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Mittelstand nimmt IFRS kritisch ins Visier

14.07.2005


Mittelstandsumfrage von DIHK und PwC belegt starkes Interesse an internationalen Rechnungslegungsvorschriften / Furcht vor hohem Aufwand einer Bilanzumstellung


Die Bilanzierung nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften ("International Financial Reporting Standards" - IFRS) ist spätestens ab 2007 für kapitalmarktorientierte Unternehmen in Deutschland Pflicht. Freiwillig ist die Anwendung der IFRS unter anderem für den nicht-kapitalmarktorientierten Mittelstand - und damit die Mehrzahl der deutschen Unternehmen. Vor diesem Hintergrund überraschend ist das große grundsätzliche Interesse des Mittelstands an den neuen Rechnungslegungsvorschriften. Eine aktuelle Studie vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und PricewaterhouseCoopers (PwC) hat ergeben, dass sich fast 60 Prozent von 600 befragten mittelständischen Unternehmen bereits mit dem Thema IFRS befasst haben. 80 Prozent der Mittelständler sehen derzeit keinen Bedarf für eine Änderung der Rechnungslegung.

Größe ist ausschlaggebend...


Bislang ist die Umstellung auf IFRS vor allem für größere Gesellschaften mit einem Umsatz über 60 Millionen Euro ein Thema. Bei den knapp acht Prozent der befragten Mittelständler, die bereits nach IFRS bilanzieren, ist diese Gruppe überdurchschnittlich stark vertreten. "Unternehmen mit größerem Auslandsumsatzanteil neigen eher als jene mit geringer Auslandsorientierung zu einer IFRS-Bilanzierung; gleichwohl bilanzieren - unter den antwortenden Unternehmen - immerhin etwa fünf Prozent der ausschließlich im Inland tätigen Gesellschaften nach den IFRS-Regeln", hebt Dr. Axel Nitschke, Chefvolkswirt beim DIHK, hervor. Auch bei den elf Prozent, die eine Umstellung konkret planen, erzielt über die Hälfte einen Umsatz von mehr als 60 Millionen Euro. Auf der anderen Seite gab ein gutes Drittel der Befragten an, sich bislang nicht mit IFRS befasst zu haben. Zu dieser Gruppe zählen hauptsächlich Unternehmen ohne Konzernbindung mit weniger als 250 Arbeitnehmern, geringen oder gar keinen Auslandserlösen und Umsätzen bis zu 32 Millionen Euro.

... sollte es aber nicht sein

Die Entscheidung für oder gegen eine freiwillige Bilanzierung nach IFRS sollte aber nicht allein an die Unternehmensgröße gekoppelt werden: "Die Anwendung der IFRS in mittelständischen Unternehmen erfordert eine differenzierte Betrachtung und kann nicht mit einem allgemein gültigen oder uneingeschränkten Ja oder Nein beantwortet werden", konstatiert Prof. Dr. Norbert Winkeljohann, Vorstand für den Mittelstandsbereich bei PricewaterhouseCoopers. Vor allem Mittelständler, die im Ausland stark engagiert sind, sollten sich mit den Rechnungslegungsvorschriften intensiv auseinandersetzen. Denn: "Unternehmen sollten die Umstellung der Rechnungslegung auf IFRS immer als betriebswirtschaftliche Investition verstehen und die möglichen Vor- und Nachteile sorgfältig abwägen", rät Winkeljohann.

Vorteile vor allem im Konzernverbund

Die Erleichterung der internen und externen Berichterstattung nennen 23 Prozent der Unternehmen als Vorteil einer IFRS-Bilanzierung. Dabei zeichnet sich ab, dass auch nicht-kapitalmarktorientierte Konzerne die Vorteile der Berichterstattung nach IFRS sehen - hier spielt auch die bessere Vergleichbarkeit der Tochterunternehmen eine Rolle. Bei den acht Prozent der befragten Unternehmen, die bereits nach IFRS bilanzieren, überwiegen Vorteile wie zum Beispiel die Darstellung der Unternehmenslage und die Konzernberichterstattung nach eigener Aussage den Mehraufwand.

Doch kann die Bilanzierung nach IFRS auch aus Sicht der Unternehmen, die ihre Rechnungslegung nicht ändern wollen, durchaus Vorteile bieten. Knapp die Hälfte aller befragten Unternehmen hob die grundsätzlich bessere Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage hervor. Weitere Vorteile für die Unternehmen sind positive Effekte beim Rating durch die Hausbank (19 Prozent) sowie ein erleichterter Zugang zum Kapitalmarkt (12 Prozent) oder zu alternativen Finanzierungsformen (5 Prozent).

Die Bilanzierung nach IFRS kann nach Einschätzung der befragten Unternehmen auch Impulse für die Internationalisierung des Geschäfts bringen. So erwarten 14 Prozent Vorteile im internationalen Wettbewerb. Sechs Prozent glauben, dass sich die IFRS-Bilanz bei der Suche nach ausländischen Partnern bewährt. Bei einem möglichen Verkauf des Unternehmens rechnen sich 13 Prozent bessere Chancen als mit einer reinen HGB-Bilanz aus.

Hemmschuh Umstellungs- und Folgeaufwand

Das größte Hindernis für die Anwendung der IFRS ist aus Sicht der befragten Unternehmen der Umstellungs- und Folgeaufwand, den 79 Prozent der befragten Mittelständler mit der Einführung von IFRS verbinden. Höhere interne Personalkosten erwarten 50 Prozent, den Aufwand für externe Beratung machen 57 Prozent der befragten Unternehmen als Nachteil geltend. Für knapp die Hälfte der Unternehmen (48 Prozent) sind die Rechnungslegungsvorschriften nach IFRS zu komplex. Zudem schreckt die doppelte Bilanzierung ab. Zwar kann ein Unternehmen den Konzernabschluss auf freiwilliger Basis nach IFRS erstellen, die Einzelabschlüsse müssen jedoch weiterhin den Anforderungen des HGB genügen.

Die Umfrage "IFRS in mittelständischen Unternehmen" können Sie unter daniela.mongiat@de.pwc.com kostenfrei anfordern.

Ute Brüssel | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.dihk.de
http://www.pwc.com

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