Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Automobilindustrie im Umbruch

25.09.2006
Hersteller weiten Kapazitäten in Schwellenländern massiv aus

China löst Deutschland bereits 2006 als drittgrößtes Herstellerland ab / Mittelfristig sorgen vor allem etablierte Konzerne für Produktionswachstum / PwC-Studie prognostiziert weiter steigende M&A-Aktivitäten asiatischer Unternehmen

Die weltweite Automobilproduktion wird bis zum Ende des Jahrzehnts deutlich steigen. Vor allem auf Grund der wachsenden Nachfrage in Brasilien, Russland, Indien und China - den so genannten BRIC-Staaten - werden 2010 über 70 Millionen Pkw vom Band laufen und damit knapp 14 Prozent mehr als 2005. Dies ist eines der Ergebnisse der Studie "Global Automotive Financial Review 2006" von PricewaterhouseCoopers, die die Geschäftsberichte und Prognosen von 37 Automobilherstellern analysiert. Ein Großteil des Produktionszuwachses dürfte dabei auf die BRIC-Staaten selbst entfallen. "Für die etablierten Automobilkonzerne sind die Emerging Economies längst nicht mehr nur als Absatzmarkt interessant. Der steigende Wettbewerbsdruck und sinkende Margen zwingen so gut wie alle Hersteller, ihre globale Kostenstruktur durch Produktionsverlagerungen in die BRIC-Staaten zu verbessern", sagt Karl Gadesmann, Partner und Leiter des Bereichs Automotive bei PwC.

Der Absatzboom in China und Indien lässt auch die überregionale Bedeutung der inländischen Automobilhersteller und -zulieferer steigen. Diese Entwicklung dürfte sich nicht nur auf den Pkw-Märkten, sondern auch in den M&A-Aktivitäten in Europa und Nordamerika niederschlagen. "Automobilzulieferunternehmen aus den Emerging Economies werden sich verstärkt an westlichen Zulieferern beteiligen, um auf diese Weise Zugang zu technologischem Know-How und zu den führenden Automobilherstellern und -zulieferern zu erhalten", erwartet Martin Schwarzer, Leiter des PwC M&A Automotive Teams.

China überholt Deutschland bei Pkw-Produktion

Gut 40 Prozent der bis 2010 zusätzlich produzierten Pkw werden voraussichtlich in den BRIC-Staaten montiert. Dabei liegt China im Standortwettbewerb klar in Führung. Für 2006 prognostiziert die PwC-Studie einen Anstieg der chinesischen Pkw-Produktion um knapp ein Viertel auf gut 5,4 Millionen Einheiten. Damit würde China in der Rangliste der weltweit größten Herstellerländer hinter den USA und Japan auf den dritten Platz vorrücken und Deutschland auf die vierte Position verdrängen. "Die beeindruckenden Zuwachsraten dürfen allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass der Wettbewerb immer härter wird. Mittlerweile können chinesische Autokäufer zwischen über 100 Automarken wählen", so Gadesmann. Preiskämpfe und steigende Rohstoffkosten hinterlassen deutliche Spuren bei der Gewinnentwicklung. Die Nettorendite der chinesischen Autoindustrie ist von 9,0 Prozent im Jahr 2003 auf 4,0 Prozent im Jahr 2005 gefallen.

Indien spielt im Vergleich zu China noch eine untergeordnete Rolle für die Pkw-Fertigung. Allerdings will so gut wie jeder der internationalen Automobilkonzerne eigene Produktionskapazitäten auf dem Subkontinent aufbauen, um vom erwarteten Marktwachstum zu profitieren. Derzeit werden jährlich gut 1,2 Millionen Pkw in Indien hergestellt. Die größten ausländischen Produzenten sind Hyundai und Ford mit jährlich 250.000 beziehungsweise 100.000 Einheiten. Deutsche Hersteller sind bislang kaum präsent: DaimlerChrysler fertigt ebenso wie die Volkswagen-Tochter Skoda rund 10.000 Fahrzeuge pro Jahr in Indien.

Brasilien zählt seit Jahren zu den Schwellenländern mit den am weitesten entwickelten Automobilmärkten. In der Hoffnung auf überdurchschnittliche Wachstumsraten haben internationale Automobilkonzerne und Zulieferer zwischen 1992 und 2002 schätzungsweise 30 Milliarden US-Dollar in Brasilien investiert. Tatsächlich blieb der Inlandsabsatz hinter den Erwartungen zurück, so dass die brasilianische Pkw-Industrie trotz einer Rekordproduktion von rund 2,2 Millionen Einheiten im Jahr 2005 geschätzte Überkapazitäten von 30 bis 40 Prozent aufweist. Die Hersteller setzen daher zunehmend auf den Export, wobei sich die langjährigen Erfahrungen mit alternativen Kraftstoffen in Brasilien auch auf anderen Märkten auszahlen könnten.

Das Volumen des russischen Automobilmarkts ist in den vergangenen drei Jahren auf US-Dollar-Basis um knapp 30 Prozent gestiegen und dürfte weiter zulegen. Dabei entscheiden sich die Käufer zunehmend für Neuwagen ausländischer Hersteller, während die Marktanteile von Pkw russischer Produzenten und westlicher Gebrauchtwagen sinken. Ford und Renault sind bereits mit eigenen Werken in Russland präsent und planen eine Ausweitung der Fertigungskapazitäten, General Motors und Volkswagen wollen investieren. Doch rechnen sich auch chinesische Hersteller wie FAW oder Great Wall Chancen auf dem russischen Markt aus und haben bereits mit der Pkw-Produktion in Russland begonnen.

Toyota geht in Führung

Ungeachtet der zunehmenden Bedeutung chinesischer Pkw-Hersteller profitieren vor allem die etablierten Konzerne vom Boom in den BRIC-Staaten. So wird allein Toyota 27 Prozent des weltweiten Produktionswachstums bis 2010 abdecken. Renault-Nissan folgt mit großem Abstand auf dem zweiten Rang (15,8 Prozent), gefolgt von Hyundai (14,8 Prozent) und Volkswagen (12,3 Prozent). Als einziger BRIC-Anbieter rangiert die chinesische SAIC mit einem geschätzten Anteil am Produktionswachstum von 2,1 Prozent auf dem letzten Platz der Top 10.

Dieser Wert gewinnt jedoch an Bedeutung, wenn man ihn mit den Anteilen etablierten Hersteller vergleicht. So kann DaimlerChrysler voraussichtlich 4,4 Prozent des weltweiten Produktionswachstums für sich verbuchen und Ford 4,2 Prozent. General Motors, derzeit immerhin noch der größte Autohersteller der Welt, taucht in der Rangliste überhaupt nicht auf.

Schwäche der etablierten Hersteller eröffnet M&A-Chancen

Die Bedeutung von Private-Equity-Investoren für die Automobilindustrie hat in den vergangen Jahren stark nachgelassen. Besonders deutlich wird diese Entwicklung in der Zulieferindustrie. Wurden 2004 noch über 60 Prozent aller M&A-Aktivitäten in diesem Sektor durch Private-Equity finanziert, sank der entsprechende Wert 2005 auf 30 Prozent. Gleichzeitig wollen immer mehr Pkw-Hersteller Randaktivitäten abstoßen, um Ressourcen auf das Kerngeschäft sowie Forschung und Entwicklung konzentrieren zu können.

"Diese Konstellation eröffnet insbesondere Automobilzulieferern aus Emerging Economies hervorragende Chancen", so Schwarzer. Chinesische Unternehmen haben vor allem den US-Markt im Visier. Dort setzen die großen Pkw-Hersteller General Motors, Ford und Chrysler weiterhin auf Kostensenkungen, um dauerhaft aus der Verlustzone zu kommen. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass sich chinesische Low-Cost-Anbieter in großem Maßstab in die nordamerikanische Zulieferindustrie einkaufen.

Die Studie "Global Automotive Financial Review 2006" finden Sie als kostenlosen Download unter: www.pwc.com/automotive

Weitere Informationen erhalten Sie bei:

Karl Gadesmann
PricewaterhouseCoopers AG WPG
Leiter des Bereichs Automotive
Tel.: 0511 - 5357 5103
karl.gadesmann@de.pwc.com
Martin Schwarzer
PricewaterhouseCoopers AG WPG
Leiter des M&A Automotive Teams
Marie-Curie-Straße 24-28
Tel. 069 - 9585 5667
martin.schwarzer@de.pwc.com
Die PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ist in Deutschland mit 8.000 Mitarbeitern und einem Umsatzvolumen von rund 1,1 Milliarden Euro eine der führenden Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften. An 28 Standorten arbeiten Experten für nationale und internationale Mandanten jeder Größe. PwC bietet Dienstleistungen an in den Bereichen Wirtschaftsprüfung und prüfungsnahe Dienstleistungen (Assurance), Steuerberatung (Tax) sowie in den Bereichen Transaktions-, Prozess- und Krisenberatung (Advisory).

Claudia Mende | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.pwc.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten