Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Milch vom Bauernhof schützt Kinder vor Asthma und Allergien

10.05.2007
Eine Studie an beinahe 15'000 Kindern zeigt, dass das Trinken von Bauernmilch Kinder vor Asthma und Heuschnupfen schützen kann. Der Konsum von roher Milch birgt jedoch ernste gesundheitliche Risiken und es bedarf weiterer Forschungen für die Entwicklung eines sicheren Lebensmittelprodukts, das einen wirksamen Schutz gegen diese verbreiteten Kinderkrankheiten bietet. Die Studie, bei der das Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Basel federführend war, wurde in der Maiausgabe der Fachzeitschrift "Clinical and Experimental Allergy" veröffentlicht.

Forscher aus Europa und den USA haben 14'893 Kinder im Alter zwischen fünf und dreizehn Jahren, wohnhaft in Österreich, Deutschland, Holland, Schweden und der Schweiz untersucht. Die Stichprobe setzt sich aus Bauernkindern, Kindern ländlicher und vorstädtischer Gemeinden und aus Rudolf-Steiner-Schulen zusammen, die primär von Kindern aus Familien mit anthroposophischem Hintergrund besucht werden.

Die Eltern wurden gebeten, einen detaillierten Fragebogen auszufüllen, mit Angaben zum kindlichen Konsum von Milch, Butter, Yoghurt, Eiern, Früchten und Gemüse. Zusätzlich wurden sie gefragt, ob diese Produkte direkt von einem Bauernhof stammen oder in einem Lebensmittelgeschäft gekauft wurden. Ebenso sollten Fragen zum Gewicht und zur Grösse des Kindes, zum Stillen und zu gesundheitsbeeinträchtigenden Allergien und zum Asthma beantwortet werden. Allergierelevante Bluttests wurden an knapp 4000 Kindern aus allen fünf Ländern durchgeführt.

Die Forscher haben herausgefunden, dass Kinder, die regelmässig Milch direkt vom Bauernhof tranken, weniger an Heuschnupfen und Asthma litten. Eine tiefere Häufigkeit an diagnostiziertem Asthma war auch bei allen Milchprodukten zu beobachten, die direkt auf einem Bauernhof produziert wurden, und der Verzehr von Freilandeiern schützte vor Heuschnupfen. Jedoch boten diese Produkte nur dann einen erhöhten Schutz, wenn die Kinder auch unpasteurisierte Bauernmilch tranken. Auf die Intensität von atopischen Ekzemen auf der Haut hatte keines der Bauernhofprodukte eine Auswirkung.

... mehr zu:
»Allergie »Asthma »Heuschnupfen

"Sämtliche Kinder, welche Milch direkt vom Bauernhof trinken, zeigen denselben Schutzlevel gegen Asthma und Allergien, ungeachtet dessen, ob sie auf einen Bauernhof leben oder nicht", sagt der Hauptautor Dr. Marco Waser vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Basel.

Dies ist insofern eine wichtige Erkenntnis, als sie andere Schutzfaktoren ausschliesst, die das Leben als Landwirt aufweisen könnte, wie zum Beispiel die Exposition gegenüber mikrobiellen Substanzen in Tierstaub und auf dem Hof. So haben frühere Studien gezeigt, dass Bauernkinder trotz ihrer höheren Exposition weniger häufig gegen Pollen sensibilisiert sind.

"Unsere Forschungen haben gezeigt, dass Kinder, welche die beste Schutzwirkung vor Asthma und Allergien aufwiesen, seit ihrem ersten Lebensjahr Bauernmilch tranken", so Waser. Etwa die Hälfte der befragten Eltern, deren Kinder regelmässig Bauernmilch tranken, gab an, die Bauernmilch vor dem Verzehr nicht zu kochen. Die Schutzwirkung war indes dieselbe, ungeachtet dessen, ob die Milch gekocht wurde oder nicht. "Die Studienresultate deuten darauf hin, dass alle Kinder, die Milch direkt vom Bauernhof trinken, ein geringeres Risiko haben, ein Asthma oder auch Heuschnupfen zu entwickeln" sagt Marco Waser.

Die Tatsache, dass das Trinken von roher Milch vor allem für Kleinkinder nicht empfehlenswert ist, mag die Eltern dazu bewogen haben zu sagen, sie hätten die Milch abgekocht. "Rohe Milch enthält pathogene Keime wie Salmonellen oder enterohaemorrhagische E. coli-Bakterien und somit kann ihr Konsum ernsthafte gesundheitliche Risiken hervorrufen. Trotz unserer Erkenntnisse dürfen wir den Konsum von roher Kuhmilch als vorbeugende Massnahme gegen Asthma und Allergien nicht empfehlen."

Momentan kann über die Schutzwirkung der Bauernmilch für die Entstehung von Asthma und Allergien nur spekuliert werden. Es könnte sein, dass die Bauermilch unterschiedliche Grade oder Zusammensetzungen an pathogenen und nicht pathogenen Mikroben enthält als die in Lebensmittelgeschäften gekaufte Milch, oder die Schutzwirkung ist in der Fettzusammensetzung zu suchen. Dazu Marco Waser: "Wir müssen ein tieferes Verständnis dafür entwickeln, warum Milch direkt vom Bauernhof Kindern diese Schutzwirkung bietet und Wege suchen, dieses Lebensmittel risikofreier zu machen, unter Beibehaltung dessen Schutzqualitäten."

"Es ist interessant festzustellen, dass es ungeachtet dessen, ob die Bauernmilch vor dem Konsum abgekocht wurde oder nicht, keinerlei Unterschiede bei den Resultaten gab. Da das Abkochen überbewertet werden könnte, würde dies bedeuten, dass nicht die Pasteurisierung wie angenommen den Schutzeffekt macht, sondern dass andere Verfahrenstechniken wie das Homogenisieren eine Schutzwirkung haben könnten."

An der PARSIFAL-Studie (Prevention of allergy risk factors for sensitisation in children related to farming and anthroposophic lifestyle) haben sich mehr als 35 Forscherinnen und Forscher beteiligt. Die Forschungsarbeit wurde getragen von EU-Forschungsgesuchen, vom Schweizerischen Nationalfonds, von der Schweizer Kühne-Stiftung und von der schwedischen Stiftung für Gesundheitswesen und Allergieforschung.

Weitere Auskünfte
Dr. Marco Waser, Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Basel, Tel. 061 270 22 28, mobil: 079 296 46 33, E-Mail: marco.waser@unibas.ch

Hans Syfrig | idw
Weitere Informationen:
http://www.blackwell-synergy.com/doi/full/10.1111/j.1365-2222.2006.02640.x

Weitere Berichte zu: Allergie Asthma Heuschnupfen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Personalisierte Medizin – Ein Schlüsselbegriff mit neuer Zukunftsperspektive
14.07.2017 | Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik e.V.

nachricht Enterprise 2.0 ist weiterhin bedeutendes Thema in Unternehmen
03.07.2017 | Hochschule RheinMain

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten