Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Genetische Varianten beeinflussen Lust und Sexualität

30.05.2006


60 Prozent tragen lusthemmendes Gen


Die wichtigsten Varianten der menschlichen Sexualität werden von jeher als das Ergebnis angeeigneten Verhaltens beziehungsweise psychischer Probleme betrachtet. Über die biologische Grundlage der individuellen Unterschiede im sexuellen Verhalten ist bisher kaum etwas bekannt. Wissenschaftler des Scheinfeld Center for Human Genetics in the Social Sciences der hebräischen Universität Jerusalem und der Ben Gurion Universität in Be’er Sheva haben in einer aktuellen Studie jetzt nachweisen können, dass zwischen vielfältig vorkommenden Varianten in DNA-Sequenzen einerseits und Lust, Erregung und sexuelles Funktionieren anderseits ein direkter Zusammenhang besteht. Die Ergebnisse wurden nun in der online Zeitschrift Molecular Psychiatry veröffentlicht.

Für diese Studie untersuchten die Wissenschaftler die DNA von 148 gesunden männlichen und weiblichen israelischen Studenten. Darüber hinaus ließen sie die Teilnehmer umfassende Fragebogen in Bezug auf Lust, Erregung und sexuelles Verhalten ausfüllen. Aus einem Vergleich der Daten stellte sich heraus, dass zwischen Variationen im D4-Rezeptorgen, das für die Produktion des Dopamin-Rezeptor-Proteins (DRD4) zuständig ist, und die Weise worauf die Studenten ihre Sexualität erfahren, eine Korrelation besteht.


Interessanterweise hat sich erwiesen, dass bestimmte Varianten des D4-Gens einen beeinträchtigenden Einfluss auf Lust, Erregung und das sexuelle Verhalten haben, während andere häufig vorkommende Varianten eine gegenteilige Wirkung erzielen und in einer Zunahme der sexuellen Lust resultieren. Angenommen wird, dass Letztgenannte eine relativ junge Mutation ist, die "erst" seit 50.000 Jahren bei Menschen vorkommt. Schätzungsweise 30 Prozent der menschlichen Bevölkerung sind Träger der Mutation, die zu gesteigerter sexueller Erregung führt, während annähernd 60 Prozent die beeinträchtigende Variante tragen.

Die Studie hat zu der Erkenntnis geführt, dass viele sexuellen Varianten, wie etwa "wenig sexuelle Lust", ganz normal sind und nicht notwendigerweise aus sexuellem Dysfunktionieren hervorgehen. Dieser neue Einblick in der biologischen Grundlage der menschlichen Sexualität ermöglicht es, sexuelle Variationen zu betrachten, ohne sofort ein moralisches Urteil zu fällen. Daher erwarten die Forscher, dass ihre Studie zu einer Neudefinition der sexuellen Dysfunktion führen wird. Darüber hinaus wird die Studie vermutlich dazu führen, dass der Schwerpunkt bei der Behandlung von sexuellen Abweichungen künftig von einem psychologischen auf einem pharmakogenetischen Ansatz verschoben wird.

Reanne Leuning | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.huji.ac.il
http://www.bgu.ac.il
http://www.nature.com/mp

Weitere Berichte zu: Erregung Genetisch Mutation Sexualität Variation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Künstlicher Intelligenz das Gehirn verstehen

Wie entsteht Bewusstsein? Die Antwort auf diese Frage, so vermuten Forscher, steckt in den Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Leider ist jedoch kaum etwas über den Schaltplan des Gehirns bekannt.

Wie entsteht Bewusstsein? Die Antwort auf diese Frage, so vermuten Forscher, steckt in den Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Leider ist jedoch kaum etwas...

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nebennierentumoren: Radioaktiv markierte Substanzen vermeiden unnötige Operationen

28.02.2017 | Veranstaltungen

350 Onlineforscher_innen treffen sich zur Fachkonferenz General Online Research an der HTW Berlin

28.02.2017 | Veranstaltungen

23. VDMA-Arbeitsberatung „Engineering und Konstruktion“ am 2. März 2017 an der TH Wildau

28.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Partnerprogramm von Stellar Datenrettung

28.02.2017 | Unternehmensmeldung

Ein Filter für schweren Wasserstoff

28.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Auf den Spuren der Entstehung von Kondensationstropfen

28.02.2017 | Physik Astronomie