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Erste Hilfe für Raucher sofort vor Ort

11.01.2006


Studie erforscht Nikotin-Entwöhnung in Rettungsstellen



Raucher haben nachweislich ein erhöhtes Unfall- und Verletzungsrisiko, denn ihre Konzentration lässt schneller nach und das Rauchen lenkt sie ab. Häufiger als Nichtraucher sind Raucher daher in Erste-Hilfe-Stationen und Rettungsstellen anzutreffen. Jetzt wollen Wissenschaftler des Universitätsklinikums Charité erforschen, ob die Erste Hilfe-Station ein geeigneter Ort ist, um Nikotinabhängige zum Rauchstopp zu bewegen. "Wir wollen die Patienten noch vor Ort ansprechen und ihre Motivationslage für eine Änderung ihres Rauchverhaltens diskutieren", sagt Professor Dr. Claudia Spies, Direktorin der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin der Charité, Campus Mitte. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt das auf drei Jahre angelegte Projekt mit rund 320.000 Euro.



Die Folgen der Nikotinsucht sind weltweit der größte Risikofaktor für Krankheit und Tod. In Deutschland rauchen rund 20 Millionen Menschen zwischen 18 und 59 Jahren. Mit gravierenden Folgen: 110.000 bis 140.000 Menschen sterben hierzulande jährlich an den Auswirkungen des Tabakkonsums - etwa 380 Personen pro Tag.

Die Forschergruppe an der Charité unter Leitung von Professor Spies konnte bereits in einer Studie über gefährlichen Alkoholkonsum zeigen, dass mehr als die Hälfe der verunglückten Männer und fast 40 Prozent der betroffenen Frauen Raucher waren. "Ziel unserer neuen Studie ist es zu zeigen, dass es auch in einer Rettungsstelle trotz beschränkter Ressourcen und begrenzter Zeit möglich ist, den Patienten zum Rauchstopp zu motivieren und somit einen deutlichen Rückgang des Rauchens zu bewirken", erläutert Spies.

Zunächst wird der Patient gebeten, computergestützt Fragebögen auszufüllen - sofern es sein körperlicher und mentaler Zustand ermöglicht und er mit der Befragung einverstanden ist. In einem anschließenden kurzen und intensiven Einzelgespräch wird die Motivationslage zur Änderung des Rauchverhaltens ermittelt. Der Patient erhält danach einen mündlichen Ratschlag und eine Broschüre zur Tabakprävention, die auf sein Motivationsstadium zugeschnitten ist. Innerhalb der kommenden vier Wochen schließen sich vier Telefonkontakte an, um die Wirksamkeit des Rauchstopps zu überprüfen. "Nur die Kombination aus Intervention und einer mindestens vierwöchigen Nachbetreuungsphase führt zu höheren Abstinenzraten in der Gruppe der behandelten Raucher", so Claudia Spies. Das zeigten Raucheruntersuchungen in Krankenhäusern. Sollte sich diese erstmals in einer deutschen Rettungsstelle angewandte Methode als wirksam erweisen, ist eine umfassende Einführung des Programms in Rettungsstellen von Krankenhäusern vorgesehen.

"Den meisten Rauchern gelingt es nicht aus eigener Kraft, das Rauchen einzuschränken oder gar dauerhaft aufzugeben", sagt Gerd Nettekoven, Geschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. "Denn Rauchen ist weder Laster noch Leidenschaft, sondern eine Sucht. Und Süchtige benötigen professionelle Hilfe, um ihr Verhalten nachhaltig zu ändern." Für die Deutsche Krebshilfe ist das Projekt an der Charité daher ein wichtiger Schritt in Richtung einer ausreichenden, flächendeckenden und differenzierten Beratung, Betreuung und Behandlung von Nikotinsüchtigen.

Infokasten: Hilfreicher Ratgeber

Über die Förderung richtungweisender Projekte hinaus bietet die Deutsche Krebshilfe mit ihrem Ratgeber "Aufatmen - Erfolgreich zum Nichtraucher" ein Ausstiegsprogramm an, das jeder Raucher seinen persönlichen Verhältnissen anpassen kann. Dazu gehört die bewusste praktische und psychologische Vorbereitung auf den Rauchstopp ebenso wie das Trainieren des Durchhaltevermögens und die Annahme einer neuen Nichtraucher-Identität. Darüber hinaus finden sich in der Broschüre Informationen für den Partner, Buchempfehlungen, eine Übersicht über Nikotin-Ersatzpräparate sowie eine Aufstellung und Bewertung verschiedener Methoden zur Tabakentwöhnung. Den Ratgeber "Aufatmen - Erfolgreich zum Nichtraucher" und viele andere Informationen gibt es kostenfrei bei: Deutsche Krebshilfe, Postfach 14 67, 53004 Bonn, Fax: 0228/ 72 99 0-11, E-Mail: deutsche@krebshilfe.de.

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

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