Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mobile IP-Telefonie könnte sich schneller etablieren

11.11.2004


Die Mobilfunkbranche in Deutschland betrachtet das diesjährige Weihnachtsgeschäft als Testlauf für den Übertragungsstandard UMTS. Rund vier Jahre nach der Versteigerung der ursprünglich sechs Lizenzen müssen die vier verbliebenen Anbieter alles daransetzen, dass das Geschäft zum Laufen kommt. Es ist also kein Zufall, dass man zum Weihnachtsgeschäft optimistische und verkaufsfördernde Prognosen hört, wie gut die neue Multimedia-Mobilfunkwelt beim Anwender ankommen wird. Die Branche benötigt dringend einen echten Erfolg. Der Multimedia-Message-Service erwies sich erst jüngst als Flop, die nach wie vor recht hohen Preise für das mobile Telefonieren geraten unter Druck und der Monatsumsatz pro SIM-Karte droht weiter zu sinken. Derzeit beträgt er in Deutschland rund 24 Euro pro Benutzer im Monat. "Wir haben in den vergangenen Jahren den ARPU (Average Revenue per User) sinken sehen", urteilt ein Analyst vom Marktforschungsinstitut Gartner. Das werde sich auch in Zukunft fortsetzen. Damit tritt Gartner Äußerungen von Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke entgegen, der sich von der UMTS-Einführung einen höheren ARPU verspricht.



Zwei Schlüsselfragen entscheiden nach Einschätzung von Experten über den Erfolg oder Misserfolg von UMTS. Die Frage nach dem Sinn und Zweck von hohen Übertragungsbandbreiten für kleine, mobile Endgeräte wie Handys und Smartphones konnte bisher von den Anbietern nicht beantwortet werden. Mobiler Fotoversand via MMS ist kein Geschäft und ob der Download von Musik auf das Handy ein Erfolg wird, ist sehr zweifelhaft. Selbst die „mobile Videotelefonie“ ist umstritten. Und für den Zugriff auf normale Internetseiten eignen sich solche Endgeräte nicht. Displaygrößen und Browserfähigkeiten reichen für multimediale Webseiten nicht aus. Bislang wartet die Branche also noch immer auf die Killerapplikation für Multimedia-Handys.

... mehr zu:
»Handy »IP-Telefonie »Internetzugang »UMTS »WLAN


Sonst bleibt an mobilen Anwendungen der transparente Internetzugang mittels Notebook - also eher eine stationäre Anwendung. Hier steht UMTS aber in unmittelbarem Wettbewerb mit Public WLAN. Die zweite Schlüsselfrage ist: Wie schnell setzt sich mobile IP-Telefonie durch, also VoIP auf dem Handy. Zweifellos eignet sich UMTS für IP-Telefonie, aber Brancheninsider sehen mobile IP-Telefonie unmittelbar in Zusammenhang mit einer deutlichen Reduktion der Minutenpreise. So könnte zwar mobiles VoIP den ersehnten Verkehr für die UMTS-Netze bringen, würde dabei aber nicht nur die Geschäftspläne für UMTS kippen, sondern gleichzeitig das profitable GSM-Geschäft kannibalisieren.

Bringt UMTS nicht binnen kurzem profitable Dienste für den Massenmarkt hervor, könnte sich das „Window of Opportunity“ rasch schließen. Es gibt genügend Alternativen und Nachfolgetechnologien. Mit der Konzentration auf attraktive urbane Gebiete steht UMTS mit Public WLAN-Hotspots im Wettbewerb. Den Mangel der Reichweite werden die drahtlosen Ethernet-Zugänge ab 2005 mit dem neuen Standard WiMAX ablegen.

„Eine ganze Reihe von Netzbetreibern und Herstellern stufen WLAN und WiMAX als ernstzunehmende Alternative ein. Entscheidend wird hier sein, dass die Zugangs- und Authentisierungsverfahren praktikabel und weit verbreitet sind. Wir gehen davon aus, dass sich bei WLAN ein Roaming vergleichbar mit GSM durchsetzt. Der Anwender bekommt eine Zugangskennung, die er bei der Masse der Hotspot-Betreiber per Roaming einbuchen kann,“ erläutert Toni Stadelmann, Geschäftsführer von WeROAM http://www.weroam.com in Bern. WeROAM ist spezialisiert auf Dienste für Wireless Internet Service Provider (WISP) und bietet Roaming, Authentisierung und Subscriber-Management sowie Konvertierung zwischen IP und SS7, dem Inter-Carrier-Protokoll für Sprachnetzkopplungen. Nicht auf das Übertragungsprotokoll und die Technik komme es an, resümiert Stadelmann, sondern auf die einfache Handhabung und die universelle Verwendbarkeit: „Der Anwender muss problemlos und automatisch in WLAN-Hotspots roamen können, am besten gleich auf Basis des Vertrags für seine GSM SIM-Karte. Wenn die Abdeckung groß genug ist, wenn er in allen für den Geschäftsalltag wichtigen Footprints roamen kann, dann hat der drahtlose, nomadisierende Internetzugang den Massenmarkt erreicht.“

Mobile IP-Telefonie wird sich nach Ansicht vieler Branchenkenner sehr schnell etablieren. Welches Übertragungsverfahren ihm zugrunde liegt, ist technisch gesehen unerheblich. Aber die Kosten für den Lizenzerwerb und den Netzaufbau müssen mit den Einnahmen abdeckbar sein. Und hier könnte sich in Deutschland mit den extrem hohen Lizenzkosten aus dem Jahr 2000 das Problem für UMTS auftun. Auch in anderen Ländern sind mobile Datendienste mit anderen, günstiger zu realisierenden Übertragungsverfahren schon viel erfolgreicher als UMTS, etwa in Japan, wo KDDI mit einem Dienst auf Basis CDMA2000-1X Marktführer ist. „Drahtloser, transparenter Internetzugang ist im Grunde ein Low-end Produkt. Das wird sich bald auch in den Preisen niederschlagen. Betreibe ich darüber IP-Telefonie, so wird der Internetzugang zwar veredelt und damit höherwertiger, aber der Dienst steht dann in Wettbewerb mit anderen mobilen wie auch leitungsgebundenen Telefondiensten. Der Wettbewerb diktiert dann das Preisniveau. Daher liegen die besseren Marktchancen bei den Verfahren mit der kostengünstigeren Infrastruktur“, sagt Stadelmann.

Die Wettbewerbssituation mit mobiler IP-Telefonie dürfte auch darüber entscheiden, ob UMTS noch eine Atempause für eine Marktdurchdringung bekommt oder nicht. Die meisten derzeitigen Marktführer im Mobilfunk, die auch gleichzeitig UMTS-Lizenzen erworben haben, setzen eher auf eine spätere Einführung von VoIP und wollen damit ihre Investitionen schützen. In England und den USA sind aber Anbieter wie British Telecom Mobile und Cingular bereits dabei, mobile IP-Telefonie auf Basis Public WLAN in den nächsten ein bis zwei Jahren einzuführen. „UMTS-Handys werden nur solange einen gewissen Markterfolg erreichen können, solange keine Alternative verfügbar ist. Die treibende Kraft für den mobilen Datenverkehr im Massenmarkt werden aber nicht Multimedia-Anwendungen sein, sondern die IP-Telefonie. Verbreiten sich drahtlose, telefoniefähige WLAN-Zugänge rasch, so haben sie gegenüber UMTS auch die niedrigeren Kosten und somit die besseren Preise auf ihrer Seite. Und auf attraktive Handys mit VoIP-Funktion für WLAN werden wir nicht lange warten müssen, sie sind schon in Entwicklung “, weiß Stadelmann.

Gunnar Sohn | NeueNachricht ne-na
Weitere Informationen:
http://www.gartner.com
http://www.ne-na.de

Weitere Berichte zu: Handy IP-Telefonie Internetzugang UMTS WLAN

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften