Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schilddrüsenkrebsrisiko nach Atomversuchen erhoben

24.01.2006


Forscher haben Bewohner in Französisch Polynesien untersucht



Zwei internationale Wissenschaftler gehen derzeit der Frage nach, ob die Atomversuche der Franzosen in der Südsee mit der erhöhten Zahl von Schilddrüsenkrebsfällen in Zusammenhang stehen. Der dritte und letzte Teil der epidemiologischen Studie, die bereits seit 2002 läuft, soll in sechs Monaten veröffentlicht werden, berichtet das Pacific Magazine.



Florent de Vathaire, Direktor der epidemiologischen Abteilung in Villejuif/Frankreich, und sein Kollege Vladimir Drozdovitch, Direktor des International Cancer Research Center, führen die Studie durch. Frankreich hat auf den beiden Atollen Mururoa und Fangataufa zwischen 1966 und 1974 41 atmosphärische Atomtests, zwischen 1975 und 1991 140 Untergrund-Tests sowie weitere acht Untergrund-Tests bis Mai 1996 durchgeführt. Die beiden Atolle, die zur Tuamotu-Inselgruppe gehören, liegen 1.200 Kilometer von Tahiti entfernt. Seit den 80er-Jahren kam es in der Hauptstadt von Französisch Polynesien, Papeete, zu Protesten gegen die Atomwaffentests. Unterstützung erhielten sie von zahlreichen internationalen Umweltorganisationen. Die französische Regierung hat weltweite Kritiken am Atomtestprogramm jedes Mal zurückgewiesen.

Nach Angaben der Tahiti-Presse arbeiten die beiden Wissenschaftler an der Studie bereits seit den 80er Jahren. Zunächst wurde eine geografische Analyse des radioaktiven Fallouts über den beiden Atollen im Tuamotu-Archipel zwischen 1966 und 1996 durchgeführt. Im zweiten Teil der Studie wurden sämtliche Leukämie- und andere Blutkrebsfälle erhoben. Im dritten Teil untersuchen die Forscher nun eine eventuelle Korrelation mit Schilddrüsenkrebsfällen.

Als sehr problematisch stuft der Münchner Experte Roland Scholz die Situation ein. "Aufgrund der politischen Interessen ist nicht damit zu rechnen, zu Ergebnissen zu kommen", so der Mediziner im pressetext-Interview. "Wir wissen vom Tschernobyl-Unglück, dass es zu einem rapiden Anstieg an Schilddrüsenkrebserkrankungen bei Kindern gekommen ist. Dafür verantwortlich ist das Jod-131." Waren es bis 1986 im Regierungsbezirk Gommel nur ein bis zwei Kinder, die jährlich an Schilddrüsenkrebs erkrankt waren, stieg diese Zahl seit 1995 um das hundertfache an. "Später war das auch bei Erwachsenen deutlich", so Scholz. Das Argument, dass in Hiroshima und Nagasaki bei Untersuchungen kein signifikanter Anstieg von Schilddrüsenkrebs festgestellt werden konnte, liege daran, dass in unmittelbarer Nähe das Problem die Gamma-Strahlen waren. "Bei den Menschen in Polynesien waren es ebenso wie bei den Rongelapesen in Mikronesien radioaktive Wolken und eine Belastung durch Jod-131", so Scholz. Auch bei unterirdischen Tests sei es nach Ansicht des Experten immer wieder zu so genannten "Blow-Outs" gekommen, weil die Bohrungen nicht dicht waren.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.pacificmagazine.net

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Verstädterung wird 300.000 km2 fruchtbarsten Ackerlands verschlingen
27.12.2016 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

moove und Sony Lifelog machen mobil

17.01.2017 | Unternehmensmeldung

Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

17.01.2017 | Physik Astronomie

Wasser - der heimliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs?

17.01.2017 | Geowissenschaften