Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hungrige Spatzen singen die traurigsten Songs

21.08.2006
Mangelernährung führt zu geringer Attraktivität bei zukünftigem Partner

Singammern, die in ihren jungen Jahren zu wenig Nahrung bekommen haben, sind nach jüngsten Erkenntnissen auch als erwachsene Tiere nicht mehr in der Lage die Elite-Partner zu finden. Offensichtlich entwickeln sich durch den Nahrungsmangel auch bestimmte Teile im Gehirn nicht so wie dies bei gesunden Artgenossen der Fall ist. Besonders betroffen sind jene Hirnregionen, die zum Lernen und zum Reproduzieren von Melodien zuständig sind, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist http://www.newscientist.com .

Scott MacDougall-Shackleton von der University of Western Ontario hat mit seinem Forscherteam Gehirne von 26-Tage-alten Singammern (Melospiza melodia) untersucht. 50 Prozent der Tiere bekamen während der kurzen Zeit eine um ein Drittel verringerte Nahrungsmenge, während die andere Hälfte die normale Menge erhielt. Die Forscher haben entdeckt, dass bei Vögeln, die weniger Nahrung bekommen hatten, eine Hirnregion namens High Vocal Center (HVC) wesentlich kleiner war, als bei den anderen. "Diese Region im Hirn ist dafür zuständig, die Gesänge zu lernen, aufzunehmen und zu singen", so der Forscher. Diese HVC-Region könne mit dem Sprachzentrum im menschlichen Hirn, etwa der Broca und Wernicke-Areale, verglichen werden.

In vorangegangenen Studien hatten Forscher festgestellt, dass die Spatzen erst ab einem Alter von 30 Tagen lernen, ihre Lieder zu singen. "Unsere Studie hat erstmals deutlich gezeigt, dass zu wenig Nahrung diese Hirnregionen schon zu einer Zeit beeinflussen, bevor die Tiere tatsächlich zu singen beginnen", so der Wissenschaftler. Die verringerte Nahrungsmenge macht der Forscher verantwortlich dafür, dass offensichtlich wichtige Proteine zum Wachstum des Gehirnes fehlen. Bekannt sei außerdem, dass normales Hirnwachstum durch Stresshormone eingeschränkt werde und dass Nahrungsmangel die Stresshormonwerte stark ansteigen lässt.

Das eingeschränkte Gesangsrepertoire sei aber für die Tiere ein echtes Handicap. Der melodiöse und komplexe Gesang der Ammern dient nämlich nicht nur zur Revierverteidigung, sondern auch zum Anlocken des Weibchens. "Weibchen hören auf den Gesang ihres zukünftigen Partners, denn dieser verrät, ob er gesund und kräftig und wie er mit dem Stress der ersten Lebenstage fertig geworden ist", führt MacDougall-Shackleton aus. Ein interessanter Aspekt war der Umstand, dass die HVC-Region auch bei weiblichen Ammern, die nicht singen, durch das Nahrungsminderangebot kleiner war, als bei gut ernährten. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass diesen Weibchen wahrscheinlich die Fähigkeit fehlt die besten Gesänge und damit auch die "fittesten" Männchen zu erkennen. Die nunmehrige Untersuchung wird auch durch Studien an Zebra-Finken und Staren erhärtet. Bei diesen Vogelarten hatten Forscher ebenfalls festgestellt, dass Mangelernährung zu weniger erfinderischen Gesangsmelodien führte. Ein belgischer Ornithologe hatte in einer Studie entdeckt, dass nicht nur Nahrung, sondern auch andere Stressfaktoren wie Umweltverschmutzung bei Meisen das Gesangsrepertoire eingeschränkten.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uwo.ca

Weitere Berichte zu: MacDougall-Shackleton Nahrungsmangel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten