Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Blindflug in der Notfallaufnahme

18.10.2005


In deutschen Notfallaufnahmen fehlt der kaufmännische Überblick. 40 Prozent der Krankenhäuser verfügen über keinerlei Instrumente für das kaufmännische Controlling. Die Folge: Dem Klinikmanagement liegen wichtige Daten über Finanzen, Personal und Prozesse nicht vor. Eine wirtschaftliche Steuerung des Notfallaufnahmebereiches ist nicht gewährleistet. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie über die Organisation der Notfallaufnahmen in deutschen Krankenhäusern der Unternehmensgruppe Steria Mummert Consulting.


Die Kostenkontrolle hat nach Einführung des Fallpauschalen-Systems (Diagnosis-related Groups) an Bedeutung gewonnen. Für die Einnahmen der Krankenhäuser sind nicht mehr die Bettenzahl und die Belegung entscheidend, sondern die Abrechnung erfolgt über die Anzahl der behandelten Fälle. Dabei kommt der Notfallaufnahme im Gesamtbetrieb des Krankenhauses eine besondere Bedeutung zu. Gemessen an der Gesamtheit der an der Studie beteiligten Krankenhäuser werden durchschnittlich 17.000 Patienten im Jahr in der Notfallaufnahme behandelt. Die überwiegende Mehrheit wird dabei ambulant versorgt - nur jeder dritte Patient wird stationär aufgenommen. Die ambulante Notfallbehandlung stellt unter medizinischen und auch Kostengesichtspunkten eine hohe Belastung für den Gesamthaushalt der Klinik dar. Im Hinblick auf eine effektive Patientenversorgung haben die Krankenhäuser auf die herausragende Rolle der Notfallaufnahmen reagiert. Rund 90 Prozent der Kliniken führen sie als eigenständige Organisationseinheiten. Dem Patienten kommen kürzere Entscheidungswege und eindeutig geregelte Verantwortlichkeiten zugute. Die Kostenkontrolle hingegen ist vergleichsweise unzureichend umgesetzt. Bisher haben nur knapp 50 Prozent der Krankenhäuser ein entsprechendes Kennzahlensystem im Einsatz. Von den Häusern, die ohne Kennzahlensystem arbeiten, planen weniger als die Hälfte (40 Prozent) eine künftige Einführung.

Da die in der Notfallaufnahme durchschnittlich erzielbaren Gewinne im Verhältnis zum Kostenaufwand eher gering sind, ist die fehlende Kostentransparenz für das Controlling des Gesamthaushalts eines Krankenhauses von Nachteil. Ebenfalls negativ schlagen sich fehlende Informationen bezüglich der Einlieferungsart eines Patienten beim Erstkontakt mit der Notfallaufnahme nieder. So haben etwa rund 18 Prozent der Krankenhäuser keine Informationen darüber, wie viele Personen durch Rettungsdienste in ihre Notfallaufnahme eingeliefert wurden. Diese Patientengruppe ist für die Finanzierung der Krankenhäuser von besonderer Bedeutung. Denn in der Regel verbleibt ein Großteil von ihnen stationär im Krankenhaus und begründet damit einen wichtigen Deckungsbeitrag zur Kranken-hausfinanzierung.


Krankenhäuser mit der Absicht, Kennzahlensysteme aufzubauen:

ja: 40,90 Prozent
nein: 54,55 Prozent
keine Angabe: 4,55 Prozent

Auf die Kostenkontrolle werden die Krankenhäuser künftig auch mit Blick auf die ausgeprägte Konkurrenzsituation achten müssen. Knapp 85 Prozent der Kliniken haben im Umkreis von 50 Kilometern mindestens drei im Wettbewerb stehende Notaufnahmen. Rund die Hälfte verfügt über keinerlei Kooperationen, um die eigenen Ressourcen zu schonen. Gerade in diesen Fällen ist die Nutzung eines effektiven Kostenmanagements eine bedeutsame Option.

Diese Presseinformation basiert auf der aktuellen Studie "Die Notaufnahme als strategischer Erfolgsfaktor eines Klinikums" von der Unternehmensgruppe Steria Mummert Consulting. Insgesamt haben 53 Krankenhäuser an der Befragung teilgenommen. Davon waren rund 36 Prozent Häuser der Maximalversorgung und 57 Prozent Häuser der Grund- und Regelversorgung. Unter sonstigen Krankenhäusern mit 7 Prozent wurden zwei Universitätskliniken befragt. Aufgeschlüsselt nach Krankenhausgröße beträgt der Anteil an Häusern mit bis zu 500 Betten rund 57 Prozent, rund 23 Prozent der Krankenhäuser haben zwischen 500 und 1.000 Betten und rund 20 Prozent verfügen über 1.000 bis 2.000 Betten.

Kontakt:

Pressesprecher
Jörg Forthmann
Telefon: 040 / 227 03-7787
Fax: 040 / 227 03-7961
Email: Joerg.Forthmann@mummert.de

Jörg Forthmann | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.mummert-consulting.de

Weitere Berichte zu: Kennzahlensystem Kostenkontrolle Notfallaufnahme

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften