Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gesellschaftsbilder halten sich erstaunlich lang in den Köpfen der Menschen

02.06.2005


Studie untersuchte, wie die gesamtdeutsche Gesellschaft im Osten wahrgenommen wird


Was passiert in den Köpfen der Menschen, wenn ein politisches System kollabiert und durch ein neues ersetzt wird? Verändert sich dadurch die Wahrnehmung der Gesellschaft, in der sie leben? Diese oft gestellte und politisch brisante Frage wird in einer soziologischen Studie, die an der Technischen Universität Chemnitz von Sylvia Dietmaier-Jebara durchgeführt wurde, unter einem neuen Blickwinkel diskutiert und am Beispiel der Wende in Ostdeutschland empirisch untersucht. Die Basis stellen insgesamt 20 Intensivinterviews mit Betroffenen dar. Die Untersuchung ist nun unter dem Titel "Gesellschaftsbild und Lebensführung. Zur Stabilität gesellschaftspolitischer Ordnungsvorstellungen in Umbruchszeiten" in den Buchläden erhältlich.

Eines der Hauptergebnisse lautet wie folgt: Der Systemwechsel allein verursacht noch keine Veränderung von Gesellschaftsbildern - im Gegenteil! So besitzt die Wahrnehmung einer Gesellschaft eine tiefliegende Grundstruktur bei jedem Menschen, die auch durch einen rasanten gesellschaftspolitischen Wandel nicht außer Kraft gesetzt wird. Erklären lässt sich die erstaunliche Stabilität von Gesellschaftsbildern durch ihre Entstehung im alltäglichen Handeln: Das, was die Menschen tagtäglich tun, spiegelt sich wider in ihren Deutungen der gesellschaftlichen Umwelt und ihren Erwartungen an die Gesellschaft - und Menschen neigen dazu, die Routinen in ihrem Alltag sehr stabil zu halten.


Neben der hohen Stabilität besitzen Gesellschaftsbilder ein weiteres wichtiges Merkmal: sie sind Indikator für die Akzeptanz der Gesellschaft insgesamt: Dabei wird deutlich, dass die Akzeptanz der neuen Ordnung nicht grundsätzlich dadurch beeinträchtigt wird, ob früher eine Systemloyalität zur DDR bestand oder eine moderne Lebensführung gepflegt wird. Das in der Reihe "Arbeit und Leben im Umbruch" erschienene Buch von Sylvia Dietmaier-Jebara zeigt, welche gesellschaftlichen Gruppen in Ostdeutschland dem wiedervereinigten Deutschland positiv gegenüberstehen und welche Gruppen die neue Gesellschaft eher ablehnen: Positiv bewerten sie jene sozialen Gruppen, die ihre zu DDR-Zeiten etablierte Lebensführung auch nach der Wende weiter praktizieren können, etwa im Bereich des gesellschaftliches Engagements oder bei der Verwirklichung beruflicher Ziele. Eher negativ bewerten Menschen die neue Ordnung, die sich bereits zu DDR-Zeiten als "Bürger zweiter Klasse" fühlten und sich früher wie heute in Nischen zurückziehen und solche, die zwar in den Arbeitsmarkt integriert sind und erneut Karriere gemacht haben, deren neue berufliche Position in Bezug auf soziale Sicherheit und Sozialprestige aber nicht mit der früheren vergleichbar ist.

Sylvia Dietmaier-Jebaras Werk ist der nunmehr siebte Band der Buchreihe "Arbeit und Leben im Umbruch". Herausgeber ist Prof. Dr. G. Günter Voß, der an der TU Chemnitz die Professur Industrie- und Techniksoziologie innehat.

Alexander Friebel | Technische Universität Chemnitz
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de

Weitere Berichte zu: Gesellschaftsbilder Lebensführung Wahrnehmung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie