Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Analysen des WSI: Elterngeld hat sich in Nordeuropa bewährt - parallel Kinderbetreuung ausbauen

10.05.2006


Ein einkommensabhängiges Elterngeld hat sich in Nordeuropa bewährt. Es trägt dazu bei, dass mehr Frauen mit kleinen Kindern erwerbstätig sein können. Allerdings nur dann, wenn parallel ausreichende Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren geschaffen werden. Das ist das Ergebnis von Analysen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung.



Derzeit zählt Deutschland zu den Ländern, in denen sich die Geburt eines Kindes besonders deutlich auf die Erwerbstätigkeit seiner Mutter auswirkt. Während bei kinderlosen Frauen zwischen 20 und 49 die Beschäftigungsquote bei knapp 80 Prozent liegt, sinkt sie bei Frauen mit Kindern unter 12 Jahren auf lediglich 60 Prozent. Diese Differenz ist im europäischen Vergleich sehr groß, zeigt der WSI-FrauenDatenReport 2005.

... mehr zu:
»Elterngeld »Nordeuropa »WSI


Erheblich höhere Quoten haben Länder, in denen es bereits seit längerer Zeit ein Elterngeld gibt. Das sind die nordischen EU-Mitglieder Dänemark, Schweden und Finnland sowie Norwegen und Island. Mütter oder Väter erhalten dort in der Kinderpause als Lohnersatzleistung einen relativ hohen Anteil ihres letzten Gehalts - meist zwischen 65 und 90 Prozent bis zu einer Obergrenze. Der Zeitraum, über den das Elterngeld gezahlt wird, ist vergleichsweise kurz: zwischen sechs und 13 Monaten.

Beides ist sinnvoll, betont WSI-Expertin Dr. Christina Klenner: "Das Elterngeld setzt das richtige Signal, indem es auf einen kürzeren Ausstieg aus dem Berufsleben orientiert." Eine lange Familienpause bringe Frauen nicht nur aktuelle Einkommenseinbußen, sondern auch die Gefahr von Einbußen bei Qualifikation und langfristigen Karrierechancen. Die Orientierung von Müttern auf den Arbeitsmarkt läuft allerdings dort ins Leere, wo die Arbeitslosigkeit hoch ist. Deshalb müssten flankierend arbeitsmarktpolitische Maßnahmen und direkte Sozialtransfers für jene Gruppen eingeführt werden, die durch das Elterngeld verlieren und keine Möglichkeit haben, dies durch Erwerbseinkommen zu kompensieren, so die Wissenschaftlerin.

Das Beispiel Nordeuropa zeigt auch, dass das Elterngeld für Väter Anreize setzt, mehr Elternverantwortung zu übernehmen. In Finnland und Dänemark beteiligen sich knapp zehn Prozent der Väter an der Elternzeit, in Schweden, wo faktisch zwei Monate für den Vater reserviert sind, sogar gut 30 Prozent. In Deutschland sind es dagegen bislang fünf Prozent. Für Väter reservierte Abschnitte der Elternzeit gibt es außer in Schweden auch in Dänemark, Norwegen, Belgien, Italien, Luxemburg und Österreich.

Nachhaltig verbessern lassen sich die Beschäftigungschancen von Frauen mit Kindern aber nur, wenn parallel zum Elterngeld die öffentlichen Betreuungseinrichtungen für Kleinkinder stark ausgebaut werden: "Sonst hätten Mütter von Einjährigen nur dann eine Chance, auf ihren Arbeitsplatz zurückzukehren, wenn sie ein hohes Einkommen haben und private Betreuungslösungen finanzieren können", sagt WSI-Expertin Dr. Christina Klenner. Bislang liegen insbesondere die westdeutschen Länder bei der Versorgung mit Betreuungsplätzen weit hinter den nordeuropäischen Ländern, aber auch hinter Großbritannien, Belgien oder Frankreich zurück.

Rainer Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/32014_63607.html
http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/32014_37764.html
http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/32014_81910.html

Weitere Berichte zu: Elterngeld Nordeuropa WSI

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Verstädterung wird 300.000 km2 fruchtbarsten Ackerlands verschlingen
27.12.2016 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau