Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Therapie des Mammakarzinoms im Umbruch

06.12.2005


Neue Chance durch den dualen Wirkmechanismus von Lapatinib?


Mit dem Tyrosinkinase-Inhibitor Lapatinib eröffnen sich neue Therapieoptionen für Patientinnen mit Mammakarzinom. Der duale Wirkmechanismus von Lapatinib zeigt in klinischen Studien bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Mammakarzinom eine hohe Wirksamkeit bei guter Verträglichkeit und bietet selbst Patientinnen, die auf Trastuzumab nicht adäquat ansprechen, eine neue Option. Lapatinib blockiert sowohl die Aktivität des ErbB1- als auch des ErbB2-Rezeptors und greift damit auf zwei Wegen in die Signaltransduktionskaskade ein, die für das Tumorwachstum verantwortlich ist. Darüber hinaus bietet Lapatinib viel versprechende neue Perspektiven, betonte Prof. George Sledge, Indianapolis/USA, auf dem diesjährigen Europäischen Krebskongress (ECCO 14) in Paris.

„Die Therapie des Mammakarzinom befindet sich in einer Phase des Umbruchs“, betonte Sledge. Er wies darauf hin, dass die Expression von ErbB1- und ErbB2-Rezeptoren im Tumorgewebe für die Patientinnen mit einer ungünstigen Prognose verknüpft ist. Untersuchungen zeigen, dass die verschiedenen, für die Tumorzellproliferation wichtigen Pathways untereinander interagieren und die Koexpression von HER2/neu und Östrogenrezeptoren mit einer reduzierten Ansprechrate auf endokrine Therapien einhergeht. Ziel müsse es sein, die molekularbiologischen Kenntnisse der Tumorpathogenese therapeutisch zu nutzen. Studienergebnisse zeigen, dass dies funktioniert. Sledge: „Lapatinib ist vor diesem Hintergrund eine aufregende Substanz.“


Lapatinib plus Trastuzumab – mögliche synergistische Effekte

Präklinische Untersuchungen weisen auf synergistische Effekte zwischen Lapatinib und Trastuzumab hin. Die Ergebnisse einer US-amerikanischen Phase I-Dosiseskalationsstudie bei insgesamt 54 Patientinnen bestätigen dies, erläuterte Dr. med. A. Storniolo, Indianapolis. Alle Patientinnen der Studie hatten ein HER2/neu-überexprimierendes, fortgeschrittenes Mammakarzinom und waren meist intensiv vorbehandelt. Über 90% hatten auf die vorangegangene Trastuzumab-Therapie nicht mehr adäquat angesprochen. 7 von 27 Patientinnen (26%) in der Dosiseskalationskohorte erreichten eine objektive Tumorrückbildung, darunter auch eine komplette Remission. Bei weiteren drei Patientinnen kam es zum Wachstumsstop des Tumors. Die Krankheitsstabilisierungen hielten jeweils über sechs Monate an. Weitere 27 der 54 Patientinnen wurden im Rahmen einer pharmakokinetischen Analyse behandelt. Sieben dieser Patientinnen sprachen auf die Behandlung an, ohne dass es zu Interaktionen zwischen beiden Substanzen kam.

Storniolo empfahl für weitere klinische Studien 1.000 mg/Tag Lapatinib plus Trastuzumab in wöchentlicher Standarddosierung. Er wies darauf hin, dass die Patientinnen die kombinierte Behandlung gut vertragen haben. Häufigste Nebenwirkungen waren Diarrhö, Hautveränderungen, Fatigue sowie Übelkeit/Erbrechen, die unter der empfohlenen Dosierung meist nur Grad 1-2 erreichten. Auf keinem Dosislevel kam es zu einem klinisch relevanten Abfall der linksventrikulären Auswurffraktion. Die Kombination soll in einer randomisierten Phase III-Studie bei rezidivierten Patientinnen mit metastasiertem Mammakarzinom gegen die Lapatinib-Monotherapie weiter validiert werden. Eine zweite Phase III-Studie setzt Lapatinib bereits im Rahmen einer 3er-Kombination mit Paclitaxel/Trastuzumab ± Lapatinib ein.

Hohe Aktivität in der First-line-Situation

Auch als First-line-Therapie zeigt Lapatinib bei Patientinnen mit fortgeschrittenem HER2-positivem Mammakarzinom eine hohe klinische Wirksamkeit bei guter Verträglichkeit, erläuterte Prof. George Sledge. Die aktuelle Zwischenanalyse einer multizentrischen, randomisierten Phase II-Studie bei Patientinnen mit zum Teil ausgeprägter – auch viszeraler – Metastasierung zeigt bei drei Viertel (73%) der derzeit ausgewerteten 40 Patientinnen (29/40) mindestens eine Tumorstabilisierung, darunter 33% (13/40) partielle Remissionen. Insgesamt wurden 130 Patientinnen randomisiert und erhielten alternativ 1.500 mg/Tag Lapatinib versus 500 mg BID Lapatinib. Bislang zeigten sich beim Ansprechen keine klinisch relevanten Unterschiede zwischen beiden Dosierungen. Unter der höheren Dosierung blieben die Patientinnen im Median etwas länger progressionsfrei (20,0 vs. 16,4 Wochen). Ein unabhängiges Expertengremium bestätigte die Ergebnisse. Es traten keine schweren (Grad 3-4) oder unerwarteten Nebenwirkungen auf.

Sonja Luz | GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG
Weitere Informationen:
http://www.gsk.de

Weitere Berichte zu: Lapatinib Mammakarzinom Trastuzumab

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik