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Wider das "Stigma Schwerhörigkeit": Studie untersucht Hemmschwellen bei der Hörgeräte-Versorgung

09.05.2007
Nach wie vor nehmen viele Menschen, die von einem Hör-Handicap betroffen sind, lieber deutliche Einbußen an Kommunikationsfähigkeit und Lebensqualität in Kauf, als die eigene Schwerhörigkeit anzunehmen und Hörgeräte zu tragen.

Doch was eigentlich führt zur Stigmatisierung von Schwerhörigkeit; und wie kann man diese Stigmatisierung abbauen? Fragen, denen sich die Oldenburger Psychologin Corinna Pelz in einer wissenschaftlichen Untersuchung stellte, die in diesen Tagen erstmals öffentlich präsentiert wird.

Mehr als 450 Personen befragte die Oldenburger Psychologin insgesamt im Rahmen ihrer Doktorarbeit. Darüber hinaus erarbeitete sie einen Überblick über den derzeitigen Forschungsstand zur Stigmaproblematik und setzte sich eingehend mit den Folgen von Schwerhörigkeit für die Psyche der Betroffenen auseinander. Sowohl die Perspektiven von Hörgeräteträgern und bisher unversorgten Hörgeschädigten, als auch die ihrer An-gehörigen fanden Berücksichtigung.

"Die Untersuchungen zeigten, dass sich das Stigma Schwerhörigkeit eigentlich aus zwei Stigmata zusammensetzt", so Corinna Pelz: "Es handelt sich dabei um das Stigma Alter und das Stigma Behinderung. Viele Betroffene fühlen sich zu jung um Hörgeräte zu benutzen und glauben, dass nur ältere Menschen Hörgeräte benötigen. Mit zunehmendem Alter steigt zwar die Wahrscheinlichkeit für einen Hörverlust, doch die negativen Folgen, beispielsweise ein sozialer Rückzug, lassen sich durch den Einsatz von Hörgeräten meist verhindern. Insofern ist ein Hörgerät viel mehr ein Zeichen, dass man am Leben teilnehmen möchte, und gerade dadurch jung und aktiv bleibt."

Zum anderen steht Schwerhörigkeit aber auch für das Stigma einer Behinderung und wird mit körperlicher und auch geistiger Schwäche assoziiert. - "Es ist paradox. Die Betroffenen befürchten, dass ihr Hörverlust für andere erst durch die Verwendung des Hörgerätes sichtbar wird und nur dann als Behinderung interpretiert wird. Dabei ist die Beeinträchtigung durch den unbehandelten Hörverlust viel größer und wird von den Mitmen-schen als viel störender erlebt als der Gebrauch von modernen, auch optisch anspre-chenden Hörsystemen", so Corinna Pelz.

Ziel der Studien war es, Erkenntnisse für die Gestaltung von Öffentlichkeitsarbeit zu gewinnen. Es wurde deutlich, dass zukünftig beide Seiten des Doppelstigmas Schwerhörigkeit Berücksichtigung finden müssen.

In ihrer Arbeit analysierte Corinna Pelz auch bisherige Kommunikationskampagnen zur Aufklärung in Sachen Schwerhörigkeit und Hörgeräte-Versorgung. Exemplarisch entwi-ckelte sie eine Kampagne, mit der die Akzeptanz von Hörgeräten gesteigert werden könnte.

Die Ergebnisse der Untersuchungen von Corinna Pelz sind im Buch "Das Stigma Schwerhörigkeit - Empirische Studien und Ansätze zur Erhöhung der Akzeptanz von Hörgeräten" dokumentiert, das demnächst im Median-Verlag erscheint.

Martin Schaarschmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.hoertech.de

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