Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie zur Zukunft der Automobilindustrie in Russland

23.09.2005


  • Autoboom: Zahl der Neufahrzeuge in Russland steigt bis 2014 um sechs Prozent pro Jahr
  • Internationale Hersteller profitieren besonders
  • Zahl der ausländischen Zulieferer steigt stark
  • Wirtschaftliche Rahmenbedingungen entscheidend

    Der russische Automobilmarkt wird sich binnen zehn Jahren zu einem der wachstumsstärksten Fahrzeugmärkte der Welt entwickeln. So lautet ein zentrales Ergebnis einer Gemeinschaftsstudie von Roland Berger Strategy Consultants, dem Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft und dem Verband der Automobilindustrie (VDA), an der 55 führende internationale Automobilunternehmen teilnahmen. Der Studie zufolge wird die Zahl der Neufahrzeuge in Russland von 1,3 Millionen im Jahr 2004 auf 2,3 Millionen 2014 steigen. Dies entspricht einem jährlichen Zuwachs von sechs Prozent. Das Wachstum wird vor allem internationalen Herstellern zugute kommen: So klettern die Neuwagen-Importe nach Russland von 300.000 im Jahr 2004 auf 700.000 Fahrzeuge 2014. Die Zahl der in Russland montierten ausländischen Neuwagen springt im gleichen Zeitraum von 100.000 auf 800.000. Auch die internationalen Zulieferer werden von dem Boom profitieren: 43 Prozent planen, ihr Russland-Engagement in den nächsten drei Jahren auszubauen. Wie schnell sich der russische Fahrzeugmarkt dem westlichen Standard nähern wird, hängt entscheidend von den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ab.

    Im Rahmen der Studie wurden im ersten Quartal 2005 55 internationale, auch russische Automobilhersteller und Zulieferer sowie politische Entscheidungsträger in persönlichen Interviews zur künftigen Entwicklung des russischen Automobilsektors befragt.


    Zukunftsmarkt Russland

    Russland zählt nach China zu den wachstumsstärksten Automärkten der Welt. Von 2004 bis 2014 werden dort der Studie zufolge jährlich rund 100.000 Neufahrzeuge mehr zugelassen als im Vorjahr, der Saldo steigt von 1,3 Millionen Neuwagen 2004 auf 2,3 Millionen im Jahr 2014 (sechs Prozent p.a.). Immer mehr Russen steigen auf westliche Automarken um: Decken russische Autobauer derzeit noch 70 Prozent der Nachfrage, werden bis 2014 rund 60 Prozent der Neuwagenkäufe auf internationale Hersteller entfallen. Davon werden 700.000 PKW importiert, 800.000 in Russland montiert. Die Zahl russischer Neuwagen wird dagegen von 900.000 im Jahr 2004 auf 800.000 2014 zurückgehen.

    "Die russische Automobilindustrie steht vor einer umfassenden Transformation", sagt Jürgen Reers, Partner im Competence Center Automotive bei Roland Berger Strategy Consultants. "Marktstrukturen, Prozesse und nicht zuletzt die Fahrzeuge werden sich westlichen Standards angleichen. Deutsche und internationale Hersteller können davon besonders profitieren, weil die russischen Konsumenten mit steigendem Einkommen auch höhere Ansprüche an Komfort und Sicherheit ihrer Autos stellen. Allerdings gilt: Wer in Russland Erfolg haben will, muss bereits heute marktgerechte Fahrzeugtypen mit attraktiven Preisen entwickeln."

    Perspektiven für Zulieferer

    Auch die Zulieferunternehmen können von der boomenden Autokonjunktur in Russland profitieren. Derzeit unterhalten die 20 weltgrößten Zulieferer rund 150 Produktionsstandorte in Osteuropa. Erst sechs Unternehmen sind mit insgesamt acht Niederlassungen in Russland vertreten.

    Der Studie zufolge werden die Automobilhersteller ihre Zulieferer künftig stärker an der Wertschöpfung beteiligen. So wird der Anteil der Zulieferfirmen an der Wertschöpfung russischer Fahrzeugbauer von 26 Prozent im Jahr 2004 ansteigen auf 43 Prozent im Jahr 2010. Bei internationalen Herstellern vergrößert sich der ohnehin schon hohe Anteil von 66 Prozent 2004 bis 2010 auf 70 Prozent.

    Hinzu kommt, dass die internationalen Automobilproduzenten ihre Beschaffung bei lokal angesiedelten Zulieferern verdreifachen werden, um die Nachfrage in Russland bedienen zu können. Der Anteil des lokalen Einkaufsvolumens schnellt demzufolge von 12 Prozent 2004 auf 36 Prozent 2014.

    Laut Studie wird die Expansion der internationalen Hersteller in Russland bis 2014 die Entwicklung einer leistungsfähigen Zulieferindustrie nach sich ziehen.

    Modernisierung russischer Automobilfirmen

    Auch für die russischen Hersteller und Zulieferbetriebe eröffnet die Transformation der Branche neue Chancen. Doch müssen sich die heimischen Autobauer und Zulieferer konsequent um Modernisierung ihrer Abläufe und Produkte bemühen. Dabei bieten Joint Ventures mit ausländischen Unternehmen für die Zulieferer eine exzellente Möglichkeit, um zügig zu internationalen Standards aufzuschließen. 72 Prozent der befragten Firmen glauben, dass westliche Unternehmensbeteiligungen notwendig sind, um die russische Zulieferbranche zu modernisieren. Diese Joint Ventures können beiden Seiten nutzen: Die russischen Zulieferer übernehmen westliche Technologie, werden in effizientere Produktionsprozesse eingebunden und können ein modernes Qualitätsmanagement einführen. Ihre internationalen Partner erhalten Zugang zu russischen Kunden, lokalen Behörden sowie zu bestehenden Marktstrukturen.

    Wie nötig die umfassende Modernisierung des russischen Automobilsektors ist, verdeutlicht die im internationalen Vergleich niedrige Investitionsquote: Während in Deutschland 2002 jedes produzierte Auto Investitionen in Höhe von 2.343 Euro verbuchte, investierten russische Hersteller lediglich 465 Euro pro Fahrzeug. Andere Länder Osteuropas wiesen ebenfalls eine deutlich höhere Investitionsquote auf: die Tschechische Republik kam auf 1.922 Euro je Fahrzeug, Polen auf 1.606 Euro, die Slowakei auf 1.190 Euro. "Während die russischen Hersteller weniger als ein Prozent ihrer Umsätze für Forschung und Entwicklung ausgeben, investieren internationale Hersteller hier fünf oder mehr Prozent ihres Umsatzes", erläutert Dr. Uwe Kumm, Leiter des Moskauer Büros von Roland Berger Strategy Consultants.

    Schreitet die Modernisierung zügig voran, wird sich Russland der Studie zufolge nicht nur als wachstumsstarker Absatzmarkt, sondern auch als attraktiver Fertigungsstandort etablieren.

    Die russische Politik muss handeln

    Den Anschluss an den Automobilweltmarkt wird Russland jedoch nur finden, wenn die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sich weiter verbessern. Dazu zählen die Teilnehmer der Studie niedrigere Einfuhrzölle auf Komponenten für die Fahrzeug- und Modulmontage. Zudem sollen technische Normen verschärft werden, um die Produktstandards zu heben. Überdies müssen ausländische Investitionen in Russland stärker gefördert werden, etwa durch Investmentagenturen oder Sonderwirtschaftszonen.

    "Die russische Wirtschaftspolitik steht hier in der Pflicht", sagt Dr. Klaus Mangold, Vorsitzender des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft. "Sie kann die internationale Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Automobilindustrie durch rasches Handeln nachhaltig verbessern. Dadurch würde die gesamte russische Volkswirtschaft gestärkt."

    Der Studie zufolge würde eine moderne, international wettbewerbsfähige Automobilindustrie in Russland rund 66 Millionen Arbeitsplätze schaffen.

    Susanne Horstmann | presseportal
    Weitere Informationen:
    http://www.rolandberger.com
    http://www.ost-ausschuss.de
    http://www.vda.de

    Weitere Berichte zu: Automobilindustrie Neufahrzeug Neuwagen Zulieferer

  • Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

    nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
    11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

    nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
    30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

    Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

    Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

    Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

    Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

    Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

    Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

    Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

    Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

    Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

    Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

    Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

    Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

    Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

    Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

    Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

    Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

    More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

    Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

    Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

    Anzeige

    Anzeige

    IHR
    JOB & KARRIERE
    SERVICE
    im innovations-report
    in Kooperation mit academics
    Veranstaltungen

    Ballungsräume Europas

    26.04.2017 | Veranstaltungen

    200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

    26.04.2017 | Veranstaltungen

    123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

    26.04.2017 | Veranstaltungen

     
    VideoLinks
    B2B-VideoLinks
    Weitere VideoLinks >>>
    Aktuelle Beiträge

    Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

    26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

    Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

    26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

    Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

    26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie