Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sicherheit geht den Deutschen vor Freiheit bei Terrorverdacht

23.03.2007
Deutschland ist gespalten, was die Balance zwischen Sicherheitbedürfnissen und Freiheitsrechten angeht. Laut ISSP / ALLBUS 2006 würde über die Hälfte der deutschen Bevölkerung auf einige bürgerliche Grundrechte zugunsten der Sicherheit vor Terroranschlägen verzichten.

Nach den jüngsten islamistischen Terrordrohungen im Internet stellt sich aktuell wieder die Frage, wie Maßnahmen und Sicherheitsvorkehrungen gegen terroristische Anschläge im Zusammenspiel zwischen bürgerlichen Grund- und Freiheitsrechten und gestiegenen Sicherheitsbedürfnissen aussehen dürfen.

Wie die jüngsten Ergebnisse des internationalen Teils der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage (ISSP 2006 im ALLBUS 2006) zeigen, tendiert die deutsche Bevölkerung eher zur Zurücknahme einiger Rechte zugunsten einer stärkeren staatlichen Kontrolle. Gefragt wurde nach der Zustimmung der Ausweitung staatlicher Rechte bei Terrorverdacht. Zur Debatte standen die beliebig lange Inhaftierung von Menschen ohne richterliche Anordnung, das Abhören von Telefongesprächen und das Anhalten und Durchsuchen von Menschen auf der Straße. Nur 24 Prozent sind nicht bereit, auf eines dieser bürgerlichen Rechte zu verzichten, mehr als die Hälfte (56 Prozent) können sich das immerhin bei zwei der drei hier abgefragten Rechten vorstellen. Die Ostdeutschen sind etwas stärker auf ihre Rechte bedacht als die Westdeutschen, ein knappes Drittel möchte keines ihrer Rechte im Fall eines Terrorverdachtes missen.

Am ehesten könnten die Deutschen auf ihre Privatsphäre am Telefon verzichten (68 Prozent), wobei hier die Westdeutschen mit 70 Prozent großzügiger sind als die Ostdeutschen, die einen solchen staatlichen Eingriff 'nur' zu 61 Prozent billigen würden. Die Möglichkeit, jemanden auf der Straße anzuhalten und zu durchsuchen, ist immerhin für jeden zweiten Deutschen akzeptabel (51 Prozent). Die beliebig lange Haft ohne richterliche Anordnung findet bei 43 Prozent der Befragten Zustimmung, 50 Prozent würde dieses rechtsstaatliche Prinzip nicht ihren Sicherheitsbedürfnissen opfern, während 7 Prozent unentschlossen ist. Obwohl die Ostdeutschen ihre bürgerlichen Rechte zögerlicher preisgeben als die Westdeutschen, sind sie jedoch, was die Zustimmung zum Freiheitsentzug angeht, nicht so restriktiv wie die Westdeutschen: sie würden diese Form von Staatsgewalt mit 49 Prozent (Westdeutschland 42 Prozent) akzeptieren, wenn es um einen voraussichtlichen Terroranschlag geht.

Außer regionaler gibt es auch gruppenspezifische Unterschiede, was Sicherheitsbedürfnis versus Bürgerrechte angeht. Generell sind Frauen, Befragte mit geringerer Bildung und parteipolitisch konservative Personen (Sonntagsfrage) vergleichsweise mehr auf Sicherheit aus (oder anders ausgedrückt: Je geringer die Bildung oder je konservativer die Parteiorientierung, umso stärker die Zustimmung zu allen drei Items.)

Kontakt:
Dr. Evi Scholz (scholz@zuma-mannheim.de)
Kerstin Hollerbach (hollerbach@zuma-mannheim.de)

Kerstin Hollerbach | idw
Weitere Informationen:
http://download.za.uni-koeln.de/index.php3
http://www.issp.org/index.shtml

Weitere Berichte zu: Freiheitsrecht ISSP Sicherheitsbedürfnis Terrorverdacht

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

nachricht »Zweites Leben« für Smartphones und Tablets
16.03.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Im Focus: Metalle verbinden ohne Schweißen

Kieler Prototyp für neue Verbindungstechnik wird auf Hannover Messe präsentiert

Schweißen ist noch immer die Standardtechnik, um Metalle miteinander zu verbinden. Doch das aufwändige Verfahren unter hohen Temperaturen ist nicht überall...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nano-Ampel zeigt Risiko an

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Resteverwerter im Meeresboden

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Biophysik - Blitzlicht aus der Nanowelt

24.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics