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Versicherungswirtschaft wird Industriebranche

21.07.2005


Versicherungspolicen aus Fabriken – das ist eine Kombination, an die sich der Kunde in Deutschland langsam gewöhnen muss. Denn mehr und mehr Unternehmen setzen darauf, standardisierte Policen spezialisierter Anbieter – aus so genannten Versicherungsfabriken – in das eigene Angebot aufzunehmen und unter dem eigenen Namen zu vermarkten. Das belegt der „Branchenkompass Versicherungen“, eine aktuelle Studie der Unternehmensgruppe Steria Mummert Consulting in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut. Da die Versicherungsfabriken eine sehr hohe Zahl einheitlicher Policen bereitstellen, ist es ihnen zudem möglich, auch die Abwicklung – zum Beispiel das Ausstellen der Police, Inkasso und Schadenregulierung – sehr effizient zu leisten. In Anlehnung an die Fertigung in Fabriken spricht die Branche auch von der „Industrialisierung“ von Arbeitsabläufen.


Basis der Studie ist eine Forsa-Umfrage unter 100 Topmanagern der Branche. Knapp die Hälfte von ihnen erwartet demnach, dass sich die Branche in Deutschland zunehmend in Vertriebsversicherungen und Versicherungsfabriken aufteilen wird. Dabei fertigen Fabriken standardisierte Policen in großer Stückzahl und liefern sie den Vertriebsunternehmen meistens als so genanntes White-Label-Produkt und seltener unter der eigenen Marke zu. Der Anbieter bringt also ein Produkt an den Markt, das sich von der Konkurrenz kaum oder gar nicht unterscheidet und das er nicht selbst kalkuliert hat – dafür aber mit Preisvorteilen, die er an die Kunden weitergeben kann.

Auch auf der Nachfrageseite ist dieser Trend zu spüren: Schon fast jeder zehnte Anbieter verlässt sich auf den Zukauf dieser Standardprodukte von Wettbewerbern oder den besagten Fabriken – darunter vor allem Kfz-Versicherer und kleinere Gesellschaften. Im Branchenkompass des Vorjahres waren es erst sechs Prozent, die auf solche Produkte anderer Häuser zurückgegriffen haben, um sie unter der eigenen Marke auf den Markt zu bringen.


Versicherungsfabriken gehören damit zu den wichtigsten Trends, die die Branche laut der Studie in den kommenden drei Jahren wesentlich bestimmen werden. An erster Stelle rangieren so genannte Produktpakete und gemeinsame Produkte mit anderen Branchen. Beispiele: Zur Autoversicherung gibt es den Reparaturservice, zur Krankenversicherung die Mitgliedschaft im Fitness-Club, zur Gebäudeversicherung einen Handwerkerservice. Rund zwei Drittel der Topmanager erwarten, dass solche Kombinationen in den nächsten drei Jahren verstärkt auf den Markt kommen werden. Außerdem erwartet rund die Hälfte, dass in dieser Zeit mehr und mehr spezialisierte Zusatzversicherer sowie neue Discount-Anbieter entstehen werden. Trotz dieser neuen Konkurrenz ist sich die Branche mit 71 Prozent aber weit gehend einig, dass die Unternehmen in Deutschland bei Effizienz und Gewinnquote gegenüber Wettbewerbern aus dem Ausland deutlich aufholen werden.

Trends der deutschen Versicherungsbranche bis 2007
(Zustimmung zu Zukunftsaussagen, Mehrfachauswahl möglich)

  • Der Versicherungsschutz wird zunehmend Teil von Produktpaketlösungen: 72 Prozent
  • Die deutschen Versicherungen werden gegenüber ausländischen Versicherungen bei Profitabilität und Kosteneffizienz deutlich aufholen: 71 Prozent
  • Gemeinsam mit anderen Branchen werden neue Produkte entwickelt: 62 Prozent
  • Es wird eine Reihe spezialisierter Zusatzversicherer entstehen: 55 Prozent
  • Es werden neue Versicherungsdiscounter entstehen: 50 Prozent
  • Die Branche wird sich tendenziell in Vertriebsversicherungen und Versicherungsfabriken spezialisieren: 43 Prozent

Joerg Forthmann | Mummert Consulting
Weitere Informationen:
http://www.mummert-consulting.de

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