Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie der Handel von Toyota lernen will

28.09.2005


Lean Retailing senkt die Kosten und steigert den Gewinn - Neue Untersuchung zum Supply Chain Management im europäischen Einzelhandel

... mehr zu:
»Chain »Retailing »Supply »Warenfluss

Erst hat Toyota die Welt-Automobilproduktion revolutioniert. Jetzt wollen andere Branchen von den Japanern lernen. Nach Lean Production kommt "Lean Retailing" - ein effizientes Prozessmanagement, mit dem der deutsche Einzelhandel seine anhaltend schwache Profitabilität steigern will. Bei konsequenter Umsetzung können Händler ihren Gewinn um bis zu 25 Prozent erhöhen. Möglich wird das durch genau aufeinander abgestimmte Aktivitäten in der gesamten Lieferkette vom Produzenten bis ins Verkaufsregal. Vereinfachte Prozesse sorgen dafür, dass Waren schneller zum Kunden gelangen, teure Lagerbestände sinken und dem Händler mehr Zeit für Service bleibt. Das sind Ergebnisse einer neuen Studie der Unternehmensberatung McKinsey & Company und Professor Ulrich Thonemann von der Universität zu Köln. In der bislang umfangreichsten Erhebung zum Thema Supply Chain Management im Handel hat die internationale Unternehmensberatung die Lieferketten von 33 Einzelhändlern in vier europäischen Ländern unter die Lupe genommen.

Die Untersuchung zeigt: Händler, die Lean Retailing anwenden, bringen es auf einen im Durchschnitt 61 Prozent geringeren Leerstand in den Regalen und einen um 37 Prozent niedrigeren Warenbestand. Bei Wettbewerbern ohne schlankes Supply Chain Management sind bis zu 20 Prozent des Sortiments für den Käufer nicht verfügbar. Auch bei den Logistikkosten haben Einzelhändler mit effizienten Prozessen die Nase vorn. Sie wenden dafür durchschnittlich 3,4 Prozent ihres Umsatzes auf; bei ihren Konkurrenten sind es 4,5 Prozent und bei Einzelnen sogar mehr als 6 Prozent.


"Noch immer glauben viele Händler, dass stets gefüllte Regale und guter Service gleichzeitig hohe Kosten bedeuten. Doch das ist kein Widerspruch. Obwohl sich alle Befragten der zunehmenden Bedeutung von effizientem Supply Chain Management bewusst sind, hapert es bei einem Großteil an der konsequenten Umsetzung", so Klaus Behrenbeck, Director im Kölner McKinsey-Büro und Leiter des deutschen Konsumgüter- und Handelssektors.

Fünf Faktoren sind erfolgsentscheidend

Kennzeichnend für besonders leistungsfähige und umsatzstarke Händler sind nach der McKinsey-Studie fünf Erfolgsfaktoren: eine schlanke Filiallogistik, ein effizienter Warenfluss, eine fokussierte Zusammenarbeit mit Herstellern, eine automatisierte und nachfrageorientierte Steuerung des Nachschubs sowie eine prozessübergreifende Supply-Chain-Organisation.

Die in der Untersuchung am besten abschneidenden Händler setzen die Kooperation mit Herstellern gezielt zur Leistungssteigerung ein. So tauschen 60 Prozent mit der Industrie Kennzahlen zum Regalbestand oder der Lieferzuverlässigkeit aus - doppelt so häufig wie weniger aufgeschlossene Wettbewerber. Strafzahlungen bei verspäteter Lieferung oder schlechter Produktqualität sollen helfen, dem Kunden konstante Leistungen anzubieten und die eigenen Bearbeitungskosten zu senken.

In puncto Radio Frequency Identification (RFID) zeigt sich der Einzelhandel skeptisch. Bis zum Jahr 2010 streben die Befragten an, sechs Prozent ihrer Produktverpackungen mit der neuen Technologie zu kennzeichnen. Auch die flächendeckende Einführung von RFID für Paletten oder Kartons wird länger dauern als von vielen erwartet. Erschwerend kommt hinzu, dass noch nicht entschieden ist, wer die Kosten für RFID-Chips übernehmen wird - der Handel oder die Industrie.

Weiter zunehmende Konzentration, anhaltender Preisdruck und neue technologische Möglichkeiten sind nach der McKinsey-Studie Herausforderungen, denen sich Supply Chain Manager künftig stellen müssen. Bis 2010 wird der Anteil des Umsatzes, für den der Händler selbst die Logistik übernimmt, von derzeit durchschnittlich neun auf 23 Prozent steigen. Darüber hinaus nimmt der elektronische Datenaustausch zu und macht den Warenfluss transparenter. Intelligente Prognosesysteme wickeln die Nachbestellungen der Händler künftig automatisch ab.

Die Autoren der Studie, Ulrich Thonemann, Klaus Behrenbeck, Jörn Küpper und Karl-Hendrik Magnus, haben ihre Ergebnisse in einem Buch zusammengefasst. Die Monografie "Supply Chain Excellence im Handel" ist im Gabler Verlag erschienen.

| presseportal
Weitere Informationen:
http://www.mckinsey.com

Weitere Berichte zu: Chain Retailing Supply Warenfluss

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Entrepreneurship-Studie: Großes Potential für Unternehmensgründungen in Deutschland
15.09.2017 | Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie