Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bildung ist nicht allen Bundesländern gleich viel wert

20.12.2006
Während die Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen überdurchschnittlich viel Geld in ihre Bildungseinrichtungen investieren, hinkt Nordrhein-Westfalen hinterher. Dies geht aus einem Bericht des RWI Essen hervor, der verschiedenste Aspekte der Bildungs- und Ausbildungssysteme deutscher Bundesländer vergleicht. Dabei zeigt sich beispielsweise, dass der Bevölkerungsanteil der Hochschulabsolventen selbst in den führenden deutschen Bundesländern unter dem OECD-Durchschnitt liegt.

Die deutschen Bundesländer investieren unterschiedlich viel Geld in ihr Bildungssystem, die Absolventenstrukturen der Schulen unterscheiden sich ebenso wie die Anteile der Studienberechtigten, die tatsächlich auch ein Studium aufnehmen. Dies geht aus einem Bericht des RWI Essen hervor, der die aktuellsten verfügbaren Daten zum deutschen Bildungssystem aus unterschiedlichsten Quellen erstmals für die Öffentlichkeit im Bundesländervergleich auswertet. Bildung und Ausbildung sind die Voraussetzung für künftige Innovationen und damit für künftiges Wirtschaftswachstum.

Betrachtet man beispielsweise, wie viel Geld die Bundesländer im Jahr 2003 pro Schüler/Studierenden für Bildungseinrichtungen ausgegeben haben, stehen die Stadtstaaten Hamburg (8.400 Euro), Berlin (8.100 Euro) und Bremen (8.000 Euro) an der Spitze und liegen weit über dem Bundesdurchschnitt von 7.000 Euro. Ebenfalls noch über dem Bundesdurchschnitt liegen die westdeutschen Flächenländer Bayern (7.400 Euro) und Baden-Württemberg (7.100 Euro). Schlusslichter sind Hessen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Brandenburg (jeweils 6.600 Euro) sowie Nordrhein-Westfalen (6.500 Euro).

Noch größer sind die Unterschiede bei den Ausgaben für den Hochschulbereich. Hier liegen Mecklenburg-Vorpommern (9.500 Euro pro Studierenden), Baden-Württemberg und Niedersachsen (jeweils 8.700 Euro) sowie Sachsen-Anhalt (8.200 Euro) vorne und weit über dem Bundesdurchschnitt (7.100 Euro), Schlusslichter sind Rheinland-Pfalz (6.300 Euro), Nordrhein-Westfalen (5.800 Euro) und Hessen (5.600 Euro). Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die relativ hohen Ausgaben in den neuen Bundesländern stark durch die vergleichsweise niedrigen Studentenzahlen bestimmt werden. Setzt man die Ausgaben je Studierenden ins Verhältnis zu den Ausgaben je Absolventen, schneiden insbesondere Niedersachsen, Baden-Württemberg und Bayern gut ab, was für ein effizientes Hochschulsystem spricht. Ein deutlich schlechteres Verhältnis ergibt sich in Nordrhein-Westfalen, seit dem Untersuchungszeitraum 2002/2003 haben sich dort jedoch viele Langzeitstudenten wegen der zwischenzeitlich eingeführten Studiengebühren exmatrikuliert, so dass die Relation dort aktuell besser aussehen dürfte.

Nur ein Drittel der Schulabgänger mit Fachhochschulreife studiert auch

Betrachtet man die allgemeinbildenden Schulen, variiert im Bundesländervergleich bereits dort die Absolventenstruktur. So verließen beispielsweise im Schuljahr 2002/03 in Nordrhein-Westfalen nur 6,9% der Schüler die Schule ohne Hauptschulabschluss, gefolgt von Baden-Württemberg (7,3%) und Brandenburg (8,4%). In Hamburg waren es hingegen 11,5% der Schüler, in Sachsen-Anhalt sogar 14,3%, und damit deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt von 8,9%. In Brandenburg verließ 2002/03 gleichzeitig mit 28% bundesweit der höchste Anteil von Schülern mit allgemeiner Hochschulreife die Schule, gefolgt von Hessen (26,6%) und Thüringen (26,5%). Am Ende und damit unter dem Bundesdurchschnitt von 23,6% lagen Niedersachsen (20%) und Bayern (19,1%).

Von den Schülern, die die Schule mit Hochschulzugangsberechtigung (Abitur oder Fachhochschulreife) verlassen, nehmen längst nicht alle auch ein Studium auf. So studierten von den studienberechtigten Schulabgängern des Jahres 2000 im Verlauf der nächsten Jahre 85,8% der Berliner und 85,1% der Bremer. Auch Bayern (82,2%) und Baden-Württemberg (78,4%) schnitten gut ab und lagen über dem Bundesdurchschnitt von 73,1%. Nordrhein-Westfalen (66,2%) wies als einziges westdeutsches Flächenland eine Quote im Bereich der der neuen Länder auf, die Schlusslichter waren Hamburg (64,4%) und Brandenburg (58,7%). Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den Inhabern von allgemeiner und Fachhochschulreife - während im Bundesdurchschnitt 83,3% der Abiturienten des Jahrgangs 2000 ein Studium aufgenommen haben, waren es nur 34,1% der Studienberechtigten mit Fachhochschulreife. Zudem hat die Studienbereitschaft in den alten Bundesländern flächendeckend nachgelassen. Während dort 1980 noch 91,6% aller Abiturienten studierten, waren es 2000 nur noch 82,2%.

Anteil der Heranwachsenden mit Hochschulabschluss sinkt

Abgenommen hat in Deutschland auch der Anteil der Heranwachsenden mit Hochschulabschlüssen an der gleichaltrigen Bevölkerung. 2004 verfügten 27% der 35- bis 44-Jährigen, aber nur 23% der 25- bis 34-Jährigen über einen so genannten tertiären Bildungsabschluss. In den meisten anderen OECD-Ländern liegt der Anteil tertiärer Bildungsabschlüsse jüngerer Jahrgänge hingegeben über dem älterer Jahrgänge. Im Bundesländervergleich finden sich besonders hohe Anteile von Abschlüssen im Tertiärbereich in den Stadtstaaten Berlin (30%), Hamburg (27,7%) und Bremen (26,4%), von den westdeutschen Flächenländern nehmen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz (jeweils 22,1%) die Spitzenposition ein. Schlusslichter sind Mecklenburg-Vorpommern (14,2%) und Brandenburg (13,8%). Die Stadtstaaten profitieren dabei von der Zuwanderung von Studienanfängern und Studierenden aus anderen Bundesländern. Doch nicht einmal sie erreichen den OECD-Durchschnitt von 34,8%, der Bundesdurchschnitt liegt bei vergleichsweise mageren 20,6%.

Die Fachstudiendauer lag 2003 im Durchschnitt aller Diplomstudiengänge (ohne Lehrämter) an Universitäten bei 11,2 Semestern, an Fachhochschulen bei 8,6 Semestern. Bereits besonders weit vorangekommen mit der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge waren zum Sommersemester 2006 Berlin mit einem Anteil von 69,1% an allen Studienangeboten, Bremen (58,4%) und Brandenburg (52,1%). In Bayern und Sachsen beträgt der Anteil jeweils erst 20,6%. Durchschnittswerte sagen jedoch wenig über die Situation an einzelnen Hochschulen aus.

Im Ausbildungsbereich ist das duale System weiterhin weit verbreitet

In der beruflichen Erstausbildung dominiert in Deutschland weiter das duale System der betrieblichen und schulischen Ausbildung. In allen Bundesländern absolvieren mehr als zwei Drittel der Jugendlichen, die berufsqualifizierende Ausbildungsgänge besuchen, eine solche Lehre. Während ihr Anteil jedoch in Bayern 90,3% beträgt, ist er in Nordrhein-Westfalen mit 73,2% bedeutend niedriger und beträgt in Baden-Württemberg nur 67,5%. Allerdings nimmt das duale System seit Jahren nicht mehr alle Jugendlichen auf, die es im Sinne der deutschen Berufsbildungskonstruktion eigentlich aufnehmen müsste. Beunruhigend ist auch, dass immer mehr Lehrverträge vorzeitig gelöst werden, allein im Jahr 2004 waren es im Bundesgebiet fast 127.000.

Ihre Ansprechpartner dazu:
Sabine Weiler (Pressestelle) Tel.: (0201) 81 49-213

Joachim Schmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwi-essen.de/presse
http://www.rwi-essen.de/mat

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise