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Titanstift lindert Rückenschmerzen nachhaltig

10.01.2007
Ein kleiner Stift aus Titan hilft langfristig und sicher bei der schmerzhaften Verengung des Wirbelkanals. Dies ist das Ergebnis einer klinischen Multicenter-Studie bei 292 Patienten, die unter der so genannten Wirbelkanalstenose litten.

Untersucht wurde der Behandlungserfolg einer minimal-invasiven Operationsmethode, bei der ein Titanstift zwischen zwei Wirbeln eingesetzt wird, um das Rückenmark zu entlasten. Das Verfahren ist besonders risikoarm, da dabei der Rückenmarkskanal nicht geöffnet wird, so dass keine Gefahr einer Verletzung von Rückenmark oder Nerven besteht.

Bei der Wirbelkanalstenose kommt es durch den Verschleiß und Veränderungen der Wirbelsäule zu einer Einengung des Rückenmarks und seiner Nerven. Für die etwa zwei Millionen Betroffenen sind chronische Rücken- und Beinschmerzen beim Gehen und Stehen die Folgen. "Erleichterung finden diese Patienten nur, wenn sie sich nach vorn beugen, weil sie dadurch den Druck von Rückenmark und Nerven nehmen", sagte Dr. Gregor Godde, Neurorchirurg am Zentrum für Molekulare Orthopädie Düsseldorf am Dienstag in Düsseldorf. So könnten Betroffene oft mühelos Fahrrad fahren und sitzen, aber nicht schmerzfrei gehen oder stehen. Eine Behandlungsmethode, die es diesen Menschen ermöglicht, wieder längere Strecken zu gehen ist ein Titanstift mit dem Handelsnamen "X-Stop". Das Implantat wird während einer kurzen Operation als Abstandhalter zwischen zwei Wirbel eingesetzt, um den eingeklemmten Nerven den nötigen Raum zu verschaffen.

Prospektive klinische Studie bei 292 Patienten

Die erste deutsche klinische Studie zu diesem minimal-invasiven Verfahren umfasst 292 Patienten, die unter Wirbelkanalverengung an der Lendenwirbelsäule litten. Sie wurden sechs, zwölf und 24 Monate nach der Operation in sechs Kliniken, darunter Düsseldorf, Berlin und München, untersucht und befragt. Die prospektive Studie erfasste anhand eines speziell für diese Erkrankung entwickelten Fragebogens die Schwere der Symptome, die Mobilität und die Zufriedenheit der Patienten. Als Behandlungserfolg galt, wenn die Schwere der Symptome und die Mobilität sich um mindestens 50 Prozent gebessert hatten sowie die Patienten zufrieden mit dem Behandlungsergebnis waren. Die Studienteilnehmer waren durchschnittlich 67 Jahre alt. Männer waren mit 59 Prozent häufiger als Frauen betroffen.

Das Ergebnis: Sechs Monate nach der Behandlung mit X-Stop zeigte sich bei 83 Prozent der Patienten ein Behandlungserfolg, nach zwölf Monaten bei 72 Prozent und nach zwei Jahren bei 65 Prozent. Die Zufriedenheit der Patienten war mit 70 Prozent auch nach zwei Jahren noch vergleichsweise hoch. Komplikationen, die zu einer erneuten Operation führten, traten nur bei einem Prozent der Patienten auf. "Der Titanstift ist eine wirksame und sichere Alternative zu der sonst üblichen Erweiterungsoperation an der Wirbelsäule. Allerdings sollten nur Patienten operiert werden, die in Beugehaltung nach vorn schmerzfrei sind", erklärte Godde. Die Operation ermöglicht eine nahezu normale Beweglichkeit der Wirbelsäule. Lediglich die Streckung nach hinten ist eingeschränkt. "Viele Patienten sind dankbar, dass sie wieder einen Spaziergang machen oder einkaufen gehen können", so Godde.

Die wieder gewonnene Beweglichkeit bedeutet nicht nur mehr Lebensqualität sondern verbessert auch den Gesundheitszustand der Betroffenen erheblich. Da die Operation wenig belastend ist, ist sie besonders auch für ältere Patienten geeignet, betonte Godde. "Es ist nicht richtig, dass ältere Menschen mit dauernden Rücken- und Beinschmerzen leben müssen", erklärte Godde. Das Verfahren ist besonders risikoarm, da der Rückenmarkskanal nicht geöffnet wird und somit keine Verletzungs- und Lähmungsgefahr für Rückenmark und Nerven bestehe.

Patienten sind nach sechs Wochen wieder fit

Das Implantat mit dem Handelsnamen "X-Stop" ist ein Stift aus Titan mit einem Kunststoffüberzug, der zwischen den Dornfortsätzen der Wirbel mit zwei Flügeln befestigt wird. Als Abstandhalter zwischen den Wirbelkörpern befreit das Implantat das Rückenmark und die Nervenfasern vom Druck und vergrößert den Raum für die empfindlichen Nerven. Die Belastung für den Patienten durch den kurzstationären Eingriff ist sehr gering. Die Patienten können noch am OP-Tag aufstehen und sind nach etwa sechs Wochen wieder voll belastbar. Eine Rehabilitation ist nicht erforderlich, was das Verfahren auch unter Kostengesichtspunkten attraktiv macht. Das Behandlungsverfahren ist in Deutschland zugelassen und wird von den gesetzlichen Krankenkassen und privaten Krankenkassen und Zusatzversicherungen übernommen.

Antje Kassel | idw
Weitere Informationen:
http://www.neue-orthopaedie.de

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