Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

18 Prozent der deutschen Buben verhaltensauffällig

18.05.2007
KiGGS-Studie: Sozial schwache Kids leiden am Stärksten

Fast 18 Prozent der Buben und 11,5 Prozent der Mädchen in Deutschland weisen Verhaltensauffälligkeiten oder emotionale Probleme auf. Das ist das Ergebnis der Kinder- und Jugendgesundheitsstudie KiGGS des Robert Koch-Instituts. Knapp 18.000 Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 17 Jahren wurden für die Studie untersucht. Nun liegen die ersten Ergebnisse auf rund 380 Seiten vor.

Die schwerwiegendste Erkenntnis ist, dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien nicht nur in einzelnen Bereichen wie etwa Gesundheit oder Lebensqualität schlechtere Ergebnisse aufweisen. In der Gruppe der sozial Benachteiligten findet man eine Häufung von Risikofaktoren wie Unfälle, Krankheit, Übergewicht, Umweltbelastungen, eine schlechtere gesundheitliche Versorgung und psychische Auffälligkeiten. In Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status sind rund 28 Prozent der Kinder und Jugendlichen auffällig. Bei Familien der oberen sozialen Schicht liegt die Zahl bei lediglich 15,5 Prozent.

Das Krankheitsgeschehen bei Kindern und Jugendlichen wird geprägt durch das Zusammenwirken von Risiko- und Schutzfaktoren und durch eine Verschiebung von akuten zu chronischen Krankheiten und von somatischen zu psychischen Störungen. "Dies lässt die These einer 'neuen Morbidität' entstehen, die vorrangig von Störungen der Entwicklung, der Emotionalität und des Sozialverhaltens bestimmt ist", meint Studienleiterin Bärbel-Maria Kurth, Leiterin der Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung am Robert Koch-Institut. Die häufigsten Störungen im Bereich der psychischen Gesundheit sind Verhaltensprobleme - 17,6 Prozent der Jungen und 11,9 Prozent der Mädchen sind davon betroffen -, gefolgt von emotionalen Problemen und Hyperaktivitätsproblemen. "Zwischen diesen Schutzfaktoren und dem gesundheitlichen Risikoverhalten sind deutliche Zusammenhänge zu erkennen", meint Kurth. Zum Beispiel rauchen Hauptschüler fünfmal häufiger als die Gleichaltrigen auf dem Gymnasium.

... mehr zu:
»Koch-Institut »Schutzfaktor

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist eine deutliche Verschiebung von akuten zu chronischen Erkrankungen bei Minderjährigen. Zu den häufigsten chronischen Krankheiten gehören Bronchitis (13,3 Prozent), Neurodermitis (13,2 Prozent) und Heuschnupfen (10,7 Prozent). 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig. Auffällig am Studienergebnis ist auch, dass der Zuckerkonsum bei den Kindern und Jugendlichen relativ hoch ist. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen gab an, dass sie täglich Obst und Gemüse zu sich nimmt. Dieser Anteil wird aber mit zunehmendem Alter immer geringer. Drei Viertel der Teilnehmer gaben an, nur einmal im Monat Fastfood zu konsumieren.

An der KiGGS-Untersuchung nahmen 17.641 Jungen und Mädchen an 167 Orten teil. Auf der Basis von Befragungen und medizinischen Untersuchungen, einschließlich Laborbefunden, entstand ein einzigartiger Pool von Informationen. Auch der Sozialstatus der Kinder wurde über die Bildung und die berufliche Stellung der Eltern sowie das Haushaltsnettoeinkommen abgebildet. Erstmals sei es auch gelungen, Personen mit Migrationshintergrund entsprechend ihres Anteils an der Gesamtbevölkerung an einer deutschlandweiten Gesundheitsuntersuchung zu beteiligen und repräsentative Daten für diese Gruppe der Kinder und Jugendlichen zu erheben.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.kiggs.de
http://www.rki.de

Weitere Berichte zu: Koch-Institut Schutzfaktor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Ab ins Ungewisse: Über das Risikoverhalten von Jugendlichen
19.01.2017 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise