Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimawandel begünstigt Beulenpest-Verbreitung

28.08.2006
Epidemie in Mitteleuropa unwahrscheinlich

Der derzeit zu beobachtende Klimawandel erhöht das Risiko von Pest-Epidemien. Zu diesem Schluss kommt ein Team von Wissenschaftlern in einem Beitrag des amerikanischen Wissenschaftsjournals PNAS. "Eine Temperaturerhöhung von nur einem Grad Celsius im Frühjahr kann zu einem 50-prozentigen Anstieg des Pestbakteriums Yersina pestis führen", erklärt Studienleiter Nils C. Stenseth von der Universität Oslo.

Durch ein neuartiges Datenverarbeitungsverfahren konnten die Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten wärmerer und feuchterer Jahreszeiten mit dem Ausbruch von Epidemien in Zentralasien im 14. und 19. Jahrhundert nachweisen. Dies gelang mittels der Analyse von Baum-Jahresringen in Kasachstan. "Die Auswertung der Jahresringe hat ergeben, dass der Ausbruch der beiden Pestepidemien mit den gleichen klimatischen Bedingungen einher gegangen ist - einem auffallend warmen Frühling sowie einem nassen Sommer", so Stenseth weiter.

Bisher konnten sich die Wissenschaftler das zum Teil jährlich schwankende Auftreten der Pestbakterien in Überträgertieren wie Ratten, Mäusen und Flöhen nicht schlüssig erklären. Die wissenschaftliche Berücksichtigung des Klimafaktors soll nun etwas mehr Licht ins Dunkel bringen. "Das Klima spielt bei der Verbreitung der Pest mit Sicherheit eine Rolle", ist auch die Pestforscherin Elisabeth Carniel vom Insitut Pasteur in Paris auf Anfrage von pressetext überzeugt. So sei beispielsweise das diesjährige Auftreten von rund einem Dutzend Erkrankungsfällen in den USA auf die speziellen klimatischen Gegebenheiten in diesem Jahr zurückzuführen, meint Carniel.

... mehr zu:
»Epidemie »Klimawandel »Pest

Der Forscherin zufolge stellen klimatische Veränderungen nur einen von mehreren Faktoren dar, die zu einem Wiederauftauchen oder einer Ausbreitung der Seuche führen können. In einigen Regionen wie Algerien oder Indien, in denen die Pest nach Jahrzehnten erstmals wieder aufgetaucht und zu Erkrankungen geführt hat, sei die Seuche niemals ausgerottet gewesen und habe durch ihre vorübergehend geringe Verbreitung ein stilles Dasein geführt, so Carniel. Durch die fälschliche Annahme der Ausrottung habe man die Überwachung der Überträgertiere ausgesetzt, wodurch die Pest in einigen Fällen wiederum an den Menschen weitergegeben werden konnte. Die stärkere Verbreitung des Bakteriums wiederum könne durchaus mit klimatischen Begebenheiten in Verbindung gebracht werden, meint Carniel.

Die Abschätzung eines möglichen Bedrohungsszenarios für Europa gestaltet sich allerdings schwierig. "Eine neuerliche Pestepidemie erscheint nach unserem derzeitigen Wissensstand zumindest in Mitteleuropa als sehr unwahrscheinlich, da das ökologische System für die entsprechenden Trägertiere als ungeeignet gilt", gibt Carniel Entwarnung. Außerdem sei die Krankheit mittlerweile gut behandelbar. Die frühere globale Ausbreitung der Epidemie auch in Europa zeige allerdings, dass ein neuerliches Auftreten von Pestfällen in Zukunft nicht ausgeschlossen werden kann, so Carniel gegenüber pressetext.

Martin Stepanek | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.pnas.org
http://www.uio.no
http://www.pasteur.fr/english.html

Weitere Berichte zu: Epidemie Klimawandel Pest

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie