Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unternehmensfinanzierung: Leichte Anzeichen für Besserung

21.09.2005


Leichte Anzeichen für Besserung / 42 % der Unternehmen klagen über Schwierigkeiten, aber für fast 7 % lief es besser


Rund 42 % der Unternehmen in Deutschland hatten im vergangenen Jahr zwar mit Schwierigkeiten in Finanzierungsfragen zu kämpfen, doch erstmals gibt es auch leichte Zeichen einer Besserung. Zu diesem zentralen Ergebnis kommt eine aktuelle Studie, die die KfW Banken gruppe in Zusammenarbeit mit 25 Fach- und Regionalverbänden der Wirtschaft durchgeführt hat. In diesem Jahr klagen etwa ähnlich viele Unternehmen über Finanzierungsprobleme wie im Vorjahr (43 %). Gleichzeitig stieg jedoch der Anteil der Unternehmen, die sich über eine bessere Finanzierungslage freuen konnten erstmals seit Beginn der Untersuchungen von knapp 4 % auf 7 % an. Auch der Anteil der Unternehmen, die eine Kündigung ihrer Bankverbindung hinnehmen mussten, ging erstmals leicht zurück (von 13 % auf 10 %).

Mit der heute in Berlin vorgestellten Studie "Unternehmensfinanzierung: Immer noch schwierig, aber erste Anzeichen einer Besserung" legen die KfW und die beteiligten Verbände bereits zum vierten Mal ihre jährliche Untersuchung zur Finanzierungssituation deutscher Unternehmen vor. An der Befragung haben sich rund 5.800 Unternehmen aller Branchen, Größenklassen und Regionen beteiligt.


"In die Mittelstandsfinanzierung ist eine gewisse Normalität eingekehrt", resümierte Hans W. Reich, Sprecher der Vorstands der KfW Bankengruppe. Sowohl Banken als auch Unternehmen hätten begonnen, sich an die neuen Spielregeln auf dem Finanzmarkt anzupassen: "Ratingsysteme werden flächendeckend eingesetzt und risikogerechte Zinsen berechnet." Bereits heute von einem Etappensieg zu sprechen, sei jedoch verfrüht. Reich appellierte deshalb an Kreditinstitute und Betriebe, weiter daran zu arbeiten, den Wandel auf den Finanzmärkten erfolgreich zu meistern. "Die Richtung stimmt", so Reich.

Anton Börner, Präsident des Bundesverbands des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) betonte: "Mezzanine Kapital ist eine ideale Form der Eigenkapitalstärkung im Mittelstand. Vorteile von Eigen- und Fremdkapital werden auf ideale Weise miteinander kombiniert. Damit mittelgroße und kleine Betriebe nicht aufgrund der sehr unterschiedlichen Refinanzierungsmöglichkeiten ins Hintertreffen geraten, sind weitere Anstrengungen vonnöten, um moderne Finanzierungsinstrumente auch in kleineren Kapitaltranchen und mittleren Bonitäten anbieten zu können."

Weitere zentrale Ergebnisse der Unternehmensbefragung sind:

  • Die Anzahl der Problemfelder, denen sich die Unternehmen in Finanzierungsfragen im Schnitt gegenüber sehen, nimmt ab. Die Unternehmen arbeiten offenbar die einzelnen Probleme nach und nach ab. Das gilt auch für eines der größten Hemmnisse in Finan zierungsfragen, die zu geringe Eigenkapitalausstattung. So haben 43 % der Befragten ihre Eigenkapitalquote im vergangenen Jahr verbessert, am häufigsten durch die Einbehaltung von Gewinnen. 45 % der Unternehmen wollen auch in Zukunft ihre Eigenkapitalquote erhöhen; fast 18 % der Befragten sehen hierzu jedoch keine Möglichkeit.

  • Das gewachsene Risikobewusstsein der Kreditinstitute wirkt sich auf große und kleine Unternehmen nicht mehr sehr unterschiedlich aus. Banken fordern von kleineren Unternehmen zwar nach wie vor im Schnitt höhere Sicherheiten. Hinsichtlich der Transparenz anforderungen, die für eine aussagefähige Risikoanalyse und die Berechnung risikoa däquater Finanzierungskonditionen benötigt werden, existieren aber kaum noch Unterschiede.

  • Fast drei Viertel aller Unternehmen haben in den vergangenen zwölf Monaten Investi tionen durchgeführt. 24 % berichteten davon, dass ihr Antrag auf einen Investitionskredit abgelehnt wurde, v. a. ostdeutsche Unternehmen und sehr kleine Unternehmen. Gründe für die Kreditablehnung waren erneut v .a. eine zu geringe Eigenkapitalquote und unzureichende Sicherheiten.

  • Unbefriedigend ist, dass viele Unternehmen ihre Ratingnote nicht kennen. Nicht einmal die Hälfte von ihnen kennt die Einstufung. 86 % der Unternehmen, die ihr Rating nicht kennen, haben sich auch nicht danach erkundigt.

  • Wichtigste Finanzierungsquellen für Unternehmen sind nach wie vor die Innenfinanzierung und Bankkredite. Die Bedeutung alternativer Instrumente wie Beteiligungskapital oder mezzanine Finanzierung wächst erst langsam.

    Zusätzlich haben KfW und Verbände die Unternehmen in diesem Jahr zum Thema Zahlungsverhalten befragt. Die Hauptergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • 40 % der Befragten berichteten von einem schlechteren Zahlungsverhalten der privaten Kunden, ein Drittel klagte über größere Verzögerungen bei öffentlichen Auftraggebern. Zahlungsausfälle machten im Mittel der befragten Unternehmen knapp über 1 % des Jahresumsatzes aus.

  • Auf die ausbleibenden Zahlungen reagieren 80 % der Unternehmen mit Maßnahmen wie der Verbesserung des Mahnwesens oder eine ständige Überwachung der Zahlungsströme.

  • 20 % der Unternehmen hingegen nehmen die schlechte Zahlungsmoral einfach hin. Häufigster Grund hierfür ist die Furcht, sonst einen guten Kunden zu verlieren.

Die Studie "Unternehmensfinanzierung: Immer noch schwierig, aber erste Anzeichen einer Besserung" kann unter www.kfw.de abgerufen werden.

Christine Volk | KfW
Weitere Informationen:
http://www.kfw.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Ab ins Ungewisse: Über das Risikoverhalten von Jugendlichen
19.01.2017 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie