Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Versicherer bleiben hinter den Erwartungen: Vertriebsergebnisse drücken auf die Stimmung

14.02.2007
Das Geschäftsklima der Versicherungsbranche in Deutschland und der Schweiz ist erstmals seit zwei Jahren von einer negativen Gesamtstimmung geprägt.

In der zweiten Jahreshälfte 2006 sank der Anteil der optimistischen Einschätzungen um 36 Prozent. Insbesondere deutsche Versicherer beklagen eine eingetrübte Stimmungslage. Dies ist das Ergebnis der Studie „Insurance Trend“ von Steria Mummert Consulting, die in Kooperation mit der Fachzeitschrift „Versicherungsmagazin“ durchgeführt wurde.

Seit Beginn des zweiten Halbjahres 2006 hat sich die Stimmung in der Versicherungsbranche verschlechtert. Damit wiederholt sich ein Trend, der bereits 2005 zu beobachten war: In der Zeit von Mai bis September 2005 hatte die Anzahl der positiv gestimmten Führungskräfte um 29 Prozent abgenommen. In der Folge hellte sich die Stimmung wieder auf, bevor ein erneuter Stimmungsabschwung einsetzte: So berichteten im Mai 2006 noch mehr als 64 Prozent der Befragten von einer verbesserten Grundstimmung, im November taten dies nur noch knapp 41 Prozent.

Als wesentlichen Grund für die Stimmungsschwäche in der zweiten Jahreshälfte vermuten Experten enttäuschende Vertriebsergebnisse. „Häufig startet der Vertrieb mit hohen Erwartungen in das neue Jahr und reagiert entsprechend enttäuscht, wenn sich die Zahl der Vertragsabschlüsse nicht so entwickelt wie erhofft“, sagt Jürgen Wulf, Versicherungsexperte bei Steria Mummert Consulting. Diese Einschätzung wird von der Tatsache gestützt, dass 64 Prozent der im Rahmen der Studie befragten Topentscheider direkt oder indirekt dem Vertriebsbereich zugeordnet sind.

Auffällig ist, dass die Stimmung der ausländischen Versicherer in den letzten zwei Jahren deutlich besser als bei den deutschen Wettbewerbern war. Der Dreiländervergleich von Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigt, dass vor allem die Schweizer Topentscheider von einer deutlich besseren Grundstimmung in der Branche berichten. Allerdings hat sich auch diese gegenüber Mai 2006 abgeschwächt. Auf einer Skala von -3 (verschlechtert) bis +3 (verbessert) erreicht die Schweiz im November 2006 einen Mittelwert von 0,93. Deutschland weist hingegen einen negativen Wert von -0,49 auf. Dadurch ist erstmals seit Beginn der Erhebungen im Juli 2004 die Gesamtstimmung leicht negativ (-0,01). Sechs Monate vorher lag dieser Wert noch bei +0,69.

Allerdings sind nicht alle Sparten in gleicher Weise betroffen. So stellen sich die Marktaussichten für das erste Halbjahr 2007 im Lebensversicherungs- sowie Nicht-Lebensversicherungsgeschäft weiterhin positiv dar, wenn auch mit stark sinkender Tendenz. Die Marktaussichten im Krankenversicherungsbereich werden dagegen erstmals negativ eingestuft: Im November 2006 lag das Stimmungsbarometer bei einem Wert von -0,13. Eineinhalb Jahre zuvor lag die Bewertung noch bei +0,35, verlor aber in der Folge stetig an Wert. Vor allem die Gesundheitsreform dürfte maßgeblich zu den unsicheren Marktaussichten beigetragen haben.

Für einen zusätzlichen Negativeffekt sorgt die weitere Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze, die zu rückläufigen Neukundenzahlen bei den privaten Krankenversicherern führen wird. Für einen Wechsel in die private Krankenversicherung muss das Einkommen künftig drei Jahre hintereinander über 47.700 Euro liegen. Damit hat sich die Beitragsbemessungsgrenze gegenüber 2006 um 450 Euro erhöht. Zudem sieht die Gesundheitsreform vor, dass alle bislang nicht versicherten Bürger einen Anspruch auf Krankenversicherungsschutz erhalten. Dadurch könnte das Kostenrisiko der Versicherer ansteigen. So können sich Personen ohne Versicherung, die früher in der privaten Krankenversicherung (PKV) waren oder dieser zuzuordnen sind, in einem neuen Basistarif der PKV versichern. Risikozuschläge sind nicht erlaubt und es darf niemand abgelehnt werden, der sich im Basistarif versichern will. Dazu gehören Selbstständige, die sich nach einer Pleite nicht weiter privat versichern und nicht mehr in die gesetzliche Krankenversicherung zurückkonnten.

Ein Trend, der alle Versicherer gleichermaßen erfasst, sind steigende Aufwendungen für die Kundenbindung in den nächsten zwölf Monaten. Wie schon in den Jahren zuvor rechnen die Umfrageteilnehmer hier mit höheren Ausgaben, um der Wechselbereitschaft der Kunden entgegenzuwirken. Zudem erwartet die Branche größere Budgets für Marketing und Kommunikation. Auch eine Ausweitung des Produktangebotes sowie Investitionen in Informationstechnologien werden im Laufe des Jahres 2007 mehrheitlich angestrebt. Dagegen hat sich die Tendenz zum Ausbau des eigenen Vertriebs abgeschwächt. Gegenüber Mai 2006 sank der Mittelwert um 33 Prozent und liegt damit bei 0,48. Die Konsolidierung bleibt ebenfalls ein Thema. Fast 39 Prozent der Befragten rechnen mit einer sinkenden Zahl von Mitarbeitern innerhalb der nächsten zwölf Monate. Damit sinkt der Mittelwert von -0,21 im Mai 2006 auf aktuell -0,27.

Dass die Versicherungsbranche mitten in der Konsolidierungsphase steckt, lässt sich auch daran erkennen, dass Maßnahmen zur Senkung der operativen Kosten stark an Bedeutung gewonnen haben. Mit einer Zustimmung von 70 Prozent bleibt allerdings die Kundenbindung die wichtigste Herausforderung für die Entscheider. Maßnahmen zur Senkung von Schadenquoten sowie der Ausbau strategischer Partnerschaften haben hingegen für die Führungskräfte stark an Priorität verloren. In beiden Fällen betrug der Rückgang mehr als 30 Prozent.

Die aktuelle Studie „Insurance Trend“ von Steria Mummert Consulting wurde im November 2006 in Kooperation mit der Fachzeitschrift „Versicherungsmagazin“ erstellt. 126 Fach- und Führungskräfte aus der Versicherungsbranche in Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden befragt. Die Befragung „Insurance Trend“ wird regelmäßig durchgeführt, um Branchentrends kontinuierlich erfassen zu können. Die Ergebnisse bilden das aktuelle Geschäftsklima der Versicherer ab.

Joerg Forthmann | Steria Mummert Consulting
Weitere Informationen:
http://www.steria-mummert-consulting.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Ab ins Ungewisse: Über das Risikoverhalten von Jugendlichen
19.01.2017 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Latest News

Arctic melt ponds form when meltwater clogs ice pores

24.01.2017 | Earth Sciences

Synthetic nanoparticles achieve the complexity of protein molecules

24.01.2017 | Life Sciences

PPPL physicist uncovers clues to mechanism behind magnetic reconnection

24.01.2017 | Physics and Astronomy