Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kupfer gegen Tuberkulose

09.08.2006
Programm zur Eindämmung von hartnäckigen Bakterien

Eine der ältesten Methoden unliebsamen Bakterien den Kampf anzusagen, könnte nach Untersuchungen südafrikanischer Forscher die Gefahr von Infektionen deutlich verringern. Kupferrohre oder Kupferbeschläge an Türschnallen und Arbeitsflächen leisten hier gute Dienste, denn das Metall ist für seine antibiotischen Eigenschaften bekannt. Zudem sei das ein einfacher Weg Krankheitserreger zu bekämpfen, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature vom Treffen der International Federation of Infection Control IFIC, die in Stellenbosch/Südafrika über die Bühne ging.

Seit Jahrhunderten ist bekannt, dass Kupfer und Kupferlegierungen wie zum Beispiel Messing in ionisierter Form antibakterielle Eigenschaften haben. Aus diesem Grund waren etwa Küchengeräte, Wasserkrüge oder Türknäufe aus Messing oder Kupfer. In jüngsten Studien konnten Forscher bestätigen, dass diese antibakteriellen Eigenschaften auch gegen hartnäckige Pathogene wie etwa den Multi-Resistenter-Staphylococcus-Aureus (MRSA) wirken. Obgleich alle Lebewesen Kupfer zum Überleben brauchen - Kupfer ist als Bestandteil vieler Enzyme ein lebensnotwendiges Spurenelement - wirkt es in höheren Konzentrationen toxisch. Die toxische Wirkung entsteht dadurch, dass Kupfer-Ionen an SH-Gruppen von Proteinen binden und Lipide der Zellmembran peroxidieren, was zur Bildung von freien Radikalen führt, die die DNA und Zellmembranen schädigen. Erst kürzlich haben Forscher der University of Southampton festgestellt, dass MRSA-Bakterien auf einer Kupferoberfläche nicht länger als 90 Minuten überleben können.

Untersuchungen von südafrikanischen Forschern haben gezeigt, dass auch die Krankheitserreger der Tuberkulose durch Kupfer in ihrem Wachstum eingeschränkt werden konnten. Das gelte vor allem auch für jene Pathogene, die wie Tuberkulose extrem hartnäckig sind. Zudem gebe es zu viele Resistenzen gegen vorhandene Medikamente, erklärte Studienleiter Shaheen Mehtar. Es sei klüger Oberflächen in Krankenhäusern mit Kupfer zu beschichten, um das Bakterienwachstum zu verhindern. Solche Untersuchungen werden zurzeit vom japanischen Forscherteam um Takeshi Sasahara vom Kitasato University Hospital durchgeführt.

Einziger Nachteil von Kupfer ist die Tatsache, dass Kupfer bis zu sechs Stunden braucht, um Bakterien zu töten. "Bis dahin kann es schon zu einer Infektion kommen", so der Kinderarzt Ben Marais von der Stellenbosch University. Da die Infektion über die Atemluft erfolge, könnten die sauberen Oberflächen nicht derartige Wirkungen entfalten", fürchtet der Forscher. Allerdings räumte der Mediziner ein, sei in einem Land wie Südafrika, in dem mehr als fünf Mio. HIV-Positive leben, die besonders empfindlich auf eventuelle Infektionen reagieren, ein solcher Schritt durchaus positiv. Andere Experten wie Gerhard Offringa von der South African Water Research Commission sehen in der Möglichkeit von Kupferrohren einen zusätzlich positiven Effekt.

Das Interesse an den jüngsten Ergebnissen war so groß, dass knapp nach der Beendigung der IFIC Konferenz ein Workshop in Johannesburg veranstaltet wurde, wo über die Einsatzmöglichkeit von Kupfer in Südafrika diskutiert wurde.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nature.com
http://www.theific.org

Weitere Berichte zu: Bakterie IFIC Infektion Tuberkulose Zellmembran

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligente Sensoren mit System

29.05.2017 | Messenachrichten

Geckos kommunizieren überraschend flexibel

29.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg

29.05.2017 | Förderungen Preise