Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chancen für Politik und Unternehmen - Deutsche geben immer mehr Geld für Gesundheit aus

05.07.2007
Roland Berger Studie zum Zweiten Gesundheitsmarkt

- Erwachsene geben im Schnitt zusätzlich zur Krankenversicherung 900 Euro im Jahr für ihre Gesundheit aus

- Der Zweite Gesundheitsmarkt (alle privat finanzierten Gesundheitsdienstleistungen und Produkte) umfasst heute ein Volumen von 60 Milliarden Euro im Jahr

- Schon heute existiert eine zusätzliche Nachfrage von 16 Milliarden Euro - allein das Angebot fehlt noch

- Es gibt fünf unterschiedliche Gesundheitstypen: Rundum Aktive, sorglose Sportler, traditionelle Minimalisten, passive Zauderer und selbstkritische Interessierte

- Zweiter Gesundheitsmarkt ermöglicht Menschen ein gesünderes Leben und bietet Unternehmen neue Geschäftsmöglichkeiten

- Auch Anbieter des klassischen Gesundheitswesens können Angebote für den Zweiten Gesundheitsmarkt entwickeln

Immer mehr Menschen tun auch privat etwas für ihre Gesundheit. Laut einer Studie von Roland Berger Strategy Consultants gibt jeder Erwachsene mittlerweile im Jahr 900 Euro aus für Vorsorgeuntersuchungen, alternative Medizin, Wellness, Sport und gesunde Ernährung. Seit 2000 sind damit die privaten Gesundheitsausgaben, die zusätzlich zur Krankenversicherung getätigt werden, jährlich um 6 Prozent gestiegen. Inzwischen hat dieser so genannte Zweite Gesundheitsmarkt ein Volumen von jährlich 60 Milliarden Euro erreicht; 2003 waren es erst 49 Milliarden Euro. Und die Tendenz steigt, wie eine Befragung von 1.000 18- bis 70-Jährigen durch Synovate im Auftrag der internationalen Strategieberatung im Frühjahr 2007 ergab. Allerdings steht der Nachfrage bislang noch kein ausreichendes Angebot gegenüber. Schon heute liegt die Nachfrage bei insgesamt 76 Mrd. Euro.

"Fast alle Bevölkerungsgruppen, unabhängig vom Einkommen, möchten zunehmend etwas für ihre Gesundheit tun und nutzen gesundheitsfördernde Produkte und Dienstleistungen", erklärt Dr. Joachim Kartte, Partner und Leiter des Kompetenzzentrums Pharma & Healthcare von Roland Berger Strategy Consultants. Zudem durchdringt das Thema Gesundheit mehr und mehr alle Lebensbereiche. Ob probiotischer Joghurt, hautverträgliche Kleidung oder Gesundheitstourismus - längst umfasst der Zweite Gesundheitsmarkt mehr als traditionelle Zusatzangebote wie Homöopathie und freiwillige Vorsorgeuntersuchungen. Kartte sagt: "Der Trend geht klar dahin: alles wird gesund."

Chancen des Zweiten Gesundheitsmarktes besser nutzen

Bislang nutzen jedoch sowohl Politik als auch Unternehmen die Chancen des Zweiten Gesundheitsmarktes nur recht zögerlich. "Durch die gezielte Förderung des Zweiten Gesundheitsmarktes könnte die Politik zwei Ziele gleichzeitig erreichen: die Gesundheit der Bevölkerung verbessern und neue Arbeitsplätze schaffen", erläutert der Gesundheitsexperte von Roland Berger Strategy Consultants. Gerade für ein Land mit relativ stark alternder Bevölkerung ist es wichtig, dass die Menschen möglichst lange gesund und damit auch dem Arbeitsmarkt erhalten bleiben. Der Wirtschaft wiederum eröffnet der Zweite Gesundheitsmarkt Chancen für neue Geschäftsmodelle.

Um die Menschen mit neuartigen Gesundheitsleistungen zu erreichen, gilt es jedoch zunächst das Konsumentenverhalten zu kennen. Denn laut Roland Berger Studie äußert sich das Gesundheitsbewusstsein beim Einzelnen recht unterschiedlich. "Unsere repräsentative Befragung hat fünf Typen von Konsumenten identifiziert, die jeweils ähnliche Werte und Bedürfnisse in Gesundheitsfragen haben", erklärt Dr. Karsten Neumann, Principal im Kompetenzzentrum Pharma & Healthcare.

Bei den fünf Grundtypen handelt es sich um:

Typ 1: die rundum Aktiven
Typ 2: die sorglosen Sportler
Typ 3: die traditionellen Minimalisten
Typ 4: die passiven Zauderer
Typ 5: die selbstkritischen Interessierten
Diese fünf Typen bilden zu etwa gleichen Teilen die gesamte Bevölkerung ab und ihr Gesundheitsverhalten findet sich in allen Alters-, Einkommens- und Bildungsschichten.

Hauptunterscheidungsmerkmal ist ihre persönliche Einstellung zu Gesundheitsfragen. Während sich die einen bewusst gesund ernähren, setzen die anderen auf Sport oder Entspannung. Wieder andere informieren sich aktiv über Gesundheit und Krankheit, während es bei manchen beim guten Vorsatz bleibt. Die fünf Gesundheitstypen

Die rundum Aktiven (Typ 1) sind sportlich aktiv und interessieren sich für Wellness. Sie geben Geld für Vorsorge und Zusatzversicherungen aus. Insgesamt fühlen sie sich gut und machen sich relativ wenige Gedanken über ihre Gesundheit. Entsprechend selten gehen sie zum Arzt.

Für die sorglosen Sportler (Typ 2) ist Sport ein wichtiger Lebensinhalt - und Gesundheit dabei eher ein netter Nebeneffekt. Den Arzt konsultieren sie selten und nur, wenn sie wirklich krank sind. Alternative Heilmethoden nutzen sie bisher gar nicht.

Gesundheitsvorsorge reduziert sich bei den traditionellen Minimalisten (Typ 3) auf gelegentliche Arztbesuche. Sie sind sportlich kaum aktiv und zeigen generell wenig Interesse an Gesundheitsthemen. Gesundheit bedeutet für sie die Abwesenheit von Krankheit.

Die passiven Zauderer (Typ 4) sind der Meinung, dass sie mehr für ihre Gesundheit tun müssten, können sich oft aber nicht aufraffen. Sie treiben wenig Sport und beschäftigen sich auch sonst kaum mit Gesundheitsthemen.

Die selbstkritisch Interessierten (Typ 5) befassen sich intensiv mit Gesundheitsthemen und dem eigenen Gesundheitszustand und geben am meisten von allen fünf Typen für ihre Gesundheit aus.

Für jeden Typ das richtige Angebot

"Unternehmen, die die Chancen im Zweiten Gesundheitsmarkt nutzen wollen, sollten diese Grundtypen kennen, damit sie wissen, wen sie wie ansprechen können", betont Gesundheitsmarktexperte Kartte. "Typ 5, der selbstkritisch Interessierte, wünscht sich zum Beispiel wissenschaftliche Informationen zu seinen Lebensmitteln", ergänzt Neumann. "Er möchte sicher sein, das Richtige für seine Gesundheit zu tun und kann mit Werbebegriffen wie Bioaktivstoffe oder Cerealien wenig anfangen." Typ 1, der rundum Aktive, wiederum könnte eine Kombination aus Sporturlaub und Wellnesshotel schätzen.

Gelingt es den Anbietern von Gesundheitsprodukten und -dienstleistungen die Bedürfnisse ihrer Kunden zu erkennen, profitieren Wirtschaft und Konsumenten. Die Kunden erhalten das Gesundheitsangebot, das sie sich wünschen, und die Unternehmen nutzen den wachsenden Zweiten Gesundheitsmarkt gewinnbringend. So sind laut Studie die privaten Ausgaben für Prävention in den vergangenen zehn Jahren jährlich um 10 Prozent gestiegen, die für gesunde Lebensmittel um 8 Prozent. Auch für den Gesundheitstourismus wird bis 2010 ein Wachstum von 8 Prozent pro Jahr prognostiziert. Und Angebote wie schadstofffreie Baumaterialien, gesunde Sitzmöbel, atmungsaktive Kleidung mit UV-Schutz ("functional clothing") werden genauso wie Naturkosmetik, altersgerechte Wohnungsausbauten oder strahlungsärmere technische Geräte ebenfalls weiter zunehmen.

Zweiter Gesundheitsmarkt auch für Ärzte und Kassen

"Hervorzuheben ist, dass der Zweite Gesundheitsmarkt auch den Anbietern des Ersten Gesundheitsmarktes offen steht", sagt Joachim Kartte. "Denkbar wären hier zum Beispiel ambulante Arztpraxen im Supermarkt mit Standarddiensten und geringen Wartezeiten." Gerade die klassischen Anbieter wie Ärzte, Apotheker und Krankenversicherungen haben dabei den Vorteil, dass ihnen die Menschen Kompetenz zuschreiben und vertrauen. Zudem verfügen sie über jahrzehntelange Markterfahrung und wissen, dass Kundenbedürfnisse und Kaufentscheidungen bei einem so sensiblen Thema wie Gesundheit anderen Gesetzen unterstehen als bei anderen Konsumprodukten oder Dienstleistungen.

Roland Berger Strategy Consultants, 1967 gegründet, ist eine der weltweit führenden Strategieberatungen. Mit 33 Büros in 23 Ländern ist das Unternehmen erfolgreich auf dem Weltmarkt aktiv. 1.700 Mitarbeiter haben im Jahr 2006 einen Honorarumsatz von rund 555 Mio. Euro erwirtschaftet. Die Strategieberatung ist eine unabhängige Partnerschaft im ausschließlichen Eigentum von mehr als 140 Partnern.

Dr. Inken Heeb | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.rolandberger.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Verstädterung wird 300.000 km2 fruchtbarsten Ackerlands verschlingen
27.12.2016 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau