincoln nachgewiesen. Es ist wahrscheinlich, dass der Präsident selbst auch betroffen war. Symptome wurden vor seiner Ermordung im Alter von 56 Jahren nicht sichtbar.

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.utah.edu
http://www.jcb.org

Weitere Berichte zu: Ataxie Beta-Spectrin Gen Lähmung Mutation Nervenzelle Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Ab ins Ungewisse: Über das Risikoverhalten von Jugendlichen
19.01.2017 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie