Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Einsatz von IT in deutschen Krankenhäusern steigt

27.03.2006


Deutsche Krankenhäuser sind auf dem richtigen Weg: so lautet das Fazit des diesjährigen "IT-Reports Gesundheitswesen", für den Wissenschaftler der Fachhochschule Osnabrück alle deutschen Krankenhäuser befragt haben.



Ende 2005 - Anfang 2006 haben Wissenschaftler der Fachhochschule Osnabrück sämtliche deutschen Krankenhäuser zum Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie (IuK) befragt. Das Augenmerk lag dabei auf Einrichtungen der Integrierten Versorgung - so bezeichnet man Einrichtungen, die sich zu einem Verbund verschiedener Gesundheitsdienstleister wie Krankenhäuser, Rehakliniken, niedergelassene Ärzte und Apotheken zusammengeschlossen haben.



Die Umfrage erfasste auch den aktuellen Stand von Krankenhaus-Informationssystemen in den deutschen Akuthäusern. Die FH Osnabrück hat damit nach dem "IT-Report im Gesundheitswesen 2004" mit dem damaligen Schwerpunkt "Pflege im Informationszeitalter" erneut eine umfangreiche Studie vorgelegt. Insgesamt 335 Krankenhäuser beteiligten sich an der repräsentativen Umfrage.

Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich, dass immer mehr Einrichtungen die Informations- und Kommunikationstechnologie sowohl im klinischen wie im administrativen Bereich einsetzen. "Auch wenn der Ausbau der Technologie Geld kostet, lohnen sich die Investitionen", so Prof. Dr. Ursula Hübner, Leiterin der Studie. "Heute kann kein Krankenhaus mehr ohne IuK im Managementbereich leben".

Zunehmend wachsen die Systeme für die Patientenversorgung und die administrativen Systeme zusammen. Dafür sorgt nicht zuletzt das Medizincontrolling. "Dadurch profitiert auch der Patient", so die Wissenschaftlerin weiter. "Denn die Qualität der Versorgung steigt, Informationslücken, von denen Gefahren für den Patienten ausgehen, werden geschlossen".

Das Konzept der Integrierten Versorgung erfährt derzeit einen schnellen Aufschwung. Waren im ersten Quartal 2005 nur 643 Verträge zwischen verschiedenen Gesundheitseinrichtungen registriert, so hat sich deren Anzahl bis zum Jahresende verdreifacht. Da die Krankenhäuser eine zentrale Rolle in der Integrierten Versorgung einnehmen, ist der Einsatz der Informations- und Kommunikationstechnologie gerade dort wichtig, um eine Verzahnung der einzelnen Sektoren herbeizuführen. "Man würde daher vermuten, dass der Zusammenschluss von Einrichtungen dazu führt, dass Partner vermehrt über elektronische Medien miteinander kommunizieren", so Prof. Hübner. Jedoch erfolgt der Datenaustausch noch in mehr als der Hälfte der Verträge auf Papierbasis, in 26 Prozent als Mischform. Nur 17 Prozent der Befragten gaben an, Daten rein elektronisch auszutauschen.

Ergebnisse früherer Studien von Prof. Hübner haben gezeigt, dass beim Übergang der Patienten von einer Versorgungseinrichtung in eine andere notwendige Dokumente in Papier- oder Filmform häufig fehlen. Das bedeutet eine potenzielle Gefahr für die Patientensicherheit. "Deshalb wollen wir ermitteln, ob Häuser noch Anlaufschwierigkeiten mit der neuen Technologie haben oder ob sie die Bedeutung von IuK unterschätzen", so die Osnabrücker Forscherin.

Die Umfrage befasste sich auch mit dem Einsatz der Elektronischen Patientenakte, die für die Kommunikation der Gesundheitsdienstleister untereinander wichtig ist. Diese Karte ist der Sammelort aller patientenbezogenen Daten und die Grundvoraussetzung für eine Weiterleitung dieser Informationen. Die Studie zeigt, dass erst gut acht Prozent aller Häuser eine voll funktionsfähige Elektronische Patientenakte einsetzen. Ein Drittel der Befragten haben bereits begonnen, solche Karte zu implementieren, knapp ein Fünftel plant deren Einsatz, mehr als ein Drittel beschäftigt sich noch gar nicht damit.

Ihre Ergebnisse vergleichen die Wissenschaftler stets mit Resultaten ähnlicher Studien aus den USA. Prof. Dr. Andreas Frey von der FH Osnabrück hat nun auch Kontakte nach Japan aufgebaut, um dort eine ähnliche Studie zu begleiten. "Auch im Gesundheitswesen ist der internationale Vergleich eine wichtige Quelle der Erkenntnis und des Wandels", so Professor Frey.

Der Vergleich der Studienergebnisse aus den Jahren 2004 und 2005 zeigt, dass Trend in deutschen Krankenhäusern der richtige ist. "Die Hauptsache ist, dass die Krankenhäuser am Ball bleiben", so Prof. Hübner. "Im Vergleich zum Marathonlauf befindet sich die IuK in Deutschland bei Kilometer 17, bis zum Ziel jedoch bei Kilometer 42,195 ist es aber noch ein weiter Weg".

Weitere Informationen erteilt der wissenschaftliche Mitarbeiter des Projekts Björn Sellemann unter Tel.: 0541/969-3692, E-Mail: b.sellemann@fh-osnabrueck.de.

Lidia Uffmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.wi.fh-osnabrueck.de/it-report.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

WHZ erhält hochmodernen Prüfkomplex für Schraubenverbindungen

23.05.2017 | Maschinenbau

«Schwangere» Stubenfliegenmännchen zeigen Evolution der Geschlechtsbestimmung

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Tumult im trägen Elektronen-Dasein

23.05.2017 | Physik Astronomie