Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Womens Running Studie - Ergebnisse zu Frauenlaufschuhen

23.03.2007
Der Arbeitsbereich Biomechanik der Abteilung Sportmedizin des Universitätsklinikums Tübingen stellte heute die Ergebnisse der "Women's Running" Studie vor, die in den Jahren 2004 bis 2006 durchgeführt wurde.

Thema und Ziel dieser Studie war die Entwicklung spezifischer Laufschuhe für Frauen, die den Bedürfnissen von Frauen vor allem hinsichtlich Passform und Biomechanik entsprechen. Die aus der Studie gewonnenen Erkenntnisse wurden nun von der Firma Nike in den neuen Frauen-Laufschuhen (Frühjahr 2007) erstmals umgesetzt.

Der Laufsport hat in den vergangenen Jahren zunehmend an Popularität gewonnen. Neben dem Leistungssport gewannen vor allem die Volksläufe international und national an Bedeutung. Waren es Mitte der 70er Jahre vor allem Männer, die sich von diesem Trend haben mitreißen lassen, so überträgt sich die Laufsportbegeisterung in den letzten Jahren auch zunehmend auf Frauen.

Das Laufmagazin Runners World veröffentlichte Zahlen, wonach beim New York City Marathon im Jahre 1978 769 Frauen das Ziel erreichten. Im Jahre 1998 lag diese Zahl bereits bei 8952 weiblichen "Finishern". Auch die Laufschuhindustrie hat diesen Trend erkannt und bietet zahlreiche Laufschuhe für Frauen an.

Welchen Kriterien muss ein spezifischer Frauenlaufschuh gerecht werden?

Der Fokus der mehrjährigen Studie in der Biomechanikabteilung der Sportmedizin des Tübinger Universitätsklinikums (Dr. Stefan Grau, Leiter der Biomechanikabteilung und Projektleiterin Dr. Inga Krauß) lag auf unterschiedlichen Bereichen der klinischen und biomechanischen Forschung: Neben einer orthopädischen Diagnostik, der Beurteilung der Achs- und Beweglichkeitsverhältnisse der unteren Extremität und der Erfassung verschiedener Trainingsparameter wurde die Laufbewegung beim Joggen mit einem Mehrkamerasystem im dreidimensionalen Raum analysiert. Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung lag auf der Beurteilung der Fußform. Hierfür wurden die Füße von mehr als 900 Frauen und Männern mit einem dreidimensionalen Scanner vermessen.

Fasst man die Ergebnisse zusammen, so haben Läuferinnen im Vergleich zu Läufern klinisch ein vermehrtes Maß an ligamentärer Laxität, muskulärer Flexibilität und ein größeres Bewegungsausmaß in den Gelenken. In der Laufbewegung beugen Frauen Hüfte, Knie und Sprunggelenke mehr als Männer. Erst beim Abdruck vom Boden gleichen sich die Winkelverläufe der zwei Gruppen wieder an.

Auch in anderen Bewegungsebenen gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede. Läuferinnen weisen eine zum Teil signifikant größere Adduktion im Hüftgelenk auf. In der Dynamik heißt dies, dass das Becken des Spielbeines stärker absinkt. Im unteren Sprunggelenk zeigen die Läuferinnen tendenziell eine größere Eversion, statistisch konnte diese aufgrund der großen Streuweite der Daten nicht gesichert werden.

Bei der Auswertung der Fußmaße wurden zunächst gleich große Männer- und Frauenfüße in den Größen EU 38 bis 40 verglichen. Während es bei den Längendimensionen keine über mehrere Größen bestätigten Geschlechtsdifferenzen gibt, zeigen sich bei allen Breiten- und Höhendimensionen deutliche, zumeist signifikante Diskrepanzen.

Frauen haben bei gleicher Fußlänge in den beobachteten Größen schmalere und flachere Füße als Männer. Frauen haben zudem im Mittel einen größeren Großzehenwinkel als Männer.

In einem weiteren Schritt wurden die Füße in unterschiedliche Typen klassifiziert. Um einen Vergleich der Fußmaße über alle Größen zu ermöglichen, wurden diese zur Fußlänge normalisiert. Bei diesen relativen Maßen unterscheiden sich die Männerfüße von den Frauenfüßen nur geringfügig. Die mittleren Differenzen der Ballenlänge, Kleinzehenballenlänge und Spannlänge liegen zwischen 0.3 % und 0.6 % Fußlänge. Bei einer Fußlänge von 28 cm würde dies einer Differenz von 0.5 bis 1.7 mm entsprechen.

Die Erklärung für diese zunächst widersprüchlichen Befunde liefert ein weiterer Auswerteschritt. Hierfür wurden die Füße in unterschiedliche Fußtypen klassifiziert. In beiden Geschlechtern sind die breiten und hohen Füße insbesondere in den kleineren Größen zu finden. Lange Füße hingegen sind häufiger schmal und flach. Die zuvor dargestellten Geschlechtsdifferenzen in den Größen 38 bis 40 beinhalten die großen, eher "normalen" oder schmalen Frauenfüße und die kleinen, zum größten Teil voluminösen Männerfüße.

Aus den genannten Ergebnissen lassen sich für eine frauenspezifische Laufschuhkonzeption folgende Konsequenzen ableiten, die zum Teil bereits in die aktuellen Laufschuhe der Fa. Nike eingeflossen sind:

o Durch das im Mittel geringere Gewicht und die geringere Laufgeschwindigkeit der Läuferinnen sollte ein Frauenlaufschuh flexibel und leicht sein. Hierzu werden zusätzliche Kerben in der Außensohle des Vor- und Rückfußes ergänzt.

o Gleichzeitig muss der Schuh jedoch hinreichend Stabilität bieten, da der Bewegungsablauf der Frauen im Geschlechtsvergleich größere Bewegungsexkursionen und größere Bewegungsamplituden vorweist. Durch eine verbesserte Zuggurtung des Schnürsystems im Mittelfußbereich kann sowohl die Stabilität, als auch die Passform verbessert und individuell reguliert werden. Weitere Elemente im Fersenbereich sollen die Pronationsbewegung kontrollieren.

o Da Männer- und Frauenfüße innerhalb einer Schuhgröße Unterschiede in den Weiten- und Höhenmaßen aufweisen, ist die Verwendung desselben Leistens für beide Geschlechter zu hinterfragen. Ein spezieller Frauenlaufschuhleisten bietet insbesondere im Bereich der Ferse hinreichend Halt. Spezielle Materialien im Bereich des Großzehen- und Kleinzehenballens lassen einen flexiblen Raum für den Vorfuß und das Großzehengrundgelenk.

o Der Leisten für die Herstellung des Schuhs ist wesentlich für die Passform verantwortlich. Er sollte den geschlechtsspezifischen Anforderungen und den Anforderungen unterschiedlicher Fußtypen gerecht werden.

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie sowie Folgeprojekte, die sich insbesondere mit der Passform der Schuhe beschäftigen werden, sollen hier weitere Impulse für die Umsetzung in das Produkt liefern.

Ansprechpartner für nähere Informationen

Universitätsklinikum Tübingen
Medizinische Klinik, Abteilung Sportmedizin
Dr. Stefan Grau und Dr. Inga Krauß
Silcherstr. 5, 72076 Tübingen
Tel. 0 70 71 / 29-8 06 99, Fax 0 70 71/ 29-46 26
Stefan.Grau@med.uni-tuebingen.de

Dr. Ellen Katz | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-tuebingen.de/

Weitere Berichte zu: Frauenlaufschuh Fußlänge Passform

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für Netzleittechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact beteiligt sich an Berliner Start-up Unternehmen für Energiemanagement

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für industrielle Kommunikationstechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung