Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ultraschall fördert Heilung nach Schlaganfall

04.05.2005


Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft: Ultraschall fördert Heilung nach Schlaganfall


Eine Kombinationstherapie aus Thrombolytika und Ultraschall kann ein Blutgerinnsel, einen so genannten Thrombus, bei einem Schlaganfall schneller auflösen, als Gerinnsel-auflösende Medikamente allein. Das belegen Ergebnisse einer Studie, die ein internationales Forscherteam in einer aktuellen Veröffentlichung im New England Journal of Medicine vorstellte. Schlaganfälle entstehen in der Regel als Folge eines Verschlusses einer Hirnarterie durch ein Blutgerinnsel. Die bisher einzige effektive Therapie besteht in einer medikamentösen Auflösung dieser Gerinnsel mittels so genannter "Thrombolytika". Bei der Beschallung der verschlossenen Arterie durch den Schädelknochen mit Ultraschall entsteht durch die Freisetzung von Energie im Thrombus möglicherweise eine Zertrümmerung. Hierdurch entsteht eine größere Angriffsfläche für das Medikament, so dass der Gefäßverschluss schneller wieder eröffnet wird. Die lebensnotwendige Hirndurchblutung im betroffenen Areal wird dadurch wieder hergestellt.

"Das trägt zu einer rascheren Genesung der Patienten bei. Der kontinuierliche Einsatz von Ultraschall könnte in Zukunft die Therapie mit Thrombolytika ergänzen und die Heilungschancen nach einem Schlaganfall erhöhen", so Professor Dr. med. Martin Grond, Vorstandsmitglied der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG). Denn je eher ein Arterienverschluss aufgelöst wird, desto mehr Hirngewebe kann gerettet werden. Gefahren scheinen von der Kombinationsbehandlung nicht auszugehen, insbesondere die Hirnblutungsrate war nicht erhöht. Normalerweise wird Ultraschall bei Schlaganfall-Patienten rein zu diagnostischen Zwecken eingesetzt, um die Gefäßverschlüsse zu lokalisieren. Angesichts der Daten aus der Pilotstudie sollte nun eine Phase II-Studie weitere Daten liefern, wie wirksam und sicher der Einsatz von Ultraschall bei der Therapie eines Schlaganfalls ist.


Eine der wichtigsten Maßnahmen bei einem Schlaganfall ist es die lebensnotwendige Sauerstoff-Versorgung wichtiger Gehirnareale wiederherzustellen. Um das zu ermöglichen, erhalten Patienten möglichst frühzeitig ein Medikament zur Blutverdünnung. Dieses verschiebt das Gerinnungsgleichgewicht des Blutes und löst die Gerinnsel in den Blutgefäßen auf, so dass das Gewebe wieder mit Sauerstoff versorgt wird. Diese so genannte Thrombolyse (oder Lysetherapie) ist umso erfolgreicher, je früher sie durchgeführt wird: Am besten in den ersten drei bis sechs Stunden nach Auftreten der ersten Symptome.

Kurz-Informationen zur Studie:

An der Studie nahmen 126 Schlaganfall-Patienten aus nordamerikanischen und europäischen Zentren teil. Die Forscher behandelten diese Patienten innerhalb der ersten drei Stunden nach dem Gefäßverschluss entweder mit einer Kombinationstherapie aus t-PA1 (Gewebe-Plasminogen-Aktivator) plus Ultraschall oder ausschließlich mit t-PA. Als Maß für den Erfolg der beiden Behandlungsarme wurden die Wiedereröffnung der Hirnarterien und die frühe klinische Besserung der Patienten gemessen. Bei 49 Prozent der Patienten kam es zu einer frühen Rekanalisation bzw. erheblichen klinischen Besserung nach t-PA plus Ultraschall. Eine Behandlung mit der Thrombolyse alleine war dagegen nur bei 30 Prozent der Patienten erfolgreich. Löst sich das Blutgerinnsel nach einem Schlaganfall schnell wieder auf, begünstigt dies auch eine langfristige Genesung. Ein Eingriff in das Gerinnungsgleichgewicht des Bluts kann zu Hirnblutungen führen. Die zusätzliche Behandlung mit Ultraschall wirkte sich jedoch nicht auf die Anzahl von Blutungsereignissen im Gehirn aus: Sie lag mit 4,8 Prozent in beiden Gruppen gleich hoch.

t-PA1

t-PA (vom englischen tissue-plasminogen-activator) ist ein Gewebe-Plasminogen-Aktivator. Dieser ist ein körpereigenes Protein, das bei der Auflösung von Blutgerinnseln eine wichtige Rolle spielt. Die Aufgabe von t-PA besteht darin, den Vorläufer das Plasmin, das Plasminogen, zu aktivieren. Plasmin wiederum spaltet das bei der Blutgerinnung entstehende Fibrin in lösliche Produkte und löst dadurch Blutgerinnsel auf.

| idw
Weitere Informationen:
http://www.dsg-info.de
http://awmf.org

Weitere Berichte zu: Blutgerinnsel Schlaganfall Ultraschall

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise