Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie gut funktioniert die Umsetzung der Energieeinsparverordnung (EnEV) in Baden-Württemberg?

11.01.2007
Um die erheblichen CO2-Minderungspotenziale bei Wohngebäuden umzusetzen, wurde Anfang 2002 die Energieeinsparverordnung (EnEV) in Deutschland eingeführt.

Mit der Einführung der EnEV 2002 sind die Anforderungen an Architekten und Anlagenplaner gestiegen. Durch die vorgeschriebene integrierte Betrachtungsweise müssen nun alle am Bauprozess beteiligten besser zusammenarbeiten. Gleichzeitig hat sich der Staat als Kontrollinstanz im Rahmen der Deregulierung zurückgezogen.

Damit muss die Umsetzung der EnEV bei Neubau und Altbausanierung vor allem auf privater Basis geregelt werden. Es bestand der Bedarf, diese Regelung kritisch zu begleiten und ihren Erfolg hinsichtlich der Erreichung der Klimaschutzziele zu evaluieren. Vor diesem Hintergrund untersuchte das ifeu-Institut gemeinsam mit ECONSULT Rottenburg die Umsetzung der EnEV in Baden-Württemberg, unterstützt von der Zukunftsoffensive III des Landes.

In der Studie wurden sowohl die Angebotsseite (Ministerien, Bauämter, Architekten, Ingeniere, Handwerker, Hersteller) als auch die Nachfrageseite über die Erfahrungen mit der EnEV im Wohnungsneubau und -bestand befragt. Zunächst erfolgte eine Bestandsaufnahme der unterschiedlichen Vollzugsregelungen in den einzelnen Bundesländern. Die Deregulierungsbemühungen im Rahmen der EnEV haben dazu geführt, dass auf behördliche Prüfungen der Nachweise und Energiebedarfsausweise sowie auf behördliche Kontrollen der Bauausführung weitgehend verzichtet wird. Die Befragungen der Akteure am Bau ergab, dass die Verlagerung der Verantwortung auf die privatrechtliche Seite nicht als ausreichend für die Einhaltung der EnEV angesehen wird. So wurde häufig angemerkt, dass das jetzige System auf Grund der fehlenden Kontrolle Fehlentwicklungen begünstigt, da Marktakteure, die die Regelungen nicht einhalten, kaum mit Konsequenzen rechnen müssen.

Die Befragungen in Baden-Württemberg haben aber auch gezeigt, dass es mit Einführung der EnEV zu einer starken Anhebung der Dämmstärken im Gebäudebestand kam. Allerdings werden auch heute noch viele Fassadensanierungen ohne Wärmedämmung ausgeführt. Damit wird das Minderungspotenzial auf Basis der EnEV-Bauteilanforderung im Wohngebäudebestand in Baden-Württemberg nur zu etwa 43 Prozent ausgeschöpft.

Um die gesamten wirtschaftlichen Potenziale umzusetzen, müssen vom Land Baden-Württemberg und vom Bund zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden. Dazu gehören:

· Die Sofortige Anpassung der Auslegungsbedingungen der EnEV an die aktuelle Energiepreisentwicklung.

· Die Kurzfristige Anhebung der Dämmstandards der EnEV.

· Die mittelfristige Einführung nachhaltiger Dämmstandards (z.B. KfW-40 oder KfW-60 mit etwa 10 kg CO2 pro m² Gebäudenutzfläche und Jahr) im Neubau.

·Die Einführung von stichprobenartigen Kontrollen der Energieausweise und der Bauausführung seitens der Behörden zur Sicherung des Vollzugs.

Die ordnungsrechtlichen Maßnahmen sollten durch folgende weitere Instrumente in Baden-Württemberg ergänzt werden.

· Die Förderung eines integrales Coachings bei der Energieberatung.

· Die Förderung eines Premium-Produktes Energiepass/Energieberatung.

· Die Einführung eines verbändeübergreifenden Qualitätssiegels für die Energieberatung.

· Die Entwicklung eines nachhaltigen Sanierungsstandards für Baden-Württemberg.

· Der Ausbau standardisierter Qualifizierungsangebote für die Anbieter- und die Nachfrageseite.

Kontakt:
Hans Hertle
ifeu - Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg
Wilckensstraße 3, 69120 Heidelberg
Tel.: 06221/4767-17
hans.hertle@ifeu.de

Elke Dünnhoff | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifeu.de
http://www.ifeu.org/index.php?bereich=ene&seite=bwenev

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften