Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fortschritt bei Transparenz, Nachholbedarf bei Vergleichbarkeit

02.06.2005


Börsennotierte Unternehmen in Deutschland, die nach den International Reporting Standards (IFRS) bilanzieren, haben die Transparenz ihrer Konzernabschlüsse deutlich verbessert. Die Zahl der Anwendungsfehler hat sich zudem verringert. Das Ziel des IASB, Konzernabschlüsse nicht nur national sondern auch international vergleichbar zu machen, wird jedoch nur eingeschränkt erreicht. Das hat eine Untersuchung der Jahresabschlüsse 2001 bis 2003 von 100 börsennotierten deutschen Unternehmen ergeben, die die Fachhochschule Münster mit Unterstützung von KPMG durchgeführt hat.



Fortschritt bei Transparenz



Die Unternehmen haben die Transparenz ihrer Konzernabschlüsse - insbesondere Umfang und Qualität der Pflichtangaben - eindeutig verbessert. Dank dieser höheren Transparenz lassen sich in den Konzernabschlüssen 2003 bestimmte Trends zur Ausübung von Wahlrechten erkennen: So machten rund 60 Prozent der Unternehmen vom Korridoransatz Gebrauch, der für die Bewertung der Pensionsverpflichtungen Bedeutung hat. Er ermöglicht es, Bewertungsänderungen - etwa aufgrund eines veränderten Zinssatzes - ergebnisschonend über einen bestimmten Zeitraum zu verteilen.

Weniger Anwendungsfehler

Die nach IFRS bilanzierenden Unternehmen machen mit zunehmender Erfahrung weniger Anwendungsfehler. Allerdings sind nach wie vor Unstimmigkeiten zu beklagen. Diese resultieren vermutlich daraus, dass sich einige IFRS-Anwender (noch) nicht an die Dynamik der Vorschriften des IASB gewöhnt haben. So haben einige Unternehmen 2003 noch immer die Standards IAS 4 und IAS 9 angewendet, die das IASB bereits seit Jahren durch andere Vorschriften ersetzt hat.

Nachholbedarf bei Vergleichbarkeit

Das Ziel des IASB, die Basis für (international) vergleichbare Konzernabschlüsse zu schaffen, wurde bislang nicht einmal auf nationaler Ebene erreicht. So nutzten die untersuchten Unternehmen das gesamte Spektrum der zahlreich zur Verfügung stehenden Bilanzierungs-, Bewertungs- und Darstellungsmethoden. Eine annähernd einheitliche Ausübung von Wahlrechten ist auch im Zeitablauf kaum zu erkennen. Beispielsweise grenzen rund 20 Unternehmen staatliche Zuwendungen für Vermögenswerte passivisch ab, aber fast ebenso viele setzen sie vom Vermögenswert ab. Prof. Dr. Isabel von Keitz von der Fachhochschule Münster: "Solange das Regelwerk des IASB solche Wahlrechte und Ermessensspielräume zulässt, ist eine uneinheitliche Bilanzierung indes systemimmanent."

Interessante Ausnahme: Von den 100 untersuchten Unternehmen hat 2003 nur ein einziges die Neubewertungsmethode des IAS 16 "Sachanlagen" angewandt. Diese stellt wegen des Ausweises unrealisierter stiller Reserven über den Anschaffungskosten einen fundamentalen, in der Theorie viel diskutierten Unterschied gegenüber dem HGB dar. Die Praxis lässt die Relevanz erkennen.

Prof. Dr. Isabel von Keitz: "Mit dieser Umfrage wollen wir Unternehmen Entscheidungshilfen bei der Wahl der Bilanzierungsmethoden durch Vergleich mit Unternehmen derselben Branche geben. Untersucht wurde auch, ob abhängig von Branche und Unternehmensgröße mögliche Bilanzierungstrends vorliegen oder sich verfestigen." So gibt die Studie Antworten auf die Fragen, welche Arten von selbst erstellten immateriellen Vermögenswerten aktiviert wurden und ob Rechnungsabgrenzungsposten auch in IFRS-Abschlüssen weiterhin als solche ausgewiesen werden.

Dr. Christof Hasenburg, Partner im Department of Professional Practice, der Grundsatzabteilung von KPMG: "Die Ergebnisse dieser Untersuchung machen deutlich, wie wichtig es ist, für die Aufstellung eines IFRS-Abschlusses ständig die aktuellen Diskussionen und vor allem die Entwicklung der IASB-Vorschriften zu verfolgen, da diese permanent überarbeitet und ergänzt werden."

Thomas Blees | KPMG - Pressestelle
Weitere Informationen:
http://www.kpmg.de

Weitere Berichte zu: IAS IASB Konzernabschluss Transparenz Vermögenswert

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Europas demografische Zukunft
25.07.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie