Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Marktanalyse Galvanotechnik

27.03.2006


Zum Thema Oberflächentechnik sind in den letzten Jahren einige Studien mit unterschiedlicher Zielsetzung erschienen. Aber nur eine Studie aus dem Jahr 2001 beschäftigt sich im Rahmen der Informationsinitiative Oberflächentechnik mit der Situation galvanotechnischer Betriebe in Deutschland. Die nun vorliegende Studie »Marktanalyse Galvanotechnik« des Fraunhofer IPA stellt eine der wenigen Bestandsaufnahmen der Branche dar. Ihr Ziel war es, die Situation der Galvanobranche zu erkunden und anhand bestimmter Fragestellungen die Themen zu finden, die heute relevant sind. Zu diesen in der Studie ausführlich untersuchten Themen zählen:

  • Maßnahmen zur Prozess- und Produktüberwachung, zur Qualitätssicherung und Verbesserung von Prozessfähigkeit,
  • Innovationsfelder und ihre Bedeutung,
  • der aktuelle technologische Entwicklungsbedarf und
  • die Organisation von Forschung und Entwicklung in den Firmen.

Die Situationsanalyse hatte zum Ziel, den praxisnahen Forschungs- und Entwicklungsbedarf der Beschichtungsfirmen zu erkennen und aufzuzeigen, mit welchen konkreten Themen dieser bedient werden kann. Der Schwerpunkt lag dabei auf der produktionstechnischen Perspektive. Andererseits sollten auch die bestehenden Einschätzungen der Anwender zur aktuellen und zukünftigen technologischen Entwicklung dargestellt werden. Mit den nun vorliegenden Erkenntnissen lassen sich die Interessen der Branche nach innen und außen klar und wirkungsvoll darstellen. Von 792 angeschriebenen Firmen antworteten 100; dies entspricht einem Rücklauf von 13 Prozent. Es kann also von repräsentativen Ergebnissen ausgegangen werden.



Neben einer Vielzahl technologischer Ergebnisse aus der Befragung gehören die Antworten auf die Frage nach der Zukunftsperspektive der Branche zu den aufschlussreichsten Ergebnissen. Mit Hilfe der Antworten zu drei Fragen sollte ein Bild der allgemeinen Situation und Perspektive der Beschichter in Deutschland gezeichnet werden:

  • Spielt der Wirtschafts- und Investitionsstandort Deutschland in fünf bis zehn Jahren noch eine Rolle für die Galvanotechnik?
  • Wie wichtig ist die Produktionsverlagerung nach Osteuropa für die Galvanotechnik?
  • Spielt die Galvanotechnik in fünf bis zehn Jahren noch eine Rolle bei der High-Tech-Fertigung und den High-Tech-Produkten?

Fast drei Viertel der befragten Unternehmen (oder Personen) glauben an die Bedeutung des Standortes Deutschland für die Branche auch in fünf bis zehn Jahren. Viele haben dazu mit einem uneingeschränkten »Ja« geantwortet (Bild 1). Noch positiver ist die Einschätzung der Rolle, die Galvanotechnik in fünf bis zehn Jahren bei High-Tech-Fertigung und High-Tech-Produkten spielt. Hier antworteten 89 Prozent der Befragten mit »Ja« und weitere acht Prozent mit »wahrscheinlich oder teilweise«, nur drei Prozent sehen die Zukunft düster.



Trotz dieses Optimismus´ machen sich viele der Befragten Sorgen um den zunehmenden Wettbewerb osteuropäischer Standorte (Bild 2). Nur 21 Prozent meinen, die Frage der Produktionsverlagerung nach Osteuropa habe für ihre Betriebe keine oder geringe Bedeutung. Weitere 20 Prozent sehen die Bedeutung dieses Themas abhängig von weiteren Entwicklungen, aber 45 Prozent halten es für bedeutungsvoll oder eine (Teil-) Verlagerung von Produktionskapazitäten für unvermeidlich. Keine Angabe machten hier 14 Prozent der Befragten.

Insgesamt ergibt sich eine positive Zukunftseinschätzung der Befragten (Bild 3). Vielen ist jedoch klar, dass die Konkurrenz aus Osteuropa (und wohl auch Ostasien, Anmerkung d. Verfassers der Studie) ihre Zukunft prägen und die Bedingungen der Produktion in Deutschland verändern wird – zumindest für einzelne Kundenbranchen.

Die Branche besitzt offenbar einen robusten technologischen Optimismus und ist sich der Bedeutung ihrer Produkte durchaus bewusst. Ökonomische und gesetzliche Veränderungen sorgen schon seit einiger Zeit für eine gewisse Verunsicherung, die aber durchaus nicht alle Betriebe erfasst. Eine konsequente Auseinandersetzung mit Themen wie Gesetzgebung oder Prozessfähigkeit scheint nicht überall gegeben. Viele Betriebe wirken getrieben von den Umständen und ihren Kunden, sowohl bei technologischen Entwicklungen als auch bei der ökonomischen Optimierung ihrer Abläufe. Diejenigen Betriebe, welche hauptsächlich oder teilweise Beschichtungsdienstleistungen für die Automobilbranche erbringen, scheinen agiler und auch bei den Technologien breiter aufgestellt. Schwerpunkte bei Forschung und Entwicklung sind die Prozesstechnologien, Produktions- und Qualitätstechnik spielen eine eher untergeordnete Rolle und die Hauptakteure sind eher die größeren Firmen. Dabei besitzen auch kleine Firmen durchaus Innovationspotenziale wie ihre häufige Nutzung zukunftsträchtiger Technologien zeigt.

Das Fraunhofer IPA hat diese Studie durchgeführt und veröffentlicht. Die komplette Studie kann über den Leuze-Verlag bezogen werden.

Marktanalyse Galvanotechnik, Hrsg. Fraunhofer IPA, Stuttgart, 2005
ISBN 3-87480-214-0
Bezug: Eugen G. Leuze Verlag, Karlstr. 4, 88348 Bad Saulgau/Württ.
Telefon: +49(0)7581/4801-0, E-Mail: mail@leuze-verlag.de

Ihr Ansprechpartner für weitere Informationen:
Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA
Dipl.-Ing. Harald Holeczek
Telefon: +49(0)711/970-1733, E-Mail: holeczek@ipa.fraunhofer.de

Jörg-Dieter Walz | Fraunhofer IPA
Weitere Informationen:
http://www.ipa.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Im Focus: Towards data storage at the single molecule level

The miniaturization of the current technology of storage media is hindered by fundamental limits of quantum mechanics. A new approach consists in using so-called spin-crossover molecules as the smallest possible storage unit. Similar to normal hard drives, these special molecules can save information via their magnetic state. A research team from Kiel University has now managed to successfully place a new class of spin-crossover molecules onto a surface and to improve the molecule’s storage capacity. The storage density of conventional hard drives could therefore theoretically be increased by more than one hundred fold. The study has been published in the scientific journal Nano Letters.

Over the past few years, the building blocks of storage media have gotten ever smaller. But further miniaturization of the current technology is hindered by...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einmal durchleuchtet – dreifacher Informationsgewinn

11.12.2017 | Physik Astronomie

Kaskadennutzung auch bei Holz positiv

11.12.2017 | Agrar- Forstwissenschaften

Meilenstein in der Kreissägetechnologie

11.12.2017 | Energie und Elektrotechnik