Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hirnforscher am IfADo untersuchen ältere Menschen: Im Alter wird manches auch besser

28.09.2004


Nicht nur in der Bevölkerungspyramide, auch im Interesse der Wissenschaftler rücken die Alten nach oben. Forscher vom Institut für Arbeitsphysiologie an der Universität Dortmund (IfADo) untersuchen seit einiger Zeit die Vorgänge im Hirn älterer Menschen. Und dabei wurden sie positiv überrascht: Im Vergleich mit Jüngeren "denken" sie anders - und manchmal sogar schneller.



"Ältere Menschen lernen mehr aus ihren Fehlern", berichtet Dr. Michael Falkenstein. Die Messungen der Gehirnströme zeigte bei älteren Menschen eine flachere Kurve, nachdem sie bei Testaufgaben einen Fehler gemacht hatten. Die Vermutung, dass diese flachere "Fehlerwelle" eine verminderte Reaktion auf den Fehler andeuten könnte, bestätigte sich aber nicht. Im Gegenteil, nach einem Fehler zögern ältere Menschen bei der nächsten Aufgabe ein wenig länger und machen damit im Endeffekt etwas weniger Fehler als die jüngeren Probanden.

... mehr zu:
»Frontalhirn »Hirnforscher


Dass die Reaktionszeiten im Alter länger werden, ist nichts Neues. Der Effekt ist aber viel geringer als gemeinhin angenommen. Und auch bei diesen Untersuchungen stießen die Dortmunder Wissenschaftler auf ein interessantes Detail: Die Verzögerung in der Reaktion auf einen visuellen Reiz geschieht vor allem in der Umsetzung der Entscheidung für eine Reaktion in ihre motorische Ausführung, also von der Entscheidung "Tastenklick" bis zur Fingerbewegung. Die Hirnstromdaten deuten jedoch darauf hin, dass dies kein Defizit ist, sondern eine Strategie der Älteren sein könnte, die Reaktionsschwelle zu erhöhen, also vorsichtiger zu sein als Jüngere. Weiterhin zeigte sich bei den Älteren eine leichte Verzögerung der Reizwahrnehmung, die aber durch eine entsprechende Beschleunigung des Entscheidungsprozesses wieder kompensiert werden konnte - ein Teil des "Denkvorgangs" läuft also schneller ab als bei Jüngeren.

Forschungen des Instituts für Arbeitsphysiologie haben, wie der Name schon andeutet, immer einen Bezug zur Arbeitswelt. Dieses Projekt erarbeitet Grundlagen für die Konzeption "altersdifferenzierter Arbeitssysteme". Dabei geht es darum zu analysieren, wie Arbeitsplätze durch Umstrukturierung an ältere Arbeitnehmer angepasst werden können - ein Punkt, der in der Diskussion um längere Lebensarbeitszeiten bedeutsam wird.

Viele altersbedingte Leistungsveränderungen zeigen sich in den Gehirnströmen, die aus dem vorderen Teil des Gehirns, dem Frontalhirn, stammen. Diese Hirnregion, die auch als "Sitz der Persönlichkeit" gilt, ist ein besonders empfindlicher Bereich. In der Kindesentwicklung entwickelt er sich sehr spät und zeigt im Alter die ersten Veränderungen. Das Frontalhirn kontrolliert und koordiniert verschiedene Prozesse; hier findet z.B. die Wahrnehmung und Bewertung eigener Fehler statt.

Die detaillierte Analyse der Prozesse im Gehirn soll zur Entwicklung spezifischer Trainingsprogramme genutzt werden: "Je genauer wir wissen, wo es hakt, desto gezielter können Trainingsmaßnahmen die Defizite verringern - oder zumindest eine Verschlechterung bremsen", erläutert Dr. Falkenstein. Gehirnjogging wird also immer effizienter, je genauer es auf beeinträchtigte Funktionen abgestimmt ist.

Völlig unspezifisch, aber trotzdem erstaunlich wirksam ist übrigens herkömmliches Jogging - oder jedes andere körperliche Fitness-Training. Körperliche Fitness wirkt sich äußerst positiv auch auf die geistigen Fähigkeiten aus, wie der amerikanische Forscher Arthur Kramer vom Beckman Institute in Illinois herausfand. Ein junger Geist in einem trainierten Körper, sozusagen.

Noch ein Vorurteil konnte mit den bisherigen Untersuchungen am IfADo ausgeräumt werden: Ältere Menschen ermüden nicht schneller als junge. Aber einen Wermutstropfen will Dr. Falkenstein nicht verschweigen: "Ältere lassen sich eher ablenken. Sie blenden unwichtige Informationen schlechter aus." Was man natürlich auch so deuten kann, dass sich der Blick für das große Ganze schärft - die Alten können eben doch einiges besser.

Cornelia von Soosten | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifado.de

Weitere Berichte zu: Frontalhirn Hirnforscher

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise